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Australischer Investor plant Bergbau in Thüringen

Irgendwie hat Bergbau in Zeiten von Kohleausstieg und Digitalisierung den Hauch des Vergangenen. Doch das könnte sich bald ändern, sagen Fachleute.

Australischer Investor plant Bergbau in Thüringen

dpa-afx Erfurt – Rohstoffe aus 700 Meter Tiefe holen– in Deutschland? Irgendwie hat Bergbau in Zeiten von Kohleausstieg und Digitalisierung den Hauch des Vergangenen. Doch das könnte sich bald ändern, sagen Fachleute. „Es gibt ein Umdenken.“ Hohe Rohstoffpreise, Engpässe nicht nur bei Gas durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und ein weltweit steigender Bedarf machten heimische Rohstoffe für Bau, Industrie, Landwirtschaft und Energiewende interessant. Eines der wohl größten Projekte: In Thüringen soll eine Kali-Lagerstätte für die Düngemittelproduktion neu erschlossen werden.

Die Rede ist von einem Kali-Bergwerk, in das nach den Plänen der australischen Erkundungsfirma South Harz Potash Ltd. 620 Mill. Dollar fließen sollen. Sie hat Bergbaulizenzen für das Ohmgebirge und andere Areale in Nordthüringen gekauft. Nach Angaben ihrer Regionaldirektorin Babette Winter wurden bisher etwa 5 Mill. Euro in zwei vielversprechende Erkundungsbohrungen bei Worbis und Haynrode gesteckt. Es geht um Kaliumchlorid für mineralischen Dünger.

134 Mill. Tonnen

Sollte das im August vorgelegte Konzept des Unternehmens mit der deutschen Tochter Südharz Kali GmbH aufgehen, wäre es wohl das erste neue Bergwerk dieser Dimension seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik. Nach den Ergebnissen der Probebohrungen habe die Studie die Lagerstätte als „äußerst rentabel“ bewertet. Laut der Studie von South Harz Potash liegt allein im Ohmgebirge ein abbaubarer Vorrat an Kalisalz von mehr als 134 Mill. Tonnen – Rohstoffe für Jahrzehnte. Bis Ende dieses Jahres solle eine Standortentscheidung getroffen werden, sagt Winter. Mit dem Bau der Schächte bis in eine Tiefe von mehr als 700 Metern sowie eines Werks könnte angesichts aufwendiger Genehmigungsverfahren 2026/27 gerechnet werden. „Es gibt eine neue Perspektive!“ twitterte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, als die Studie im August vorlag.

Schon jetzt ist Deutschland, das als eher rohstoffarm gilt, mit dem im MDax notierten Düngemittelproduzenten K+S und Bergwerken im hessisch-thüringischen Grenzgebiet an der Werra sowie in Zielitz in Sachsen-Anhalt eine Größe auf dem Kali-Markt. „Die Kali-Produktion in Deutschland liegt auf Weltrangliste vier, knapp 10% der Weltproduktion“, erläutert der Freiberger Professor für Rohstoffabbau, Helmut Mischo. „Bis heute ist nur ein geringer Teil der ausgewiesenen Reserven abgebaut.“ Mischo von der TU Bergakademie Freiberg, aber auch Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden, verweisen auf Marktverschiebungen bei Düngemitteln wegen des Kriegs in der Ukraine. „Die Preise sind massiv gestiegen“, so Ragnitz. Russland und Belarus seien neben Kanada die größten Düngemittelproduzenten weltweit – allerdings jetzt von Teilen des Marktes abgeschnitten.

Gleichzeitig wachse der Bedarf an Dünger in der Landwirtschaft mit dem Ansteigen der Weltbevölkerung, sagte Mischo. „Dies sind zwei unabhängige, aber überlagernde Prozesse.“ Die potenziellen Investoren im Südharz gingen offenbar davon aus, dass die Preise für Düngemittel langfristig hoch blieben, äußert Ragnitz.