Essensbringdienst

Just Eat Takeaway lässt Luft raus

Der Lieferdienst Just Eat Takeaway schreibt 3 Mrd. Euro auf seine US-Tochter Grubhub ab. Das führt zu einem gigantischen Halbjahresverlust.

Just Eat Takeaway lässt Luft raus

hek Frankfurt

Der Zwischenbericht des Essensdienstes Just Eat Takeaway legt offen, welch gigantischer Fehlgriff die im Juni vergangenen Jahres abgeschlossene Übernahme von Grubhub war. Der britisch-niederländische Konzern schreibt nämlich 3 Mrd. Euro Goodwill auf seine amerikanische Tochter ab. Das drückt den Lieferdienst tief in rote Zahlen. Unter dem Strich stehen 3,48 Mrd. Euro Halbjahresverlust. Der Betrag geht deutlich über den Umsatz von 2,78 Mrd. Euro hinaus.

Just Eat Takeaway hatte Grubhub via Aktientausch erworben. Die im Juni 2020 lancierte Übernahmeofferte bewertete Grubhub mit 7,3 Mrd. Dollar. Im Geschäftsbericht 2021 wird ein Kaufpreis von 4,8 Mrd. Euro genannt. Gemessen an diesem Betrag hat Just Eat Takeaway nun fast zwei Drittel abgeschrieben. Der Goodwill des US-Geschäfts belief sich Ende 2021 auf 3,4 Mrd. Euro. Das meiste davon wird jetzt wertberichtigt.

Die schwache Entwicklung von Grubhub hat maßgeblich zu dem Anfang 2021 einsetzenden Kursverfall beigetragen. Inzwischen hat das Management die Kehrtwende eingeleitet. Im April ließ es wissen, dass die Aufnahme eines strategischen Partners oder ein teilweiser oder vollständiger Verkauf geprüft werde. Medienberichten zufolge erwägen Finanzinvestoren einen Erwerb.

Im Zwischenbericht führt Just Eat Takeaway die Wertminderung von Grubhub auf die verringerte Bewertung von Vergleichsunternehmen, den Zinsanstieg und die Aktienvolatilität zurück. Der Halbjahresverlust ohne Goodwillkorrektur belaufe sich auf 500 Mill. Euro, verglichen mit 486 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum.

Den Jahresausblick bestätigt das Unternehmen. Demnach soll der adjustierte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 0,5 und 0,7% des Bruttotransaktionsvolumens liegen. Für 2023 werden auf dieser Ebene schwarze Zahlen angestrebt. Konzernchef Jitse Groen sagte, dass sich das Unternehmen in den kommenden sechs Monaten der Schwelle zur Profitabilität deutlich nähern dürfte. Das sorgte am Mittwoch für Kursaufschläge.

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