IMP-Index

Metallpreise verharren im zweiten Kriegsmonat auf hohem Niveau

Neben Energie und Agrarrohstoffen wie Weizen sind auch die Metallmärkte durch den russischen Überfall auf die Ukraine in Aufruhr versetzt worden. Nach den starken Preissteigerungen im ersten Kriegsmonat verharren die meisten Metalle nun auf dem hohen Niveau. 

Metallpreise verharren im zweiten Kriegsmonat auf hohem Niveau

Von Hubertus Bardt, Köln*)

Nach der starken Aufwärtsbewegung der internationalen Metallpreise, die im Frühjahr 2020 ihren Anfang genommen und sich in den vergangenen Monaten beschleunigt hatte, ist im Mai eine spürbare Korrektur erfolgt. Allerdings sanken zwar die Weltmarktpreise, doch der schwache Euro belastete die metallverarbeitenden Unternehmen in der Währungsgemeinschaft. 

In Summe ist das Preisniveau, mit dem die in Euro kalkulierenden Unternehmen beim Metalleinkauf konfrontiert werden, von April auf Mai deutlich zurückgegangen. Der Industriemetallpreis-Index (IMP-Index) des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, der monatlich erstellt wird und die Entwicklung der wichtigsten Importmetalle abbildet, sank zuletzt um 7,5 % auf 561,1 Punkte. Zuvor lag er zwei Monate lang über der 600-Punkte-Marke. Die jüngste Abwärtsentwicklung bedeutet jedoch nicht, dass die Metallpreise als günstig angesehen werden können. Das derzeitige Preisniveau wäre noch im Februar ein historischer Rekordwert gewesen. Der Anstieg seit Jahresbeginn wurde nicht einmal zur Hälfte korrigiert.  

An den Handelsplätzen für Metalle, die typischerweise in Dollar abgerechnet werden, sah die Entwicklung hingegen besser aus. Die meisten in Dollar ausgewiesenen Notierungen gingen im Mai um über ein Zehntel nach unten. Lediglich Kupfer und Gold verbilligten sich mit 7,7 % und 4,6 % in geringerem Ausmaß. Deutlich stärker nach unten ging es mit den Indexschwergewichten Aluminium und Eisenerz mit jeweils rund 13 %. Zinn verlor 17 % seines Wertes, bei Nickel waren es 15 % und bei Zink 14 %. Blei und Silber gaben um 10 % bzw. 11 % nach.

Im Vergleich zum Jahresanfang liegen die Dollar-Werte fast aller Metalle niedriger, Gold und Zink notieren leicht über dem Vergleichswert. Nur Nickel ist nach den Turbulenzen durch den russischen Überfall auf die Ukraine immer noch um ein Viertel teurer als im Januar. 

Kritisch für die metallverarbeitende Industrie ist die Wechselkursentwicklung. Durch die Euro-Abwertung schlugen die Kostensenkungen nur teilweise auf heimische Verarbeiter durch. Mit einem konstanten Austauschverhältnis wäre der IMP-Index im Mai statt um 7,5 % um 9,8 % gefallen. Noch deutlicher ist der längerfristige Effekt: Ohne die Abwertung seit Januar läge der Index heute unter 500 Punkten; das wären 13 % unter dem tatsächlichen Wert.

*) Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln und Leiter des Wissenschaftsbereichs.

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