Großhandel

Metro prüft Rückzug aus einzelnen Ländern

Steffen Greubel, seit Mai Vorstandschef von Metro, prüft, ob der Großhändler weiter in 34 Ländern in Europa und Asien aktiv sein wird. „Im Rahmen des Strategieprozesses (...) ist natürlich eine Überprüfung des aktuellen Länderportfolios elementarer...

Metro prüft Rückzug aus einzelnen Ländern

md Frankfurt

Steffen Greubel, seit Mai Vorstandschef von Metro, prüft, ob der Großhändler weiter in 34 Ländern in Europa und Asien aktiv sein wird. „Im Rahmen des Strategieprozesses (…) ist natürlich eine Überprüfung des aktuellen Länderportfolios elementarer Bestandteil“, sagte Greubel gemäß Reuters in einer Telefonkonferenz. Jede Landesgesellschaft werde auf ihren strategischen Wert und ihre Perspektiven hin durchleuchtet. Eine „finale Analyse“ gebe es aber noch nicht.

Greubel will Ende Januar 2022 seine Strategie für den Düsseldorfer Konzern vorlegen. „Die Zeit nehmen wir uns“, sagte er. Es gehe um Perspektiven des Großhändlers über ein Jahrzehnt. Sein Vorgänger als CEO, Olaf Koch, hatte den Konzern auf den Großhandel ausgerichtet und deshalb u. a. den Warenhausriesen Kaufhof und die Supermarktkette Real verkauft. Greubel will nun im Großhandel mit Lebensmitteln den Wachstumsmotor anwerfen, wie er bereits früher angekündigt hatte. Dabei will er in der stark fragmentierten Branche neben organischem Wachstum auch auf Zukäufe setzen.

„Restart in vollem Gange“

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (30. September) verbuchte Metro deutliche Steigerungen in Umsatz und Gewinn. Die Prognose für das Gesamtjahr hatte der Konzern bereits am Dienstagabend angehoben (vgl. BZ vom 28. Juli).

„Der Restart ist in vollem Gange“, sagte Greubel. „Das spüren wir auch bei Metro, insbesondere in Westeuropa und bei der Belieferung.“ Gastronomen und Hoteliers empfangen wieder mehr Gäste und sorgen mit ihrer Nachfrage nach Lebensmitteln für eine Geschäftsbelebung bei dem Großhändler. Aufgrund der von vielen Staaten verordneten Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hatte das Unternehmen bis ins erste Kalenderviertel 2021 hinein kräftig Federn lassen müssen. Nun sind viele Beschränkungen in zahlreichen europäischen Ländern von den Regierungen aufgehoben worden. Im Gastronomiegeschäft stark vertretene Länder wie Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland lägen über Marktniveau, teilte Metro mit.

Positive Entwicklung im Juli

Entscheidender Faktor für die Anhebung der Prognose für 2020/21 sei die „über den Erwartungen liegende Geschäftsentwicklung seit Lockerung der Restriktionen“ gewesen, hieß es. Im dritten Geschäftsquartal (30. Juni) sei der Umsatz mit Hotels und Restaurants sowie im Catering währungsbereinigt um 57% in die Höhe geschossen. Im Juni habe der Erlös in diesem Segment erstmals das Vor-Pandemie-Niveau erreicht und sich dann im Juli weiter positiv entwickelt. Der Belieferungsumsatz sprang den Angaben zufolge im dritten Quartal um 68% nach oben und erreichte 1,1 Mrd. Euro, was einem Umsatzanteil von rund 17% entspricht. In Deutschland sanken die Einnahmen um 3,7% und waren damit weiter rückläufig.

Insgesamt stiegen die Erlöse im dritten Quartal auch dank florierender Geschäfte in Südeuropa um 12,2% auf 6,2 Mrd. Euro; währungsbereinigt lag das Plus bei 15,4%. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte auf 310 (175) Mill. Euro zu. Unter dem Strich und nach Minderheiten blieb ein Gewinn von 63 Mill. Euro; vor Jahresfrist war ein Verlust im fortgeführten Geschäft von 140 Mill. Euro ausgewiesen worden.

Leichter Erlösschwund avisiert

Für das Geschäftsjahr 2020/21 erwartet Metro nun, dass der Umsatz in einer Spanne von 0,5 bis 3,5% sinkt und damit deutlich weniger schrumpft als zuvor avisiert. Ursprünglich war das Management von einem Rückgang um 3 bis 6% ausgegangen. Das bereinigte Ebitda soll nun in der Bandbreite zwischen plus 50 und minus 75 (bislang: minus 50 bis minus 175) Mill. Euro liegen. Die Prognose fußt auf der Annahme stabiler Wechselkurse.

Metro
Konzernzahlen nach IFRS
9 Monate 1
in Mill. Euro2020/212019/20
Umsatz1763519123
Bereinigtes Ebitda 2800834
Ebit242163
Nettoergebnis aus fortgef. Geschäft31–135
Ergebnis aus nicht fortgef. Geschäft 30526
Periodenergebnis31391
Nettoverschuldung3,84428
Operativer Cash-flow670300
1) 1. Oktober bis 30. Juni; 2) ohne Transformationskosten und Immobilientransaktionen; 3) Real und China-Geschäft Börsen-Zeitung