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Tencent-Chef Ma zeigt plötzlich Nerven

Der öffentlich äußerst zurückhaltende Gründer und Chef des chinesischen Internetriesen Tencent Holdings Ma Huateng (Pony Ma) sorgt mit dem Weiterleiten eines kritischen Artikels zu Chinas Corona-Nulltoleranzpolitik für Gesprächsstoff in Chinas...

Tencent-Chef Ma zeigt plötzlich Nerven

nh Schanghai

Der öffentlich äußerst zurückhaltende Gründer und Chef des chinesischen Internetriesen Tencent Holdings Ma Huateng (Pony Ma) sorgt mit dem Weiterleiten eines kritischen Artikels zu Chinas Corona-Nulltoleranzpolitik für Gesprächsstoff in Chinas Netzgemeinde. Am Wochenende hatte Ma auf seinem Konto der hauseigenen Social-Media Plattform Wechat einen Kolumnenbeitrag weiterempfohlen, der vor dem Hintergrund der chinesischen Corona-Restriktionen und Lockdown-Maßnahmen ein düsteres Bild der chinesischen Wirtschaftsperspektiven zeichnet und dabei auch auf die Regulierungsattacken der Pekinger Regierung gegenüber heimischen Internet- und Technologiekonzernen eingeht.

Obwohl sich Ma jegliche eigene Kommentierung des Online-Beitrags ersparte und lediglich ein paar Passagen gegenüber seinen Followern hervorhob, gilt dies im mächtig aufgeheizten Umfeld wachsender Kritik an der ideologisch überfrachteten Coronapolitik der chinesischen Staatsführung als eine brisante Aktion und sogar ein potenzieller Affront. In der von Ma herausgegriffenen Passage geht es um die Beobachtung, dass Chinas führende Techfirmen und ihre Servicekultur einen so wichtigen Beitrag für die Wirtschaft leisten, dass sie dafür nicht im Kampagnenstil heruntergemacht werden sollten.

Tatsache ist, dass sowohl Chinas führende Onlinehändler und Zustelldienste wie Alibaba, JD.Com und Meituan wie auch die mehr auf Onlinespiele und Social Media fokussierte Tencent gleichermaßen unter der Corona-Restriktionswelle und dem seit Herbst 2020 laufenden Regulierungsfeldzug des Staates leiden. Die Pekinger Kampagne sorgt mit Wettbewerbsauflagen, Produktverboten, kulturellen Beschränkungen und der Beschneidung von Fintech-Diensten dafür, dass die Techriesen ihre Geschäftsmodelle umpflügen müssen, um „sozialen Anforderungen“ von Staat und Partei gerecht zu werden. Die Pandemie und Pekinger Nulltoleranzpolitik zu Corona bringt eine so gewaltige Konsumflaute mit sich, dass den Playern nicht nur die Umsätze wegbrechen, sondern auch Wachstumsperspektiven verkümmern.

Kein Wachstum mehr

Im Falle von Tencent hat dies dazu geführt, dass Chinas Vorzeigeunternehmen für Internetdienste erstmals seit dem Börsengang vor 18 Jahren im zurückliegenden Quartal kein Wachstum mehr vorzeigen kann und befürchten muss, im weiteren Jahresverlauf mit schrumpfenden Umsätzen konfrontiert zu werden. Bislang hat Tencent-Chef Ma die Aktionen des Staates klaglos ertragen und bisweilen auch öffentlich gutgeheißen, ganz so, wie es sich für einen Star-Entrepreneur gehört, der sich und seinen Aktionären keinen Ärger einfangen will. Nun aber sieht es so aus, dass selbst die Engelsgeduld des Tencent-Chefs in Frustration und Resignation umgeschlagen ist. Das kann weder die Netzgemeinde noch die Tech-Analysten kaltlassen.