Düngemittelkonzern

K+S will Werk Werra mit Neu­ausrichtung für die Zukunft fit machen

Mit Investitionen in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe baut der Düngemittel- und Salzproduzent K+S sein wichtigstes deutsches Kaliwerk Werra, mit Standorten in Hessen und Thüringen, um. Damit soll der Betrieb bis 2060 gesichert und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden.

K+S will Werk Werra mit Neu­ausrichtung für die Zukunft fit machen

md/dpa-afx Frankfurt

Mit Investitionen in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe baut der Düngemittel- und Salzproduzent K+S sein wichtigstes deutsches Kaliwerk Werra, mit Standorten in Hessen und Thüringen, um. Dafür sollen die beiden Fabriken Wintershall im hessischen Heringen und Unterbreizbach in Thüringen auf ein trockenes Aufbereitungsverfahren umgestellt werden, wie das Unternehmen mitteilt. Das führe dazu, dass der Energiebedarf und der CO2-Ausstoß an den Standorten um rund 50 % reduziert wird. Ein neues Abbauverfahren soll zudem für eine höhere Ausbeute sorgen und Platz für die Einlagerung von Rückständen unter Tage schaffen.

„Wir eröffnen unserem Verbundwerk Werra eine langfristige Zu­kunfts­perspektive bis zum Jahr 2060 und stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Werkes“, sagte Vorstandschef Burkhard Lohr. Durch die Maßnahmen verlängere sich die Nutzungslaufzeit in Unterbreizbach um acht Jahre bis 2040. Das Werk Werra ist für K+S von zentraler Bedeutung; es erwirtschaftet etwa 50% des Betriebsgewinns (Ebitda).

Wegen der Einleitung von Salzabwässern in die Werra sowie der Aufschüttung der weithin sichtbaren Steinsalzhalden steht K+S bei Umweltschützern und Anrainern in der Kritik. Von den nun angekündigten Maßnahmen verspricht sich das Unternehmen für die Zukunft auch geringere Umweltbelastungen. Nach 2027, dann soll der Umbau abgeschlossen sein, werde man keine salzhaltigen Abwässer aus der Produktion mehr in den Fluss einleiten. Die Gesamtmenge der sogenannten Prozesswässer für das Werk Werra werde sich insgesamt auf eine Million Kubikmeter pro Jahr mehr als halbieren. Auch werde die geplante Erweiterung der Halde Wintershall kleiner ausfallen, weil trockene Rückstände stattdessen unter Tage wandern können, heißt es. Von 2028 an sollen mit der künftig noch anfallenden Salzlösung ein Bergwerk in Niedersachsen sowie die frühere Grube Springen in Südthüringen geflutet werden; die Genehmigung für die letztgenannte Maßnahme stehe aber noch aus.

Der Umweltverband BUND kritisierte die Ankündigungen als zu vage. „Es wird keine Entlastung für die Werra geben, und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bleibt weiter ungewiss“, sagte Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des BUND Hessen, zu dpa-afx.

Die Produktion von K+S ist stark auf die Entsorgungsmöglichkeiten für salzhaltige Abwässer angewiesen. Zum Verbundwerk Werra, das in einer strukturschwachen Region liegt und rund 4500 Beschäftigten Arbeit bietet, gehören neben den drei Fabrikstandorten Hattorf in Philippsthal, Wintershall und Unterbreizbach auch die beiden Gruben Hattorf-Wintershall und Unterbreizbach. Insgesamt fördert das Verbundwerk rund 20 Mill. Tonnen Rohsalz pro Jahr, aus denen 3,4 Mill. Tonnen Produkte hergestellt werden, darunter Kalidünger und Düngemittelspezialitäten.

K+S hatte sich durch den Bau des Kaliwerks Bethune in Kanada hoch verschuldet. Durch die jahrelange Baisse am Kalimarkt war der Konzern dann in finanzielle Nöte geraten. Doch nach dem Verkauf des amerikanischen Salzgeschäftes und der Hausse der Kalipreise, die 2021 einsetzte, geht es K+S nun so gut wie lange nicht. 2022 wird ein Rekordergebnis erwartet. Und die Preise, so heißt es, dürften sich weiter auf einem „sehr guten Niveau“ bewegen.