Reaktionen aus der Finanzwirtschaft

Brüsseler Kapitalmarkt-Paket erhält überwiegend Beifall

Das neue Gesetzespaket der EU-Kommission zur Stärkung der Kapitalmarktunion ist in der Finanzwirtschaft überwiegend mit Wohlwollen aufgenommen worden. Die Deutsche Kreditwirtschaft warnte allerdings auch, dass dies nicht die Rolle der Banken als Mittler zwischen Anlegern und Emittenten sowie als Kreditgeber schwächen dürfe.

Brüsseler Kapitalmarkt-Paket erhält überwiegend Beifall

ahe Brüssel

Die Vorschläge der EU-Kommission zur Stärkung der Kapitalmarktunion sind in der Finanzbranche ganz überwiegend mit Wohlwollen aufgenommen worden. Der europäische Kapitalmarktverband AFME (Association for Financial Markets in Europe) bezeichnete dabei das konsolidierte Band, das wesentliche Informationen aller europäischer Handelsplätze bündeln soll, als „das Herzstück“ des Pakets und für Kapitalmarktunion unerlässlich. „Die Bereitstellung von Echtzeit-Aktienmarktdaten für alle Anleger wird einen einheitlichen Überblick über den Handel in Europa bieten, der für die Schaffung eines wirklich paneuropäischen Marktes von entscheidender Bedeutung ist“, betonte AFME-Chef Adam Farkas, der zu­gleich für eine Ausweitung des vorgeschlagenen Geltungsbereichs des Bands plädierte.

Unterstützung für den geplanten einheitlichen Echtzeit-Ticker für Aktien- und Anleihekurse kam auch vom deutschen Fondsverband BVI. „Dieser Börsenpreisticker verbessert die Markttransparenz, erhöht die Datenqualität und kann dazu beitragen, die Kosten für alle Marktteilnehmer zu senken“, betonte Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Allerdings löse die Einführung nicht das Problem der steigenden Marktdatenpreise.

Die Deutsche Kreditwirtschaft äußerte sich etwas zurückhaltender, sieht in dem konsolidierten Band allerdings ebenfalls einen wichtigen Beitrag – wenn die Weichen richtig gestellt werden: „Insbesondere müssen alle Datenlieferanten denselben strengen Qualitätsanforderungen unterliegen, seien es Börsen oder Banken“, hieß es in einer Erklärung. Die Datenqualität sei neben einer tauglichen Governance-Struktur der Schlüssel zum Erfolg.

Fondsbranche zufrieden

Auch der European Single Access Point (ESAP), der ebenfalls die Transparenz für Investoren erhöhen soll, wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Allerdings wurde immer wieder Sorge vor einem möglichen Mehraufwand geäußert. „Effizienzgewinne aus der Sammlung von In­formationen an einer zentralen Stelle dürfen nicht durch komplexere Prozesse sowie Doppelt- und Dreifachmeldungen konterkariert werden“, warnte DSGV-Vorstand Karl-Peter Schackmann-Fallis im Namen der Deutschen Kreditwirtschaft.

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) warnte unterdessen vor einem vorschnellen Verbot des Payment for Orderflow. Dieses solle erst einmal ergebnisoffen geprüft werden, so der geschäftsführende Vorstand Henning Bergmann. „Die Investmentkultur muss weiter ge­stärkt werden – hier sollte das Angebot nicht von vorneherein regulatorisch eingeschränkt werden.“

Applaus gab es auch für die ge­planten Nachbesserungen in der Fondsregulierung, konkret in der AIFM-Richtlinie sowie der Eltif-Verordnung. Der Bundesverband Alternative Investments (BAI) sieht hier eine grundsätzliche Verbesserung des regulatorischen Rahmens. Geschäftsführer Frank Dornseifer zeigte sich zufrieden, dass die Sichtweise, dass sich die AIFMD in der Praxis bewährt habe, von Brüssel voll geteilt werde. Positiv bewertet der BAI unter anderem die vorgeschlagene Konsolidierung des Reportings und die Öffnung grenzüberschreitender Aktivitäten für Verwahrstellen. Als kontrovers stuft Dornseifer den Vorstoß ein, ein EU-weites Regime für Kreditfonds einzuführen. Brüssels Vorschläge bezeichnete er aber dennoch als praxisorientiert. „Die EU-Kommission möchte ja Impulse für die Finanzierung von KMU oder Infrastrukturprojekte setzen, und dafür benötigen wir Kreditfonds.“

BVI-Hauptgeschäftsführer Richter lobt, dass die EU-Kommission we­sentliche Elemente der OGAW- und der AIFM-Richtlinie harmonisieren will, wie etwa das Meldewesen und das Liquiditätsmanagement. Brüssel beweist seiner Einschätzung nach zu­dem Augenmaß, da die bereits strengen Vorschriften zur Auslagerung nicht wesentlich geändert werden sollen. Der BVI begrüßt außerdem den Ansatz, dass beim Liquiditätsmanagement ein Werkzeugkasten zur Verfügung stehe und Assetmanager verpflichtet werden sollen, für jeden Fonds mindestens ein Werkzeug auszuwählen.

Der Deutschen Kreditwirtschaft war es wichtig, grundsätzlich noch einmal zu betonen, dass die Stärkung des Kapitalmarkts nicht die wichtige Rolle der Banken als Mittler zwischen Anlegern und Emittenten so­wie als Kreditgeber schwächen dürfe: „Es sollten auch im Rahmen der Kapitalmarktunion verschiedene Finanzierungsformen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen“, so Schackmann-Fallis.

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