Investment Banking

Nine-to-five-Jobs der anderen Art

Wer ins Investment Banking strebt, weiß in der Regel, worauf er sich einlässt. Für die durchgearbeiteten Nächte können aber schon Praktikanten mit Monatsgehältern von 5000 Euro rechnen.

Nine-to-five-Jobs der anderen Art

Von amerikanischen Verhältnissen ist das Frankfurter Bankenviertel zwar weit entfernt, doch auch hierzulande steigen die Ansprüche der Nachwuchskräfte. Vor allem das Geschäft mit Aktienplatzierungen und Fusionsberatung (M&A) läuft besser denn je. Die Banken, allen voran Goldman Sachs, J.P. Morgan Chase und Morgan Stanley vergrößern ihre Teams. Doch der Wettbewerb ist auch zwischen den Absolventen groß, besonders um die Jobs bei den ganz großen Adressen. Wer es nach dem Studium an der Frankfurt School of Finance oder einer anderen zumeist privaten Hochschule, die Investmentbanker ausbildet, und den zwingend erforderlichen Praktika schafft, dort zu landen, für den gehören Geldsorgen in der Regel der Vergangenheit an.

Wie zu hören ist, sind bereits vor dem Bachelor-Abschluss Praktikumsvergütungen von 5000 Euro im Monat die Regel. Dafür wird allerdings auch Einsatz erwartet. Im Gespräch mit der Börsen-Zeitung schildert eine Studentin der Frankfurt School, die ihr Praktikum pandemiebedingt remote in den Londoner Büros einer kontinentaleuropäischen Investmentbank absolvierte, von einem Nine-to-five-Job der etwas anderen Art: „Wenn es darum ging, einen Pitch vorzubereiten, habe ich manchmal bis 4 oder 5 Uhr morgens recherchiert. Am nächsten Tag ging es dann wieder gegen 9 Uhr los.“ Wie die meisten, die ins Investment Banking wollen, wusste sie, worauf sie sich eingelassen hat: „Überrascht hat mich vor allem, wie viel Spaß mir das gemacht hat.“ Wie im Rausch habe sie sich die Nächte mit Recherchen um die Ohren gehauen, um die Bewertung nicht gelisteter Unternehmen oder andere Informationen zu ermitteln, die für den Pitch beim Kunden gebraucht wurden. Im privaten Umfeld außerhalb der Uni verstehe das kaum jemand, sagt sie: „Aber ich habe wirklich Blut geleckt.“

Immense Arbeitsbelastung

Doch nicht jeder nimmt solche Arbeitsbedingungen klaglos hin. Im vergangenen Jahr schlug eine von New Yorker Nachwuchskräften bei Goldman Sachs produzierte Powerpoint-Präsentation über die immense Arbeitsbelastung im Investment Banking hohe Wellen, was auch hierzulande nicht ohne Folgen blieb. So empfahl etwa die US-Bank-Citigroup in diesem Sommer ihren Mitarbeitern an den europäischen Standorten, ihren Jahresurlaub tatsächlich zu nehmen – ein Rat, der mit Blick auf die Gepflogenheiten in der Branche tief blicken lässt.

Und weil Freizeit nicht alles ist, zumal für die in der Branche gesuchten Workaholics, stiegen auch die Einstiegsgehälter, vor allem in den USA. In einer Art Bieterschlacht mit den expandierenden Technologiekonzernen um Talente sprangen laut einem Bloomberg-Bericht die Einstiegsgehälter für Investmentbanker und Mitarbeiter der Handelsabteilungen bei verschiedenen New Yorker Banken zunächst über die Marke von 100 000 und dann über 110 000 Dollar (97 000 Euro) im Jahr.

Hierzulande liegen die Einstiegsgehälter für Analysten im M&A-Geschäft je nach Größe der Bank und Verhandlungsgeschick bei etwa 75 000 Euro jährlich, im Kapitalmarktgeschäft mit seinen etwas humaneren Arbeitszeiten über den Daumen gepeilt 10% darunter. Hinzu kommen die Boni, die in guten Jahren naturgemäß besser ausfallen als in schlechten.

Die Kluft zwischen den hiesigen und den US-Gehältern ist keineswegs ein branchentypisches Phänomen. Die höheren Löhne kann man als Risikoaufschlag für einen deutlich geringeren Kündigungsschutz ansehen. Zudem ist die Sogwirkung der großen Technologiekonzerne auf die Absolventen hierzulande weniger ausgeprägt und auch die Start-up-Szene überschaubarer.

Trotzdem steigen auch hier die Einstiegsgehälter, auch wenn sich kaum jemand dazu zitieren lassen will. Zum Teil ist das dem Boom geschuldet, der den Bedarf an Arbeitskräften in die Höhe treibt. Auch wirkt der Brexit weiterhin nach. Viele US-Banken waren gezwungen, neben London einen zweiten europäischen Standort aufzubauen, über den sie ihr Geschäft in den verbliebenen 27 EU-Mitgliedstaaten abwickeln können. Vor allem aber handelt es sich bei nahezu allen Investmentbanken um global tätige Konzerne, die ihre Beschäftigten gerne im Laufe ihrer Karriere Erfahrungen an verschiedenen Standorten sammeln lassen. Auch wenn die höheren Lebenshaltungskosten in Metropolen wie New York, Hongkong oder Zürich einen gewissen Gehaltsaufschlag plausibel machen, können die Gehälter nicht beliebig auseinanderklaffen. Den gerade von jungen Menschen oft formulierten Wunsch nach mehr Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsortes können die Banken inzwischen gut erfüllen. Das hänge auch mit der Pandemie zusammen, heißt es etwa bei Morgan Stanley. Sie habe es dem Institut ohnehin abverlangt, sehr schnell flexible Lösungen zu entwickeln.

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