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Geld oder Brief
Von Inken Schönauer,Düsseldorf

Mit dem Kauf von zwei US-Weichenherstellern hat der Bahntechnikkonzern Vossloh 2007 die Weichen für Wachstum auch jenseits des Atlantiks gestellt. Die beiden Unternehmen Cleveland Track Material und Pohl haben ihren Sitz in Cleveland, Pennsylvania sowie Reading, Ohio, nicht aber in Hollywood. Auf die Idee von Hollywood-Ambitionen hätte man in den zurückliegenden Jahren fast kommen können, denn was sich in der Führungsetage des Konzerns abspielte, bot durchaus Stoff für einen Film: Es herrschten lang andauernde Streitigkeiten zwischen Aufsichtsratschef Karl Josef Neukirchen und dem langjährigen Vorstandschef Burkhard Schuchmann, bei denen zunächst keiner nachgeben wollte, dann aber beide gehen mussten.

Schuchmanns Nachfolger Gerhard Eschenröder, ein ehemaliger Ruhrgas-Manager, musste sich erst mit dem als aggressiv geltenden Investor Guy Wyser-Pratte auseinandersetzen, dann hatte er selbst Streit mit seinem Aufsichtsrat. Auf Grund der unterschiedlichen Auffassungen über die Strategie, wie es in der Pressemitteilung damals knapp hieß, trennten sich dann die Wege von Eschenröder und Vossloh im August 2007 - nach gerade einmal eineinhalb Jahren.

Ruhe eingekehrt

Seitdem steht Werner Andree nun als Vorstandssprecher an der Spitze des Unternehmens. Er ist zwar neu in dieser Funktion, aber durchaus ein alter Bekannter bei Vossloh. Immerhin ist er seit dem Jahr 2001 Finanzchef der Gesellschaft. Andree kam von Schwarz Pharma, einem damals zwar börsennotierten, aber doch stark von der Gründerfamilie geprägten Unternehmen. Auch Vossloh hat einen einflussreichen Familienaktionär. Mit dem eher bedächtig auftretenden Andree ist nun wieder Ruhe bei Vossloh eingekehrt, zumindest was die Vorstandsetage angeht. "Wir machen einen Haken hinter ein turbulentes, aber auch erfolgreiches Jahr", sagte Andree dann auch auf der Bilanzpressekonferenz Ende März.

An der Börse zeigt sich derzeit dieser Erfolg. Seit November 2007 steigt der Aktienkurs. War die Vossloh-Aktie Ende November 2007 noch rund 64 Euro wert, so steht der Aktienkurs mittlerweile bei fast 90 Euro, Tendenz steigend. Die Marktkapitalisierung des M Dax-Unternehmens beträgt damit rund 1,3 Mrd. Euro.

Nach einigen Gewinnwarnungen in den vergangenen Jahren ist Vossloh auch operativ mittlerweile wieder zur Verlässlichkeit zurückgekehrt. "Starke Zahlen 2007; hoher Auftragsbestand signalisiert gutes Geschäft im laufenden Jahr", heißt es in der Überschrift einer Studie der Nord/LB, die die Vossloh-Aktie mit dem Anlageurteil "Kaufen" versehen hat. Auch bei den Analysten von SES Research steht Vossloh auf "Kaufen". Die Aktie wird als "günstig" eingestuft. Das Kursziel liegt bei immerhin 105 Euro, was ein Kurspotenzial von fast 20 % darstellt. Zwar gebe es ein Risiko bei den aktuell steigenden Stahlpreisen, Vossloh aber habe dieses bereits abmildern können. Im vierten Quartal seien die Stahlvorräte ausgebaut worden und die Stahlpreise im Geschäftsfeld Schienenbefestigungen bereits für das Gesamtjahr 2008 fixiert worden.

Auf Basis des derzeitigen Kursniveaus von rund 90 Euro und einem Ergebnis je Aktie von 6,14 Euro ergibt sich für 2008 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,6. 2009 wird mit einem Ergebnis je Aktie von 6,25 Euro gerechnet, das KGV liegt damit bei 14,4. Für 2010 wird ein KGV von 13,4 errechnet, das Ergebnis je Aktie soll dann 6,71 Euro betragen.

Positive Zahlen für 2007

Für 2007 lieferte Vossloh positive Zahlen ab. Der Umsatz konnte um fast 22 % auf das Rekordniveau von 1,23 Mrd. Euro gesteigert werden. Dem Plan, die außereuropäischen Umsätze auf 30 % heben zu wollen, ist Vossloh dabei ein großes Stück näher gekommen. Dieser Anteil beläuft sich mittlerweile auf 21 %, nachdem er 2006 noch bei rund 9 % lag. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) landete bei 122 (im Vorjahr: 83) Mill. Euro. Auch die Aktionäre können sich freuen, denn die Dividende kletterte von 1,30 auf 1,70 Euro. Weitere Dividendenerhöhungen sind bereits angekündigt. Vor allem der Auftragsbestand für das laufende Jahr stimmt Analysten optimistisch Mit 1,3 Mrd. Euro per Ende 2007 übertrifft er bereits den gesamten Umsatz 2007.

Der rasant nach oben strebende Aktienkurs veranlasste die Analysten von Close Brothers Seydler dazu, ihre Empfehlung von "Buy" auf "Hold" zu setzen. Das Kursziel wird auf 94 Euro beziffert. Die Prognose des Vorstands sei allerdings nicht sehr ambitioniert, heißt es in der Studie. Diese Einschätzung wird von weiteren Analysten geteilt. Immerhin biete der hohe Auftragsbestand doch einiges an Planungssicherheit. Für das Geschäftsjahr 2008 plant der Vossloh-Vorstand ein Ebit von 142 Mill. Euro, der Umsatz soll bei 1,34 Mrd. Euro liegen.

Chancen in China

Als positiv werten die Analysten, dass Vossloh im Branchenvergleich relativ unabhängig von kurzfristigen Konjunkturzyklen ist, da es sich in der Regel um längerfristig angelegte Infrastrukturprojekte handelt. Gerade in den Schwellenländern wird dem Konzern ein großes Potenzial zugetraut. Bisher gab es dort in der Fläche nur geringe Investitionen. Vor allem in China erhofft sich Vossloh daher noch einiges. Erste Lieferungen von Schienenbefestigungssystemen für Hochgeschwindigkeitssprojekte in China sind bereits erfolgt.

Als positiv wird bei den meisten Analysten auch angemerkt, dass das einst schwächelnde Lok-Geschäft nun zunächst seine Eigenständigkeit behalten soll. Der einstige Vossloh-Aktionär Wyser-Pratte soll die Abspaltung gefordert haben; Eschenröder hatte zumindest nach einem Partner für dieses Geschäft gesucht. Dies - zumindest die aktive Suche nach einem Partner - ist laut Vossloh-Chef Andree zunächst vom Tisch. Gänzlich ausschließen will er es aber nicht. Das allerdings "kostet was".

Börsen-Zeitung, 25.04.2008, Autor Inken Schönauer,Düsseldorf , Nummer 80, Seite 17, 824 Wörter

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