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Redaktion

Geld oder Brief
Von Markus Gärtner, Vancouver

Suncor ist Kanadas größter integrierter Energiekonzern und der führende Ölsandförderer im Land. Die Aktie des Unternehmens hat in den vergangenen fünf Handelstagen bei hohen Umsätzen 10 % auf rund 46,50 kan. Dollar zugelegt und ist regelrecht zu einem Magneten für das ins Ahornland strömende Portfolio-Kapital geworden. Suncor ist die "Go-to"-Aktie, das Papier, mit dem man quasi die Rohstoff-Story Kanada kauft, wie es die Energie-Analystin Laura Lau bei Sentry Select Capital, einer auf Energiewerte spezialisierten Vermögensberatung in Toronto, auf den Punkt gebracht hat.

Die plötzliche Beliebtheit ist eine scharfe Kehrtwende, wie Anleger und Analysten wissen. Noch im Januar hatte das Brokerhaus RBC Dominion Securities die Suncor-Aktie in einem Papier mit dem Titel "Übersehen und ungeliebt" porträtiert. Die Analysten bei RBC bescheinigen dem Energieunternehmen mehr als ein Jahr nach seiner Fusion mit Petro-Canada zwar "ein gutes Upstream-Geschäft, eine solide Bilanz und eine attraktive Bewertung". Doch der Kurs hatte sich seit April 2010 im Bereich von 35 kan. Dollar stets seitwärts bewegt.

Mächtiger Gewinnsprung

Das sprunghaft gestiegene Interesse der Anleger hat gute Gründe. Dazu zählt nicht nur der kräftige Anstieg des Ölpreises seit dem Beginn der Unruhen in Nordafrika und weiten Teilen des Nahen Ostens. Suncor meldete Anfang Februar eine Verdreifachung ihres Gewinns für das Schlussquartal 2010. Der Anstieg um 196 % im Jahresvergleich war nach Angaben des Unternehmens vor allem der gestiegenen Ölsandförderung sowie höheren Gewinnmargen und einem deutlich verbesserten Raffineriegeschäft zu verdanken. Laut dem Quartalsbericht stieg die Produktion in der ölreichen Region im Norden von Alberta auf Jahresbasis um 16,8 % auf einen Rekordwert. Der Gewinn je Aktie von 60 kan. Cent übertraf die Prognose, der operative Cash-flow verdoppelte sich auf 2,14 Mrd. kan. Dollar. Für das Gesamtjahr 2010 wurde ein Gewinn je Aktie von 1,75 kan. Dollar erwirtschaftet. Das sind 113 % mehr als im Vorjahr.

China-Fantasie

"Die operativen Ergebnisse waren im abgelaufenen Quartal in allen Segmenten stark", sagte Suncor-CEO Rick George, "in den Ölsanden haben wir Rekordvolumina erreicht und unsere Offshore-Förderung verläuft weiterhin gut." Als größter Player in der Ölsandregion profitiert Suncor zudem von der China-Fantasie, die hier deutlich wächst, seit Petrochina vor zwei Wochen 5,4 Mrd. Dollar für ein 50:50-Joint-Venture mit Kanadas größtem Gasförderer Encana hinblätterte, um gemeinsam das Cutbank-Ridge-Vorkommen in British Columbia zu entwickeln. Das hat enormes Interesse auf Kanadas Öl- und Gasvorräte gelenkt. Die Reserven in Alberta gelten als die weltweit größten nach Saudi-Arabien.

Suncor investiert derzeit für ihre ehrgeizige Expansion in den Ölsanden 1 Mrd. kan. Dollar pro Quartal. Zum Nettogewinn im vierten Quartal 2010 trugen die Ölsande bereits 36 % bei. Suncor plant dort bis zum Ende des Jahrzehnts jährlich 10 % Produktionswachstum. Bis 2018 sind noch sieben weitere Förderprojekte im Norden von Alberta geplant. Bis zum Jahr 2020 sollen 1 Mill. Barrel Öl täglich gefördert werden, eine Steigerung von fast 67 % gegenüber dem vierten Quartal 2010.

Kräftig zum Quartalsgewinn beigetragen hat bei Suncor auch das Raffineriegeschäft, das aktuell 27,5 % zum Nettogewinn beisteuert. Hier konnte die Auslastung um 4 Prozentpunkte auf 94 % gesteigert werden. "Das Downstream-Geschäft hat die Erwartungen klar übertroffen", kommentiert der Energie-Analyst Andrew Potter von der Canadian Imperial Bank of Commerce, einem der fünf Topinstitute Kanadas, das jüngste Quartal. "Für Suncor ist das der Schlüsselfaktor, den Märkten zu zeigen, dass sie ihre Anlagen zuverlässig und sicher betreiben kann, wenn man so hohe Fixkosten wie in den Ölsanden hat", sagt Ölanalyst Lanny Pendill vom Anlageberater Edward Jones in St. Louis.

Pendill verweist zudem auf das Wachstumspotenzial, das sich aus der Kooperation ergibt, die Suncor 2010 mit dem französischen Energiekonzern Total abschloss, um gemeinsam die Vorkommen in Fort Hills und Joslyn in Albertas Ölsanden auszubeuten. Als Teil des Deals wird Total in der ersten Jahreshälfte 2011 dem kanadischen Partner 1,75 Mrd. Dollar zahlen.

Problem in Nordafrika

Als Problem erweist sich für Suncor in diesen Tagen ein Erbe aus der Fusion mit Petro-Canada, die eine Ölförderung in Libyen von derzeit 50 000 Barrel pro Tag einbrachte. Suncor-CEO Rick George will die Anlage, die 9 % der jährlichen Förderung bei dem kanadischen Unternehmen ausmacht, seit einiger Zeit verkaufen. Das dürfte angesichts der Turbulenzen in Libyen jetzt noch schwieriger werden. Je nachdem, ob es dort zu einem Regimewechsel kommt und wie dieser aussehen wird, könnte die Anlage sogar verstaatlicht werden. Von den Unruhen im Nahen Osten ist Suncor auch durch eine kleine Förderung in Syrien betroffen, die jedoch mit 1 000 Barrel am Tag weniger als 0,2 % der Gesamtförderung ausmacht.

Positives Echo

Dass Anleger und Analysten selbst mit Blick auf die schweren Unruhen in Libyen nicht sonderlich unruhig werden, wenn sie die Suncor-Aktie ins Visier nehmen, verdeutlicht vielleicht am besten die stark verbesserte Einschätzung des Unternehmens. Von 22 Suncor-Analysten, die auf der Webseite Stockchase geführt werden, raten derzeit 13 zu einem Kauf. Nur einer empfiehlt, die Aktie zu verkaufen. Jaime Carrasco beim Investmentberater Blackmont Capital in Vancouver erwartet, dass in den kommenden zwölf Monaten viel Kapital in den Ölsektor fließen wird, was Suncor helfen dürfte. Martin Hubbes beim Vermögensberater AGF Funds in Toronto bescheinigt Suncor "langlebige Assets und ein gutes Management".

Börsen-Zeitung, 25.02.2011, Autor Markus Gärtner, Vancouver, Nummer 39, Seite 17, 828 Wörter

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