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Redaktion

Die Börsen-Zeitung als Wegbegleiter des Finanzplatzes und Zeitung für die Finanzmärkte - Streifzug durch 60 Jahre Qualitätsjournalismus - Gedruckt und online

Bernd Baehring:

Die Jahre 1952 bis 1986

Zu Beginn der fünfziger Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts beschlossen die Gesellschafter der seit 1947 bestehenden Herausgebergemeinschaft Wertpapier-Mitteilungen in Frankfurt - das waren zu gleichen Teilen die Interessengemeinschaft Frankfurter Kreditinstitute und die Verleger-Familien Lehmann und Keppler/Thomas -, das auf die Back Offices der Banken ausgerichtete Verlagsprogramm um eine Zeitung mit Informationen zum Wertpapiergeschäft zu ergänzen. So erscheint seit dem 1. Februar 1952 die Börsen-Zeitung - "börsentäglich", d. h. an jedem auf einen Börsentag folgenden Werktag.

Zeitung für Profis

Die Börsen-Zeitung konkurrierte im Zeitungsmarkt von vornherein mit besonderen Merkmalen, und es war - die notwendigen personellen und gesamtwirtschaftlichen Gegebenheiten vorausgesetzt - sozusagen ein natürlicher Verlauf, dass aus einem Blatt für die Front Offices der Banken immer mehr eine Zeitung im dynamischen, multiplen und ausdrucksvollen Wortbegriff geworden ist: eine Zeitung als Arbeits- und Entscheidungspartner für alle, die beruflich und privat mit Geld, Investment und Wirtschaftsperspektive zu tun haben.

Die Börsen-Zeitung hat ihren Namen als Kennzeichen ihrer Zweckbestimmung sehr ernst, also wörtlich genommen: Sie hat sich vom ersten Tag ihres Erscheinens an als Bestandteil jedes der acht deutschen Börsenplätze verstanden (und ist das als anerkanntes Substitut amtlicher Kurszettel eines späteren Tages auch geworden). Bis vor einigen Jahren hat sie das auch darin zum Ausdruck gebracht, dass die täglichen Tendenzberichte der regionalen Börsen zusammen mit der "Haupttendenz" die Seite 1 dominierten - Anachronismus hin oder her.

Die Börsen-Zeitung wurde zum Organ an der Spitze des Sachverstands. Sie hat dieses Ansehen in schweren und schwierigen Zeiten erhalten und gefestigt, und es ist dieser Ruf, der ihr bis heute entgegenkommt. Fritz Seidenzahl war der Chefredakteur, der diesen Ruf begründet hat: Journalist von lebhaftem Temperament, voller Urteilsfreude, in umfassender und tiefer Sachkenntnis, so hat er dreizehn Jahre bis Ende 1967 das Blatt geführt und dargestellt - ein Meister direkter, knapper und klarer Sprache im Gespräch mit den Großen seiner Zeit und seines Fachs.

Eckhart Thomas, in dem die Gesellschafter nach dem plötzlichen Tod des Verlegers Günter Lehmann den neuen Verleger von Börsen-Zeitung und Wertpapier-Mitteilungen fanden, engagierte den Verfasser dieser Zeilen zum 1. Januar 1970 als Chefredakteur und auf dessen Vorschlag Hans K. Herdt als stellvertretenden Chefredakteur. Herdt trat bereits am 1. September 1969 in die Redaktion ein, wo ihn schwierige Umstände erwarteten - und ein junger Redakteur, Dierk Hartwig, auf den zu bauen war. Hartwig gehörte, ebenso wie Winfried Reimann, Mitglied der Chefredaktion mit Sitz in Düsseldorf, dann jahrzehntelang zur Identität der Zeitung.

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Hans K. Herdt:

Die Jahre 1986 bis 2000

Die Zeit von Juli 1986 bis Ende März 2000 umfasste lauter aufregende Jahre. Der Ekstase der Ereignisse entsprach die Volatilität der Märkte. Es passierte stets das Unerwartete. Die Erwartungen wurden übertroffen. Und die Börsen-Zeitung mittendrin.

An Belegen wäre kein Mangel. Auf der negativen Seite der schockartige Börsencrash vom 19. Oktober 1987, der Meuchelmord an Alfred Herrhausen am 30. November 1989, der Golfkrieg im Januar 1991, das letzte politisch explosive Währungsrealignment im Sommer 1993, der Krisensturm in Südostasien, der Niedergang der alten Metallgesellschaft und von Holzmann, das Desaster auf dem Balkan.

Am Sitz der EZB

Aber auch, auf der positiven Seite, der Zusammenbruch des Sowjetimperiums, die deutsche (Wieder-)Vereinigung, die weltverändernde Revolution der Informationstechnologie, Maastricht und der Mut zum Euro, der Abschied von der D-Mark, Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB), als deren Sitz nach heftigem Tauziehen 1993 die Stadt Frankfurt am Main bestimmt wurde, der Erscheinungsort der Börsen-Zeitung. Ganz zu schweigen von so ausgefallenen Premieren wie der New Economy, dem Neuen Markt und der Neuen Mitte, die es ganz neuerdings auch noch mit der Neuen Sozialen Marktwirtschaft zu tun hat. Herausragend ferner das Gedränge an den Eingangstüren zur Börse. Going Public wurde mehr als eine Mode. Es wurde aktiengesellschaftsfähig. Gab es 1997 erst 25 IPOs, waren es 1998 bereits 67 und 1999 schließlich 168. Damit dürfte jedoch der vorläufige Höhepunkt überschritten worden sein. Im Jahre 2000 waren es noch 152. Um die Börsenneulinge hat sich die Börsen-Zeitung früh und gleich gekümmert. Besonders intensiv um die jungen Start-ups im Neuen Markt. Das zählt zu unserem Kerngeschäft. Hat jemand schon bedacht, was es für eine Redaktion bedeutet, einige hundert neue Firmen zusätzlich zu den etablierten Börsengesellschaften, die ja nicht vernachlässigt werden dürfen, zu beobachten und kritisch zu durchleuchten?

Der deutsche Aktienmarkt florierte wie noch nie. Im Sog der aus den USA importierten Shareholder-Value-Bewegung zeigte er sich wie verwandelt. Die Faszination, mit der im November 1996 die T-Aktie aufgenommen wurde, war für die Stimmung charakteristisch. Was damals von der Deutschen Telekom zur Teilprivatisierung anstand, erforderte mit 20 Mrd. DM 3 Mrd. DM mehr als alle Emissionen der börsennotierten deutschen Unternehmen im Jahre 1995 zusammengenommen.

Für die Börsen-Zeitung waren die späten 80er und die 90er Jahre eine einzige Hochsaison des wirtschaftlichen Strukturwandels, der wiederum den Aufbruch bedeutete in Richtung Globalisierung. Folgerichtig wurde die strikt marktorientierte Auslandsberichterstattung weiter ausgebaut.

Von Mitte 1992 an bezeichnete sich die Börsen-Zeitung im Untertitel ihres Zeitungskopfes als "Zeitung für den Finanzplatz Deutschland". Das war sie zwar schon vorher gewesen. Jetzt aber, da sich der Finanzplatz modernisierte, stärker als in der Vergangenheit professionelle Ambitionen entwickelte und sich die Marktteilnehmer kulturschaffend um den Aufbau einer Aktienkultur bemühten, war der neue Untertitel der Börsen-Zeitung zugleich Symbol und Programm. Symbol, weil sich die Zeitung damit als reinrassige Finanzzeitung empfahl. Programm, weil sie sich als kompetenter Wegbegleiter des Finanzplatzes profilierte.

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Claus Döring:

Die Jahre seit 2000

Wer nicht wie börsennotierte Gesellschaften im Quartals- und Jahresrhythmus den Blick unter öffentlicher Beobachtung nach hinten und nach vorn richten muss, sondern den Fluss der Dinge in einem größeren zeitlichen Rahmen betrachten kann, wie dies beispielsweise zu Jubiläen üblich ist, wird feststellen, dass vor allem ein Ereignis die Geschichte der zurückliegenden Dekade seit dem 50. Geburtstag der Börsen-Zeitung geprägt hat: der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001.

Zwar schienen sich die Weltbörsen von diesem Angriff auf die freie, westliche Welt und ihre Ordnung und Werte schnell erholt zu haben - die Rückkehr zur Normalität fand in den Aktienkursen und anderen Marktdaten schon ein halbes Jahr später ihre beruhigende Bestätigung. Doch wie bei einer Tsunamiwelle, der man auf offener See wegen ihrer geringen Wellenhöhe die Zerstörungskraft nicht ansieht, wirkte der Terroranschlag vom 11. September 2001 nach und entfaltete erst mit der Zeit seine ganze verheerende Wirkung. Politisch und militärisch im Irak-Krieg und dem Kampf gegen den fundamentalistischen Islamismus, ökonomisch in der unmäßigen Liquiditätsversorgung der US- und Weltwirtschaft durch die Notenbanken mit der amerikanischen Federal Reserve an der Spitze.

Diese Form der Krisenbewältigung hat viele neue Krisen geboren, die uns Journalisten als Subprimekrise, Bankenkrise, Finanzkrise, Staatsschuldenkrise und Euro-Krise dauerhaft Stoff geliefert und unsere Leser in Atem gehalten haben.

Relaunch im Jahr 2001

Aber nicht nur die Welt, zumal in Zeiten der Globalisierung, scheint sich in immer schnellerem Schritt zu verändern, auch so etwas vermeintlich Beständiges wie eine Zeitung ändert sich mit der Zeit. Ergebnis der sich verändernden Anforderungen waren regelmäßige Anpassungen von Struktur und Layout der Börsen-Zeitung. Ein großer Relaunch erfolgte im Januar 2001, den der Autor dieser Zeilen seit der Übernahme der Chefredaktion im April 2000 intensiv vorbereitet hatte. Dieser Umstellung der Zeitung auf thematisch strukturierte "Bücher", verbunden mit dem Umstieg von fünf auf sechs Spalten und neuen Schrifttypen, folgten mehrere kleinere Fortentwicklungen. Die regelmäßigen Spezialthemen auf Seite 2 wurden ausgebaut, die Personalien fanden auf Seite 16 am Ende des zweiten Buches einen festen Platz, das Layout wurde großzügiger und übersichtlicher und erhielt vor allem mehr Farbe.

Während der Relaunch des Jahres 2001 für die Verhältnisse der Börsen-Zeitung geradezu als revolutionär zu bezeichnen war, folgten die späteren Umstellungen eher einer evolutionären Fortentwicklung. Nicht ohne Grund spricht man von "Lesegewohnheit". Permanente Brüche sind ihr abträglich.

Meinungsbildner

Eines ist geblieben bei all den Veränderungen in der Form der Präsentation: Im Mittelpunkt stehen die Inhalte. Geschätzt werden von den Lesern die seriöse, fachlich tiefe Berichterstattung, die fundierte Analyse und die pointierte Kommentierung. Ihren Anspruch als meinungsbildendes Blatt betont die Zeitung mit den beiden von der Tagesaktualität geprägten Kommentaren auf Seite 1 und weiteren Kommentierungen im Blattinneren, insbesondere auf der regelmäßigen Meinungs- und Analyseseite 8 am Ende des ersten Zeitungsbuches.

Fotos finden zwar bis heute - gegen den Zeitgeist - meist nur als Personenabbildungen den Weg ins Blatt. Denn gute Wirtschaftsfotos, die nicht nur den Blick fesseln wollen, sondern auch Inhalt transportieren, sind selten. Dafür aber haben Infografiken im Lauf des zurückliegenden Jahrzehnts in der Börsen-Zeitung einen festen Platz erobert.

Ergänzende Produkte

Um zusätzliche Zielgruppen zu erschließen bzw. Teilzielgruppen noch spezifischer bedienen zu können, sind in den zurückliegenden Jahren neue Produkte um das Flaggschiff Börsen-Zeitung herum entstanden. Zuvorderst ist hier das Anlagemagazin "rendite" zu erwähnen, das erstmals im Juni 2008 auf den Markt kam und seither die Leser vierteljährlich mit dem Qualitätsanspruch der Börsen-Zeitung über Anlagethemen informiert. Das etwa 50 Seiten starke Anlagemagazin "rendite", das von der Redaktionsmannschaft der Börsen-Zeitung produziert wird, erfreut sich großen Zuspruchs des über den traditionellen Leserkreis der Zeitung hinausgehenden Publikums. In ähnlicher Weise wurde die regelmäßige Ultimo-Berichterstattung der Börsen-Zeitung über Investmentfonds ausgegliedert und als eigenständiges Produkt etabliert.

Integraler Bestandteil des "Systems Börsen-Zeitung" ist das Online-Angebot. Die Börsen-Zeitung hat dem zum Jahrtausendwechsel vorherrschenden Modetrend widerstanden, eine separate, in Auftritt und Inhalt vom Printprodukt losgelöste Online-Zeitung zu entwickeln und die Inhalte für jedermann kostenfrei im Netz anzubieten. Viele Printprodukte haben sich mit solchen Angeboten kannibalisiert und generell dazu beigetragen, dass Bezahlangebote im Internet bis heute schwer zu etablieren sind. Die Börsen-Zeitung gibt es heute online und auf die verschiedenen Ausgabeformate (PC, Smartphone, iPad) zugeschnitten nicht nur als elektronische Ausgabe, sondern als Premiumangebot angereichert mit zahlreichen zusätzlichen Text- und Kursinformationen sowie Datenbank- und Recherchefunktionen. Insofern profitieren die Nutzer von der Börsen-Zeitung als Teil der WM Gruppe. Etliche Newsletter und andere Services runden das Online-Angebot ab. Sie hier im Einzelnen zu besprechen, würde den Rahmen sprengen. Unter www.boersen-zeitung.de kann sich jeder selbst ein Bild machen.

Die großen strukturellen Veränderungen in der deutschen Kreditwirtschaft wie auch die Folgen der Banken- und Finanzkrise sind nicht spurlos an der Auflagen- und Anzeigenentwicklung der Börsen-Zeitung vorübergegangen. Ausgeprägtes Kostenbewusstsein war deshalb Pflicht. Denn eine Finanzzeitung, die selbst rote Zahlen schriebe, verlöre ein Stück ihrer Glaubwürdigkeit.

Augenmaß und Kontinuität

Andererseits weiß die Börsen-Zeitung einen Verlag und Gesellschafter hinter sich, die in der nunmehr 60-jährigen Geschichte der Zeitung dem Blatt eine Entwicklung mit Augenmaß und kaufmännischem Sachverstand ermöglichten. Denn Kontinuität und Verlässlichkeit dürfen nicht nur für das redaktionelle Angebot gelten, sondern auch für das verlegerische Angebot. Ein in Hausse-Zeiten aufgeblasenes Produkt, das in Baisse-Phasen wie ein angepiekster Ballon zusammenschnurrt, taugt nicht als tägliches Arbeitsmittel. Das Informationsbedürfnis an den Finanzmärkten, in der Kreditwirtschaft und bei börsennotierten Unternehmen fällt nicht mit den Kursen, es ist so beständig wie der Wandel.

Kurzfassungen der Aufsätze aus der Jubiläumsbroschüre "Lesen mit Gewinn - 60 Jahre Börsen-Zeitung" von Bernd Baehring (Chefredakteur von 1970 bis 1986; verstorben am 5. Juni 2007), Hans K. Herdt (Chefredakteur 1986 bis 2000) und Claus Döring (Chefredakteur seit 2000).


Börsen-Zeitung, 02.02.2012, Autor Bernd Baehring, Hans K. Herdt, Claus Döring, Nummer 23, Seite B 32, 1783 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2012023515&titel=Der-Name-ist-Programm
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