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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Gottfried Mehner, Hamburg

Zu üppiger Blutdruck, Tabakkonsum, zu hoher Blutzucker, physische Inaktivität und Fettleibigkeit bilden weltweit die größten Gesundheitsrisiken. Das geht aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor. Um zwei Therapiefelder, nämlich Diabetes und Fettleibigkeit, kümmert sich die dänische Novo Nordisk. Aktuell wird das Unternehmen mit umgerechnet 67,3 Mrd. Euro bewertet. Dieser dänische Blue Chip ist neben der Industrieholding A.P. Møller Mærsk der zweitschwerste Wert der Börse Kopenhagen.

Auf der Liste der großen Pharmawerte, die von Johnson & Johnson sowie Pfizer angeführt wird, rangiert Novo Nordisk derzeit nur auf Rang 9. Kürzlich wurde zwar in der Bewertung AstraZeneca überholt, weil der Kurs dieses Anbieters wegen einer relativ anämischen Produktpipeline unter Druck kam. Novo Nordisk ist aber ein stark fokussierter Konzern. Neben Insulinen wird nur noch ein Mittel zur Behandlung von Blutern hergestellt. Die Wettbewerber sind viel breiter aufgestellt.

In einem Interview mit der führenden dänischen Tageszeitung "Berlingske Tidende" hat Novo-Nordisk-Chef Lars Rebien Sørensen kürzlich durchblicken lassen, dass sich der Aktienkurs durchaus verdoppeln könnte. Auslöser dieser Zuversicht ist offensichtlich das neue Basal-Insulin "Victoza", dem kürzlich von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) eine bessere Wirksamkeit bei der Blutzucker- und Gewichtsreduzierung von Typ-2-Diabetikern bescheinigt wurde. Daneben wurde von der englischen Medizinzeitschrift "The Lancet" das in der klinischen Phase III befindliche Langzeitinsulin "Degludec" im Vergleich zum Konkurrenzprodukt "Glargin" besser bewertet. Angeblich treten bei diesem Medikament Nebenwirkungen signifikant (- 25 %) seltener auf. Für Novo Nordisk hat sich Victoza, das zur Behandlung von schwerem Übergewicht eingesetzt wird, inzwischen zu einem echten Blockbuster-Medikament entwickelt. Damit ist sichergestellt, dass die Produktpipeline, wenn wichtige Patente im Jahr 2017 auslaufen, nicht austrocknet.

Victoza stand 2011 für 10 % am Gesamtumsatz von 66,3 Mrd. dkr. In Deutschland, Großbritannien und Frankreich hat dieses Medikament inzwischen fast 10 % des Marktes erobert. Victoza ist nach Darstellung "das erste und einzige" analoge GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) Insulin, das dem menschlichen Hormon zu 97 % entspricht. Dieses Medikament muss täglich nur einmal verabreicht werden. Es reduziert die Bildung von Antikörpern gegen die eigene Insulinproduktion. Die Betazellen werden stimuliert und produzieren wieder Insulin, was den Blutzuckerspiegel nach einer Nahrungsaufnahme wieder reduziert.

Bei diesem Absenken des Blutzuckerspiegels kann es manchmal zu einer Zielüberschießung kommen. Dann kommt es zu einer Hypoglykämie. Sie soll bei Victoza deutlich weniger auftreten als bei anderen Medikamenten. Im Markt der Diabetes-Mittel sieht sich Novo Nordisk mit einem Anteil von 24 % an erster Stelle. An zweiter Stelle liegt Sanofi vor der japanischen Takeda. Danach folgen Merck, Lilly, Novartis, BMS und GSK.

Der Diabetes-Markt wächst jährlich zweistellig um 12,8 %. Es geht um eine echte Volkskrankheit. Übergewichtige Menschen entwickeln häufig Diabetes. Entsprechend wird in den USA - dem wichtigsten Wachstumsmarkt für Novo Nordisk - von einer Pandemie gesprochen. Im Jahr 2011 waren weltweit rund 366 Millionen Menschen erkrankt. Im Jahr 2033 sollen im Alterssegment von 20 bis 79 Jahren 552 Mill. Menschen an dieser Stoffwechselstörung leiden. Dabei wirkt sich die Entwicklung in den Entwicklungs- und Schwellenländern wie China stark aus. Zudem impliziert auch eine generell höhere Lebenserwartung das zunehmende Auftreten von Krankheiten wie Diabetes.

Von 39 Analysten, die Novo Nordisk regelmäßig beurteilen, sind nach einer Aufstellung von Bloomberg aktuell 17 mit Kaufempfehlungen und ebenso viele mit "Halten"-Empfehlungen im Markt. Nur fünf Analysten legen einen Verkauf der Aktie nahe.

Stabiler Aktionärskreis

Novo Nordisk verfügt über einen sehr stabilen Aktionärskreis. Gegenwärtig sind 107 Mill. stimmrechtsstarke A-Aktien (1 000 Stimmen) und 473 Mill. B-Aktien ausgegeben. Nur die B-Aktien (Nennwert 1 dkr) sind gelistet, auch in den USA über ADRs. Die Novo A/S, hinter der die Novo-Nordisk-Stiftung steht, hält alle A-Aktien und kontrolliert so 73,2 % der Stimmen und 25,5 % des Kapitals. Abzüglich der vom Unternehmen selbst gehaltenen Aktien sind 70,2 % des Kapitals und 26,8 % der Stimmen breit gestreut. Über personelle Verflechtungen zwischen Stiftung und Unternehmen ist sichergestellt, dass die Interessen nicht divergieren.

Die neuen Präparate Degludec und Victoza sowie kommende Kombinationspräparate daraus sind aus Sicht dänischer Analysten sehr wichtig. Aber sowohl Frank Hørning Andersen von der Jyske Bank als auch Søren Løntoft Hansen von der Sydbank bezweifeln, dass daraus die ganz großen Milliardenumsätze entstehen, die eine Kursverdoppelung nach sich ziehen könnten. Hansen traut den neuen Medikamenten einen Umsatz von gut 22 Mrd. dkr zu, während Andersen etwas vorsichtiger von 12 Mrd. dkr ausgeht.

In Dänemark ist zuletzt eine Art Hype um Novo Nordisk entstanden. In einem Monat gewann die Aktie 7,3 %. Für die Dreimonatsperiode ergab sich für den Wert ein Kursanstieg um 24,8 % und für das zurückliegende Halbjahr ein Kursplus von 55,4 %. Eine richtige Kursblase scheint aber noch nicht entstanden zu sein.

Das gewaltige Potenzial von Diabetes und Fettleibigkeit haben auch andere längst erkannt. Hier gilt es immer Sanofi und Eli Lilly mit im Blick zu behalten, ob von dort ebenfalls Neuigkeiten kommen. Hochinteressant erscheinen auch Entwicklungen von Biotechfirmen wie etwa Evotec, die bei der Neubildung von körpereigenen Betazellen ansetzen, was natürlich die externen Insulinzuführungen überflüssig machen würde.

Börsen-Zeitung, 27.04.2012, Autor Gottfried Mehner, Hamburg, Nummer 82, Seite 17, 801 Wörter

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