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Redaktion

Zeitalter der Transparenz bietet neue Geschäftsmöglichkeiten - Profil der Kunden hat sich deutlich verändert

Der automatische Informationsaustausch setzt sich zum internationalen Standard durch. Das Zeitalter der Transparenz, das dadurch eingeläutet wird, bietet neue Geschäftsmöglichkeiten für das Luxemburger Private Banking.

Unsere Banken haben sich spätestens seit der Abschaffung des Steuergeheimnisses im Jahre 2009 bereits auf diese Entwicklung vorbereitet. Unsere Finanzinstitute und unsere Kunden wissen seit langem, dass steuerliche Transparenz unumgänglich ist und das Zukunftsmodell jedes seriösen Finanzplatzes sein muss.

Als Bankenverband haben wir früh damit angefangen, die hiesigen Banken auf den automatischen Informationsaustausch vorzubereiten und haben unter anderem eine Qualitätscharta in der Vermögensverwaltung zusammen mit der International Capital Markets Association (ICMA) eingeführt, in der sich die unterzeichnenden Luxemburger Banken unter anderem dazu verpflichten, ihren Kunden dabei zu helfen, die Steuergesetze in ihrem Herkunftsland einzuhalten.

Die Luxemburger Private-Banking-Industrie befindet sich ohne Zweifel im Wandel. Das Profil unserer Kunden hat sich über die letzten Jahre völlig verändert. Während das verwaltete Vermögen weiterhin stabil bei 307 Mrd. Euro geblieben ist, machen Kunden mit Vermögen bis zu 500 000 Euro heute nur noch 12 % des gesamten verwalteten Vermögens aus, während Kunden mit einem Vermögen von über 5 Mill. Euro 63 % betreffen. Im Bewusstsein des anstehenden Wandels ist es uns gelungen, zunehmend neue, sehr vermögende Kunden zu gewinnen. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft weiter bestätigen. Auch der Anteil der Nicht-EU-Kundschaft ist tendenziell steigend.

Zugleich erhöht sich der Anteil an Unternehmerkunden seit Jahren. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Luxemburger Regierung international einzigartige juristische Strukturen entwickelt hat, die zudem unter die europäischen Richtlinien fallen und meist in den Genuss der Doppelbesteuerungsabkommen kommen. Die Verfügbarkeit von Luxemburger Strukturen wie Soparfi, Sicar, Sif, Reif, SPF, Ucits, Sepcavs, Asseps ist neben der EU-Mitgliedschaft des Großherzogtums ein unbestrittener Wettbewerbsvorteil. International aktive Unternehmer greifen gerne auf das hiesige Angebot zurück.

Zahlreiche Privatbanken am Platz schulen ihr Personal auf die spezifischen Bedürfnisse von Unternehmenskunden, so dass die Vermögensverwalter Signale für eine anstehende Firmenveräußerung frühzeitig erkennen und den Eigentümer bei diesem oft emotionalen und schmerzlichen Prozess tatkräftig unterstützen. Im Regelfall bereitet sich ein Firmenverkauf oder Transfer wenigstens fünf Jahre vor der eigentlichen Veräußerung vor.

Besonderer Mehrwert

Die Optimierung und Strukturierung von grenzüberschreitenden Interessen und Aktivitäten der Firmen spielt ebenfalls eine große Rolle für die Zukunft des Private Banking. Hier sehen Luxemburger Privatbanken eine weitere Chance. Kein internationaler Finanzplatz hat sich bis jetzt die Dienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmer aufs Banner geschrieben. Durch seine Internationalität bietet Luxemburg auch hier einen besonderen Mehrwert.

Firmenkunden suchen natürlich nicht ausschließlich nach Unterstützung auf der unternehmerischen Seite, sondern eine ganzheitliche Betreuung als Firmen-, Privat- und Familienkunde. Themen wie internationale Nachlassplanung, die Veräußerung von Firmenanteilen mit dem Ziel, die familiäre Zukunft zu sichern, die Verwaltung von Investmentportfolien, das Heranziehen einer neuen Generation von Geschäftsführern, philanthropische Stiftungen oder die Förderung von Lebensträumen spielen hier zum Beispiel ebenfalls eine Rolle.

Rundumbetreuung notwendig

Wie jedes Unternehmen müssen unsere Banken auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen und deren Bedürfnisse sind, wie der Rest, großen Änderungen unterworfen. Unsere Kunden von morgen stellen höchste Ansprüche und suchen Banken, die ihre internationalen Portfolien verwalten, umfassende Kreditgeschäfte durchführen und sehr anspruchsvolle, maßgeschneiderte Finanzdienstleistungen bieten können. Sie brauchen eine Rundumbetreuung, die weit über das klassische Private Banking hinausgeht. Deshalb haben sich viele Bankgruppen dafür entschieden, ihre Private-Banking-Aktivitäten in Luxemburg als europäisches Kompetenzzentrum zu bündeln, um von hier aus ihre internationale Kundschaft rundum zu betreuen.

Die zentrale Lage Luxemburgs im Herzen Europas spielt hierbei natürlich eine wichtige Rolle, ebenso wie unser Fachwissen, unsere Sprachenvielfalt und unsere Kompetenzen im Bereich internationaler Finanzdienstleistungen und -produkte. Unser Finanzplatz ist in der Tat immer dann hervorragend aufgestellt, wenn der Kunde oder Investor grenzüberschreitend tätig ist, wenn er Einkünfte oder Investitionen in mehreren Ländern und in mehreren Devisen hat und sich mit den Unterschieden der jeweiligen Gesetzgebungen auseinandersetzen muss. Hier können wir einen Mehrwert bieten, den der Kunde so zu Hause nicht finden kann, wo die Finanzdienstleister sich eher auf ihren Heimatmarkt konzentrieren statt auf internationale Geschäfte.

Neben seiner Internationalität ist die hohe Konzentration an Dienstleistern eine weitere Stärke des Luxemburger Finanzplatzes. Um ihre Kunden rundum zu betreuen und deren hohen Ansprüchen mit den entsprechenden Lösungen zu genügen, können unsere Vermögensverwalter jederzeit auf diese Vielfalt an Dienstleistern zurückgreifen: Anwaltskanzleien, Unternehmensberater, Fondsverwalter, Versicherer und andere spezialisierte Finanzdienstleister. Der Finanzplatz Luxemburg ist ein heterogenes Ökosystem von solchen Anbietern, die hervorragend untereinander vernetzt sind.

Luxemburgs Private Banker haben das nötige regulatorische und fiskalische Fachwissen, um international mobile, steuerkonforme Kunden in ihren grenzüberschreitenden Projekten zu beraten und zu begleiten. Um diesen Wettbewerbsvorteil zu erhalten und unseren Kunden weiterhin einen Mehrwert an Service bieten zu können, den sie bei ihrer inländischen Bank nicht finden, müssen wir verstärkt in die Ausbildung, Weiterbildung und Umschulung unserer Mitarbeiter investieren. Die Zeiten, in denen ein Berater einen Kunden allein betreuen konnte, sind längst vorbei. Heutzutage muss man Experten zusammen an einen Tisch bringen können, um den komplexen Bedürfnissen von international tätigen UHNWI (Ultra High Net Worth Individuals) und Unternehmerkunden gerecht zu werden.

Gerade wegen seiner Internationalität war es für Luxemburg jedoch immer wichtig, dass in Sachen Informationsaustausch einheitliche Regeln gelten. Deshalb begrüßen wir die Tatsache, dass es mit dem Common Reporting Standard der OECD jetzt einen ernsthaften Ansatz für einen weltweiten Standard gibt. Auch die Absicht, die EU- und OECD-Vorgehensweisen in diesem Bereich anzugleichen, ist zu begrüßen. In der Tat ist dies die einzige Möglichkeit, um zu gewährleisten, dass es weltweit einen einzigen kohärenten Rahmen gibt, um Informationen automatisch auszutauschen. Nichtsdestotrotz muss dieses globale System proportional und auch in der Praxis anwendbar sein. Wir teilen jedoch die Befürchtungen aller europäischen Bankenverbände, die im europäischen Bankenverband vertreten sind, dass diese Voraussetzungen momentan nicht gegeben sind.

Um den automatischen Informationsaustausch in der Praxis anzuwenden, werden die Luxemburger Banken, aber auch die hiesigen Verwaltungen sich wohl oder übel mit denselben verwaltungstechnischen und operativen Herausforderungen auseinandersetzen müssen wie die Finanzinstitute und Verwaltungen in anderen Ländern auch.

Die Einführung des automatischen Informationsaustausches mag einen Wendepunkt im Luxemburger Private Banking darstellen. Aber es ist ein Wendepunkt, der gut überlegt sowie lange vorbereitet war und vor allem eine neu Ära der Vermögensverwaltung mit neuen Geschäftsmöglichkeiten einläutet. Wie der Finanzplatz insgesamt hat sich die Luxemburger Vermögensverwaltung stets dem Wandel der Zeit angepasst und bewusst eine Vorreiterrolle angenommen: so auch jetzt wieder.

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Yves Maas Präsident des Luxemburger Bankenverbandes (ABBL)

Börsen-Zeitung, 27.09.2014, Autor Yves Maas, Präsident des Luxemburger Bankenverbandes (ABBL), Nummer 186, Seite B 7, 1016 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2014186808&titel=Private-Banking-befindet-sich-im-Wandel
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