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Redaktion

KOMMENTAR - GRIECHENLAND
Zumindest in einer Hinsicht hat die griechische Regierung im Tauziehen mit ihren Kapitalgebern bereits einen Sieg errungen. Ihr ist es nämlich gelungen, die Verhandlungen über die Bedingungen für einen Verbleib im Euro auf Chefebene zu hieven. Das entspricht weder Praxis noch Geist der Euro-Hilfsprogramme. Denn die zielen ganz bewusst auf detaillierte und überprüfbare finanzpolitische Verabredungen - und eben nicht auf große politische Deals, bei denen alle Beteiligten schnell mal fünf gerade sein lassen. Schließlich sollen diese Absprachen so getroffen sein, dass es eine ökonomisch realistische Aussicht auf Rückzahlbarkeit der Milliarden gibt.

Trotzdem haben die Chefs, die sich ganz gewiss nicht in die Niederungen von Primärüberschüssen oder Mehrwertsteuersätzen begeben werden, die Sache an sich gezogen. Anscheinend glaubt niemand mehr daran, dass die Verhandlungen pünktlich zum Abschluss kommen, wenn man sie länger den Fachbeamten überlässt. Nun also ist Griechenland Chefsache. Am Wochenende wurde bereits emsig telefoniert. Gestern Abend wollten sich Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker noch einmal in kleinem Kreis besprechen.

Anders als die Fachbeamten können sich die Chefs nicht wochenlang in "Papierologie" üben - also in dem ständigen Hin-und-her-Reichen von Arbeitspapieren. Mit der Übernahme des Themas durch die Chefs rückt daher eine Entscheidung nahe: hopp oder top. Nicht zuletzt die wiederholten Mahnungen, dass die Zeit ablaufe, sprechen dafür, dass die Euro-Partner nicht erst in den nächsten Wochen, sondern in den nächsten Tagen auf eine Entscheidung dringen.

Für Griechenlands Premier Alexis Tsipras wird es dann verdammt schwierig, sich weiter den Reform- und Sparanforderungen zu verweigern. Denn wenn er sich erkennbar gegen Vorschläge von Merkel und Hollande - und nicht mehr nur von Fachbeamten - stellt, muss er damit rechnen, dass die heimischen Bürger den Glauben an einen Kompromiss verlieren und den Run auf die Banken starten.

Andererseits ist das Risiko auch für die Euro-Partner groß. Indem sich die Chefs einmischen, übernehmen sie Verantwortung. Sollte es ihnen nicht gelingen, Athen zum Einlenken zu bringen, wird ihnen das zu Recht als schwere politische Niederlage angelastet - und sie werden maßgeblich für die Verwerfungen und Widrigkeiten verantwortlich gemacht, die im Falle einer Hellas-Pleite drohen.


Börsen-Zeitung, 02.06.2015, Autor Detlef Fechtner, Nummer 102, Seite 1, 342 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015102006&titel=Hopp-oder-top
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