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Redaktion

KOMMENTAR - J. SAFRA SARASIN
Erst die liechtensteinische LGT, dann die Credit Suisse mit ihrem hierzulande gebuchten Private-Banking-Geschäft - beides ging an die Bethmann Bank -, nun die schweizerische J. Safra Sarasin: Sind die ausländischen Vermögensverwalter auf dem Rückzug aus Deutschland? Gewinnt die lange erwartete Renationalisierung gerade im Private Banking jetzt an Schwung? Umgekehrt lassen ja auch viele deutsche Häuser die Schweiz oder Luxemburg längst links liegen, weitere Institute sind dort auf dem Sprung.

Was die Absetzbewegung aus dem vom Potenzial her höchst attraktiven Vermögensverwaltungsmarkt Deutschland angeht, wäre es sicher verfrüht, von einem Trend zu sprechen. Gewiss ist es ein branchenweites Problem, dass insbesondere Adressen, denen es an der kritischen Masse fehlt, größte Mühe haben, auf dem hart umkämpften Markt Geld zu verdienen. Es dürfte kaum drei eidgenössische Banken geben, die hier in der Vergangenheit auf ihre Kosten gekommen sind, schon gar nicht nachhaltig. Ferner ist im Zuge wachsender Steuertransparenz das "Geschäftsmodell Schweiz" zunehmend unter die Räder gekommen; das wirkt sich auch auf die Auslandsaktivitäten aus. Die auf Hochtouren laufende Regulierungsmaschine sowie das Zins- und Währungsumfeld machen die Sache nicht leichter. Das heißt indes nicht, dass es für Ausländer von vornherein aussichtslos wäre, auf dem deutschen Markt anzutreten.

Die jüngere Geschichte namentlich der LGT und von J. Safra Sarasin spricht dafür, dass es sich ungeachtet der institutsübergreifend schwierigen Bedingungen doch eher um Einzelfälle handelt. Der Name der liechtensteinischen Fürstenbank, die noch 2011 die BHF-Bank übernehmen wollte, mit diesem Vorhaben aber an der deutschen Finanzaufsicht BaFin scheiterte, war in Deutschland durch die Verbindung zum als Steuerhinterzieher verurteilten Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel verbrannt. Derweil hat sich J. Safra Sarasin hierzulande durch ihre Verwicklung in die für Anleihegläubiger teure Pleite des Windparkentwicklers Windreich und mehr noch durch ihre unrühmliche Rolle bei den vermeintlich besonders pfiffigen Cum-ex-Aktiengeschäften zulasten des Fiskus "einen Namen gemacht".

Es bedarf keiner ausschweifenden Fantasie, sich vorzustellen, dass auch diese Vorgänge die BaFin auf den Plan gerufen und die von ihr verhängten oder angedrohten Konsequenzen der Bank den letzten Rest von Spaß am deutschen Onshore-Geschäft verleidet haben. Aus Sicht des Finanzplatzes ist es eingedenk solcher Verhaltensauffälligkeiten nicht wirklich schade um diese Bank.


Börsen-Zeitung, 11.01.2017, Autor Bernd Wittkowski, Nummer 7, Seite 1, 343 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2017007001&titel=Nicht-wirklich-schade
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