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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Stefan Paravicini, New York

Für den US-Zahlungsdienstleister Paypal war 2017 ein "transformatorisches" Jahr, erklärte President und CEO Dan Schulman vor ziemlich genau zwei Wochen im Rahmen der Vorstellung der Geschäftszahlen. Es sei dem Unternehmen nicht nur gelungen, eine Rekordzahl neuer Kunden zu gewinnen. Auf Grundlage der offenen Architektur seiner Plattform habe der Konzern auch neue Partnerschaften geschlossen, die die Wettbewerbsposition und Wachstumsaussichten für die Zukunft stärken. So oder so ähnlich hört es sich häufig an, wenn Firmenchefs in der laufenden Bilanzsaison das Wort ergreifen. Doch das transformative Jahr von Paypal lässt sich auch an der Entwicklung der Aktie nachvollziehen. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier seinen Wert um mehr als 80 % gesteigert. Die Marktkapitalisierung der ehemaligen Ebay-Tochter lag zeitweise schon oberhalb von 100 Mrd. Dollar und hat den Online-Marktplatz damit weit hinter sich gelassen. In den ersten 18 Monaten nach dem Spin-off von Ebay im Sommer 2015 hatte sich das Papier vor allem seitwärts bewegt.

Ebay setzt auf Adyen

Doch an der Börse wird bekanntlich nur die Zukunft gehandelt. Und während Schulman noch vom transformativen 2017 schwärmte, breitete sich unter Investoren bereits die Sorge aus, dass 2018 in eine andere Richtung wegweisend werden könnte. Denn fast zeitgleich mit Paypal legte auch Ebay ihre Zahlen zum Geschäftsjahr vor und überraschte die meisten Marktbeobachter mit der Ankündigung, Zahlungen auf der eigenen Plattform künftig mit Hilfe der niederländischen Adyen abzuwickeln, wohingegen die Bedeutung von Paypal sukzessive sinken werde. Die Aktie des Online-Auktionshauses hüpfte um 15 %, während der langjährige Partner um ein Zehntel abrutschte (vgl. BZ vom 2. Februar). "Die geplante Evolution unserer Beziehung mit Ebay stimmt überein mit unserer strategischen Richtung und Wachstumsmöglichkeiten und ändert unseren Ausblick nicht", versuchte Paypal zu beruhigen. Tatsächlich ist der Anteil der über Ebay abgewickelten Zahlungen am gesamten Transaktionsvolumen von Paypal im vierten Quartal um drei Punkte auf 13 % gesunken. Doch auch wenn die Bedeutung der ehemaligen Muttergesellschaft zuletzt rückläufig war und der Zahlungsdienstleister sein Transaktionsvolumen im vergangenen Jahr um mehr als ein Viertel auf 451 Mrd. Dollar steigerte, sehen Analysten nach der Entscheidung von Ebay Grund zur Sorge.

Mehr als Dollars und Cents

"Hier geht es um mehr als um Dollars und Cents", schreiben Analysten von Stifel in einer Studie zu den weiteren Aussichten von Paypal. Sie werfen nach dem Abschied des Online-Auktionshauses auf Raten auch grundsätzliche Fragen zur Wettbewerbsposition des Zahlungsdienstleisters auf. Die Entscheidung von Ebay markiere einen Wechsel der Zahlungsstrategie, mit der sich der Konzern nicht zuletzt die Zahlungsdaten und einen Teil der Wertschöpfung zurückholen wolle, loben die Analysten von Wells Fargo das Online-Auktionshaus und zeigen damit auch die potenziellen Risiken an, die in anderen Kundenbeziehungen von Paypal schlummern könnten.

Roadkill vor Roadshow

Andere Stimmen sehen die Trennung von Ebay und Paypal eher im Zusammenhang mit den Plänen für einen möglichen Börsengang von Adyen, die vor einer Roadshow in den USA unbedingt einen herzeigbaren Kunden in dem Land gewinnen wollte. "Ebay hat die Verhandlungen mit Paypal wahrscheinlich über die realistischen Grenzen hinausgetrieben, weil sie wussten, dass Adyan um jeden Preis gewinnen wollte", vermuten Analysten von Monness, Crespi, Hardt & Co. Andere Marktbeobachter halten den Blick unabhängig von Ebay auf die starke Entwicklung des Geschäfts gerichtet. "Wir sind weiterhin beeindruckt von der Umsetzung und dem Wachstumspfad des Unternehmens", erklären die Experten von Canaccord Genuity und sind damit nicht allein. Nach Angaben des Informationsdienst Thomson Reuters raten von 43 befragten Analysten derzeit 14 zum Kauf und 18 haben die Aktie mit dem Aufkleber "Outperform" versehen. Der Median der Preisziele für die Aktie liegt mit 87 Dollar knapp 13 % über dem derzeitigen Kurs und auch etwas oberhalb des Kursniveaus, auf dem Paypal vor der Ankündigung des langjährigen Partners Ebay notierte.

Zelle tritt gegen Venmo an

Für die Aktie spricht, dass Paypal im vergangenen Jahr wegweisende Partnerschaften mit Visa und Mastercard eingegangen ist, die Kunden die Wahl unterschiedlicher Zahlungsmöglichkeiten vereinfacht. Kurz vor Ultimo ist Paypal eine Kooperation mit Synchrony Financial im Geschäft mit Verbraucherkrediten eingegangen. Doch CEO Schulman setzt nicht nur auf Kooperationen, um die Reichweite zu vergrößern. Mit dem Bezahlnetzwerk Venmo, das Paypal im Jahr 2013 im Rahmen der Übernahme von Braintree für rund 800 Mill. Dollar erworben hat, bietet der Konzern jetzt auch kostenlose Überweisungen "peer-to-peer" an und will vor allem bei jungen Erwachsenen punkten. "Jedes Mal, wenn ein Händler oder ein Verbraucher einen zusätzlichen Dienst in Anspruch nimmt - ob der nun kostenlos ist oder nicht -, verdoppelt sich für Paypal der Wert der Kundenbeziehung", erklärt Schulman die Bedeutung von Zusatznutzen, die die Kunden auf die Plattform ziehen oder länger dort halten. Im vergangenen Jahr hat Paypal nicht nur die Zahl ihrer aktiven Kunden um 29 Millionen auf 227 Millionen erhöht, sondern auch die Zahl der Transaktionen pro Nutzerkonto um immerhin 8 % auf 33,6 gesteigert. Doch nicht nur von Adyen droht zusätzlicher Wettbewerb. Im vergangenen Sommer haben die führenden US-Banken gemeinsam das Bezahlnetzwerk Zelle an den Start gebracht, mit dem die Branche die Paypal-Tochter Venmo aus dem Feld schlagen will.

Börsen-Zeitung, 16.02.2018, Autor Stefan Paravicini, New York, Nummer 33, Seite 17, 825 Wörter

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