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Redaktion

KOMMENTAR - GRIECHENLAND
Für Griechenland beginnt eine neue Ära. Die Griechen haben gestern das letzte Hilfsprogramm, das bei den Euro-Rettungsinstitutionen in Luxemburg noch für den Staat lief, verlassen. Nun müssen die Hellenen wieder allein klarkommen, also ohne die gigantischen Hilfssummen der Eurozonenstaaten bzw. ohne die Programme der beiden Eurorettungseinheiten EFSF (European Financial Stability Facility) bzw. ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) die Refinanzierung über die Anleihemärkte bewerkstelligen.

Die Rettungsgelder sind seit 2010 geflossen, und zwar nicht zu knapp. 288,7 Mrd. Euro hat Athen seither erhalten, davon kamen 256,6 Mrd. Euro von den europäischen Freunden, 32,1 Mrd. Euro steuerte der Internationale Währungsfonds bei. Allein die beiden Rettungseinheiten - die EFSF wurde mal für die Griechen ins Leben gerufen! - überwiesen 203,77 Mrd. Euro nach Griechenland. Doch das ist nicht der ganze Hilfsakt, sondern das sind nur die nackten Zahlen rund um das Monetäre. Hinzu kommen auch noch die langen Laufzeiten der Kredite, die Umstrukturierung ausstehender Schulden, Beratung durch ESM & Co. etc.

Nun sollen die Griechen - ohne die Hilfe der EU-Staatengemeinschaft und der Rettungseinheiten - wieder auf eigenen Beinen stehen. Testballons hat das Land am Anleihemarkt schon steigen lassen. Es gab eine Anleihe im April 2014 (fünf Jahre Laufzeit), eine weitere im August 2017 (fünf Jahre), und die vorläufig letzte Anleihe kam im Februar dieses Jahres (sieben Jahre). Die Testballons sind alle nicht zu geplatzten Deals geworden, aber es war eben auch zu berücksichtigen, dass die Hellenen die Helfer immer noch im Rücken hatten.

Nun gut, der Fast-Staatsbankrott ist lange her, vier weitere Länder gingen auch unter die Rettungsschirme und haben sie auch wieder verlassen, und das Investorengedächtnis besteht nicht selten ausschließlich aus dem Kurzzeitgedächtnis. Deswegen sollte es den Griechen nicht allzu schwer fallen, Käufer für ihre neuen Anleihen zu finden, zumal bei solchen Debüts viele gern mit von der Partie sein wollen. Ein Kraftakt wird es für Athen sicher, eine stabile Kurve aufzubauen, nachhaltiges Investorenvertrauen zu etablieren auch in die Wirtschaftskraft des Landes und vor allem einen dauerhaften Kapitalmarktauftritt hinzulegen, der nicht von Pleiten, Pech und Pannen verfolgt ist.

Viel kommt es in der Anfangsphase darauf an, dass der Zeitpunkt ideal ist. Ob das in der Phase von US-Handelsstreit, Italien-Unsicherheit und Währungskrise in der Türkei der Fall ist, darf man ernsthaft bezweifeln.


Börsen-Zeitung, 21.08.2018, Autor Kai Johannsen, Nummer 159, Seite 1, 365 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018159004&titel=Neue-Ära
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