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Redaktion

KOMMENTAR - RENAULT
Das durch die Verhaftung von Carlos Ghosn ausgelöste Beben bei Renault und Nissan dürfte so schnell nicht vorüber sein. Denn beide Unternehmen werden versuchen, ihren Einfluss innerhalb ihrer inzwischen um Mitsubishi erweiterten Allianz zu verteidigen, wenn nicht sogar auszubauen. Ghosn gilt zu Recht als Architekt der Allianz, der er seinen Stempel aufgedrückt hat. Zu glauben, dass das Bündnis ohne ihn zerbrechen wird, ist dennoch falsch. Denn die Automobilkonzerne haben ein zu großes Interesse daran, an ihrer Allianz festzuhalten, benötigen sie doch auch in Zukunft eine Partnerschaft. Fragt sich nur in welcher Form.

Die Verhaftung von Ghosn dürfte auf jeden Fall Spuren in der Allianz hinterlassen und zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse führen. Nissan könnte sie die seit langem erhoffte Chance bringen, mehr Einfluss und mehr Unabhängigkeit zu bekommen. Gleichzeitig wird die von einigen Investoren erhoffte, aber von den Japanern gefürchtete Fusion der beiden Autobauer wohl ausbleiben. Denn Nissan hat nun einen guten Grund gefunden, dieses Ansinnen zurückzuweisen. Für die Allianz selbst ist der Abschied von Ghosn dennoch keine schlechte Nachricht, da Veränderungen im Management schon seit langem überfällig waren. Zudem war die Macht viel zu einseitig auf Ghosn konzentriert. Insofern bietet die Krise auch eine Chance für das Bündnis.

Zuerst muss jedoch bewiesen werden, dass der als "Cost Killer" bekannte Manager die ihm zur Last gelegten Vergehen tatsächlich begangen hat. Zu Recht stellen einige Beobachter die Frage, wie es angehen kann, dass in den an die Börse von Tokio übermittelten Unterlagen das Einkommen von Ghosn über Jahre hinweg viel zu niedrig angegeben wurde. Die Justiz muss nun klären, wer dafür verantwortlich war: Ghosn selbst oder die Buchhalter Nissans. Sollte es der mächtige Manager gewesen sein, stellt sich auch die Frage, ob und warum die internen Kontrollen bei Nissan versagt haben.

Sollte die Schuld von Ghosn erwiesen werden, wird der französische Staat Mühe haben, den Einfluss von Renault innerhalb der Allianz zu verteidigen. Er hätte gut daran getan, Nissan innerhalb des Bündnisses mehr Gewicht zukommen zu lassen und den japanischen Autobauer nicht mit der zwischenzeitlichen Erhöhung seiner Beteiligung an Renault zu provozieren. Dass Nissan im Gegensatz zum französischen Staat keinerlei Stimmrecht bei Renault hat, obwohl die Beteiligung am Kapital genauso hoch ist, ist unverständlich.


Börsen-Zeitung, 21.11.2018, Autor Gesche Wüpper, Nummer 224, Seite 1, 361 Wörter

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