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Redaktion

KOMMENTAR - HUAWEI
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die US-Regierung bei befreundeten Staaten wie Deutschland, Italien und Japan seit geraumer Zeit Stimmung dafür macht, die Technologie des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei nicht mehr zu berücksichtigen. Vor einem Jahr hat US-Präsident Donald Trump mit dem damals verabschiedeten Rüstungshaushalt festgelegt, dass das US-Verteidigungsministerium nicht mehr bei Huawei einkaufen darf. Im Frühjahr hat das Weiße Haus die 120 Mrd. Dollar schwere Übernahme des US-Chipherstellers Qualcomm durch Broadcom gestoppt und dabei auf die Gefahr verwiesen, dass Qualcomm gegenüber Huawei ins Hintertreffen geraten könnte.

Die Skepsis der USA in Bezug auf Huawei ist reichlich dokumentiert, seit ein Bericht des US-Kongresses 2012 zur Einschätzung gelangt ist, dass die Regierung in Peking chinesische Netzwerktechnologie dazu missbrauchen könnte, Nutzer weltweit auszuspionieren. Mit der Verhaftung der Finanzchefin Meng Wanzhou, die noch dazu die Tochter des Firmengründers ist und bereits als Kandidatin für die Nachfolge an der Konzernspitze gehandelt wird, hat der Umgang mit Huawei aber eine neue Qualität erreicht. Auf Drängen aus Washington wurde Meng wegen angeblicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen auf dem Flughafen in Vancouver, Kanada, festgesetzt und soll in die USA ausgeliefert werden. Nicht nur der Vorgang, sondern auch der Zeitpunkt ist außergewöhnlich, verkündeten Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping beim Treffen der G20 in Buenos Aires doch beinahe zeitgleich zu Mengs Verhaftung eine Annäherung im Handelsstreit.

Geht es nach den wütenden Reaktionen aus Peking, dürfte es mit dieser Annäherung schon wieder vorbei sein. Die Personalie Meng schmälert die ohnehin geringe Erfolgswahrscheinlichkeit der auf 90 Tage begrenzten Gespräche zwischen den beiden Ländern. An den Aktienmärkten greift denn auch wieder die Angst vor einer neuerlichen Eskalation des Handelskonflikts Anfang März um sich.

Die Verhaftung von Meng ruft aber auch in Erinnerung, dass es in dem Streit zwischen den USA und China nur an der Oberfläche um Handelsdefizite und Zölle geht. Im Kern steht das Ringen zweier Großmächte um die Vorherrschaft bei Zukunftstechnologien. Erst im Oktober hat Huawei eigene Chips vorgestellt, mit denen sie US-Konzernen wie Nvidia, Intel und Qualcomm auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz Konkurrenz machen will. Mit jeder Intervention aus Washington steigt in Peking die Motivation, das Innovationstempo weiter hochzufahren.


Börsen-Zeitung, 07.12.2018, Autor Stefan Paravicini, Nummer 236, Seite 1, 349 Wörter

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