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Redaktion

KOMMENTAR - SPARKASSEN
Im Stellenprofil des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) steht nicht, dass diese Position dafür prädestiniert sei, neue Freundschaften zu schließen. Insofern kann Helmut Schleweis, seit 14 Monaten im Amt, nicht überrascht sein, dass er keine Feinde mehr braucht - der Bedarf ist schon durch den einen oder anderen Freund gedeckt. Dass es spannend werden könnte als höchster Repräsentant einer der größten Finanzgruppen der Welt, hat man dem heute 64-Jährigen, dem die Aufgabe zufiel (beworben hatte er sich nicht), gesagt. Dass es so spannend werden würde, wusste er nicht.

Doch Schleweis, der seinen Humor nicht verloren hat, beklagt sich nicht. Wer sich in der Sparkassengruppe an der Quadratur des Kreises versucht, also an der Schaffung eines gemeinsamen Spitzeninstituts, weiß sehr wohl, dass an dieser Herausforderung in den vergangenen 40 Jahren schon andere gescheitert sind. Irgendwie hat es mit der Konsolidierung ja trotzdem geklappt, wenn auch meist nur, weil eine Schieflage zu beheben war. Das einstige Dutzend Landesbanken ist zum Quintett geschrumpft. Egal, wie die Causa Nord/LB ausgeht: Mit LBBW, BayernLB und Helaba bleiben nur drei große und starke Adressen übrig (plus SaarLB). Hinzu kommen die Nichtlandesbanken Deka und Berlin Hyp, die etwa in Kombination mit der Helaba ein tolles Duo oder Trio ergäben, aber als vortreffliche Spezialisten vielleicht gerade in Alleinstellung Perlen der Gruppe sind. Soll man deren Marktstellung ohne Not riskieren, indem man alle Häuser zu einem doch eher heterogenen Kunstgebilde zusammenschiebt?

So ehrenwert und unerschrocken sein Vorstoß war: Bei der gegebenen Ausgangsposition hat Schleweis seiner Gruppe, den Stakeholdern und sich selbst zu viel zugemutet. Dass sein großer Wurf durch Indiskretionen torpediert würde, noch bevor der DSGV-Präsident bei den Beteiligten mit der Seelenmassage beginnen konnte, war sonnenklar. Zu den Bundesländern, die wissen, was sie an ihren Landesbanken haben, geht er mit dem Konzept einer komplett sparkasseneigenen Girozentrale zwangsläufig auf Konfliktkurs. Das Herauskaufen der Länder, die Kapitalisierung der Superbank und deren Geschäftsmodell scheinen nicht zu Ende gedacht. Und den Masterplan mit der Rettungsaktion im Norden verknüpfen zu wollen, war ein Fehler.

Nun spricht Schleweis vom "langen Marsch" und sieht sein Megaprojekt "eines Tages" kommen. Seine Amtszeit läuft noch vier Jahre und zehn Monate. Könnte eng werden.


Börsen-Zeitung, 07.03.2019, Autor Bernd Wittkowski, Nummer 46, Seite 1, 356 Wörter

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