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Redaktion

Nachhaltige Anlagen sind ein Gewinn für alle Beteiligten

Der europäische Markt für nachhaltige Investmentfonds hat sich 2018 trotz der schwierigen Marktbedingungen hinsichtlich des verwalteten Volumens, der Rendite und neu lancierter Produkte sehr gut geschlagen. Für Investoren und Assetmanager sind nachhaltige Investments der Weg, Verantwortung für die Welt zu übernehmen.

Nachhaltige Investments spiegeln seit jeher unterschiedliche Werte und Ziele von Investoren wider, weshalb die verschiedensten Anlageansätze entwickelt wurden. Wichtige Anlegermotive sind unter anderem das Investieren im Einklang mit eigenen Wertvorstellungen, die Nutzung von Anlagechancen, ein besseres Risikomanagement und die Berücksichtigung der Ansprüche Dritter.

So gibt es bereits seit mehr als einem Jahrhundert Anleger, die ethische, soziale und ökologische Werte verfolgen und nicht akzeptierte Praktiken und Geschäfte von ihren Anlagen ausschließen. Für viele dieser Investoren heißt dies zum Beispiel: keine Investments in die Waffenindustrie und keine sogenannten Sin Stocks, also Aktien von Unternehmen, die Geschäfte mit Tabak, Alkohol und Glücksspiel machen. Heute ist der Ausschluss von Unternehmen, die an umstrittenen Waffen beteiligt sind, zu einer Standarderwartung privater und institutioneller Anleger geworden.

Entsprechend investiert Amundi konsequent nicht in Unternehmen, die Geschäfte mit kontroversen Waffen machen. Dieser Anspruch zeigt sich auch darin, dass sich eine internationale Investorengruppe kürzlich in einem offenen Brief an Indexanbieter gerichtet hat und diese auffordert, die Produzenten kontroverser Waffen aus den Hauptindizes auszuschließen. Bei anderen Investoren dominieren Anlagechancen, die beispielsweise mit der Energiewende oder dem Aufbau einer Kreislaufwirtschaft verbunden sind.

Individuelle Motive

Eine weitere wichtige Antriebsfeder ist das Bedürfnis nach einem besseren Risikomanagement, wobei neben finanziellen auch operationelle, regulatorische und Reputationsrisiken einbezogen werden. Vor allem die Finanzkrise und der Klimawandel bildeten in den letzten Jahren eine Zäsur, den Blick stärker auf langfristig tragfähige Geschäftsmodelle, die Governance von Unternehmen und CO2-Risiken zu lenken oder gleich ganz aus Kohleinvestments auszusteigen. Für Amundi heißt das, beispielsweise nicht mehr in größere Bergbau- und Energieunternehmen zu investieren, die mehr als 25 % ihres Umsatzes und ihrer Energieerzeugung aus Kohle erwirtschaften.

Immer mehr an Bedeutung gewinnen zudem Pflichten gegenüber Dritten. Im Fokus steht hier, dass Investoren den wachsenden Ansprüchen von Interessengruppen gerecht werden müssen. Pensionskassen erkennen zum Beispiel zunehmend, dass die Berücksichtigung von ESG-Aspekten (Environmental, Social, Governance, kurz ESG) Teil ihrer fiduziarischen Verantwortung ist. Galt Nachhaltigkeit noch vor kurzem als Belastung für die Rendite, dominiert heute die umgekehrte Sichtweise. So hat der US-Pensionsfonds Calpers vor einigen Jahren ausdrücklich keine ESG-Kriterien zugrunde gelegt. Man fürchtete, verklagt zu werden, da man seine treuhänderischen Pflichten nicht wahrnehmen würde. Mit demselben Argument wird heute nachhaltig investiert.

Ein wichtiges Signal für Investoren geht heute von Regulatoren aus. Lange standen vor allem Unternehmen im Zentrum der ESG-Regulation und weniger die Vermögensinhaber und Vermögensverwalter selbst. Dieser Trend hat sich einer Analyse des Indexanbieters MSCI zufolge vor allem im letzten Jahr deutlich gewandelt. Rund 80 % der von MSCI und den UN PRI erfassten Regulationsvorhaben richteten sich an Investoren und nur 20 % an Unternehmen oder Emittenten.

Ein prominentes Beispiel

Prominentes Beispiel für höhere Anforderungen an Investoren ist der Artikel 173 des französischen Energiewendegesetzes. Dieser fordert von Großanlegern die Offenlegung, ob die Investitionen im Einklang mit der Energiewende stehen und wie mit Klimarisiken umgegangen wird.

Von noch größerer Tragweite werden die vier Nachhaltigkeitsverordnungen der Europäischen Union sein, an denen derzeit in Brüssel mit Hochdruck gearbeitet wird. 2018 hat die EU-Kommission aufbauend auf den Empfehlungen der High Level Expert Group on Sustainable Finance einen aus zehn Punkten bestehenden EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen veröffentlicht, wobei der Finanzwirtschaft eine tragende Rolle bei der Transformation in eine CO2-freie Wirtschaft zugewiesen wird.

In einem ersten Schritt werden vier konkrete Vorhaben anvisiert: Erstens soll eine einheitliche Taxonomie für nachhaltige Investments Transparenz schaffen und eine fundierte Anlageentscheidung ermöglichen. Diese Taxonomie soll zweitens die Grundlage für Green-Bond-Standards bilden. Drittens sollen Kategorien von Low-Carbon-Indizes gebildet werden, die von Fondsmanagern als Benchmark für klimafreundliche Anlagestrategien genutzt werden können. Viertens sollen Finanzmarktteilnehmer, wie Banken, Fondsgesellschaften, Versicherungen und Pensionskassen, ESG-Risiken offenlegen. Das heißt, die Investoren haben darüber zu informieren, wie Nachhaltigkeitsrisiken im Anlageprozess integriert werden und welche Renditerisiken für Anlageprodukte drohen - unabhängig davon, ob es sich um nachhaltige oder konventionelle Investments handelt.

Wachsender Druck

Der wachsende Druck auf Investoren, nicht nur finanzielle Kennzahlen, sondern auch Umweltaspekte und soziale Kriterien zu berücksichtigen, ist deutlich spürbar und hat viele Assetmanager veranlasst, neue Fonds und Anlagelösungen zu lancieren. Amundi zählt dabei zu den Pionieren im Bereich verantwortungsvolles Investieren. Die hervorgehobene Bedeutung zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Nachhaltigkeit seit der Gründung eine der vier strategischen Säulen der Unternehmensstrategie ist. Mit dem kürzlich veröffentlichten ESG-Dreijahresplan haben wir uns weitere ambitionierte Ziele gesetzt und planen, die ESG-Politik auf das gesamte Fondsmanagement auszudehnen.

Konkret soll beispielsweise die ESG-Analyse bis Ende 2021 grundsätzlich in das Fondsmanagement aller aktiven und passiven Amundi-Fonds integriert werden. Zudem sollen alle aktiv gemanagten Fonds künftig eine ESG-Performance aufweisen, die über dem ESG-Rating ihres Vergleichsindexes oder des Anlageuniversums liegt. Anlageklassen, wie Schwellenländer, High Yield sowie Small- und Mid-Cap-Aktien, bei denen ESG-Kriterien bisher kaum beachtet sind, werden in die ESG-Analyse vollständig einbezogen. Ein wichtiger Baustein dafür ist, dass die ESG-Analyse auf das gesamte Amundi-Anlageuniversum mit 8 000 Aktiengesellschaften und Emittenten ausgedehnt und die ESG-Performance von Unternehmen systematisch zum Gegenstand des Shareholder-Dialogs und der Abstimmungspolitik auf Hauptversammlungen wird.

An der Zeit zu handeln

Nach einer Phase, während der sich Investoren mit ESG vertraut gemacht und erste Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung gesammelt haben, ist es nun an der Zeit zu handeln. Supranationale Institutionen und NGOs (Nichtregierungsorganisationen) waren lange die einsamen Kämpfer gegen Armut, Korruption und den Ressourcenraubbau. Inzwischen haben Unternehmen und der Finanzsektor erkannt, welche Rolle ihnen beim Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft zukommt.

Wir sind überzeugt, dass eine starke Nachhaltigkeitspolitik Unternehmen erlaubt, Risiken besser zu managen und die Effizienz zu steigern. Für Investoren und Assetmanager ist nachhaltiges Investieren der Weg, Verantwortung in einer Welt zu übernehmen, in der es viele Herausforderungen gibt, deren Konsequenzen weit über finanzielle Erwägungen hinausgehen.

Tobias Löschmann, Head of Institutional Sales bei Amundi Deutschland

Börsen-Zeitung, 27.04.2019, Autor Tobias Löschmann, Head of Institutional Sales bei Amundi Deutschland, Nummer 81, Seite B 2, 954 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019081801&titel=Investoren-legen-verantwortungsvoller-an
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