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Redaktion

Auch bei Finanzinstituten heißt es: Alles auf digital!
Hans de Visser

VP Product Management bei Mendix

Die digitale Revolution verlässt die Fintech-Brutkästen und IT-Abteilungen. Sie erfasst Banken und Versicherungen in all ihren Bereichen. Mit Hilfe von Low-Code-Plattformen lassen sich auch ohne vertiefte Programmierkenntnisse komplexe Anwendungen entwickeln.

Die Digitalisierung erreicht derzeit eine neue Phase. Noch im vergangenen Jahrzehnt lautete der Schlachtruf vieler Digitalisierungsakteure: "Disruption!" Kleine, wendige Einheiten sollten neue, digitale Geschäftsmodelle erfinden und damit den etablierten Industrieriesen das Wasser abgraben. In jeder Branche bliesen die Start-ups zum Sturm. Die Konzerne wiederum wollten, wenn es denn schon eine Revolution geben musste, doch lieber selbst an deren Spitze stehen. So gründeten sie, wenn möglich fernab von der zu überwindenden Welt ihres bisherigen Kerngeschäfts, digitale Inkubatoren und Akzeleratoren. Hier konnten junge Programmierer das Business neu erfinden und ohne das Risiko, die etablierte Marke zu beschädigen, neue Wege der Produktion und des Kundenkontakts ausprobieren. Das Ziel: Die Start-ups sollten schnell wachsen und später das eigene Hauptgeschäft ablösen. Tatsächlich fanden Ideen und Konzepte aus den Digitallabors mitunter ihren Weg in die Konzernzentralen und wurden in das Hauptgeschäft integriert. Andere junge Unternehmen wurden bald in die Selbständigkeit entlassen. Und viele der Programme scheiterten, weil es zu schwierig, nicht erwünscht oder schlicht zu teuer war, die in die Jahre gekommenen Hauptschiffe und den konsequenten Aufbau der designierten digitalen Nachfolger gleichzeitig zu betreiben. Das Scheitern schien für die Start-ups jedoch kaum dramatisch zu sein, da ihnen die Kultur von Versuch und Irrtum von Anfang an eingeschrieben war. Probieren, was geht, Ideen entwickeln, möglichst schnell auf den Markt bringen, Nutzerfeedback sammeln, anpassen, skalieren! Wenn es nicht läuft: nächste Idee!

Das Nebeneinander von Start-up-Spielwiese und Oldschool-Brot-und-Butter-Geschäft scheint heute im Großen und Ganzen der Vergangenheit anzugehören. Heute müssen alle Unternehmen im Kern digitale Unternehmen sein. Digital ist zum neuen Standard geworden. So wie bei manchem Automobilunternehmen heute mehr Software-Entwickler als klassische Ingenieure arbeiten, so muss auch jede Bank und jedes Versicherungsunternehmen heute selbst zum Fintech werden, wenn es in Zukunft bestehen will. Agiles und kooperatives Arbeiten wird nicht mehr nur im Start-up, sondern in sämtlichen Unternehmen praktiziert - in manchen mehr, in anderen weniger.

Die Digitalisierung ist heute kein Nebenschauplatz mehr, der sich in ein Start-up oder in die IT-Abteilung auslagern ließe. Die digitale Transformation erfasst die kompletten Unternehmen. Jeder Bereich, jede Abteilung, jeder Fachexperte muss seine Expertise in die Erstellung und ständige Verbesserung der Software-Landschaft des Gesamtunternehmens mit einbringen können. Benutzerfreundliche Oberflächen für verschiedenste Systeme, deren intelligente Verknüpfung mit dem gesamten Geschäftsbetrieb und die Steuerung der Prozesse über verknüpfte Daten und die Einbeziehung von KI sind überall zu Selbstverständlichkeiten geworden. Dabei gilt der Anspruch, das Tempo hoch zu halten. Doch ist die agile Entwicklung mit ihren schlanken Prozessen und kurzen Sprints im kleinen, dynamischen Start-up schon nicht leicht umzusetzen, bedeutet sie für große Organisationen mit zahlreichen Einheiten, Untereinheiten und begrenzten internen IT-Ressourcen eine umso größere Herausforderung.

Erleichtert wird die Situation allerdings durch eine revolutionäre Veränderung der Möglichkeiten, heute Software zu erstellen. Denn genau in dem Moment, in dem der Bedarf an Entwicklerkapazitäten explodiert, ermöglichen Plattformen wie Mendix, Software auf neue Art zu entwickeln. Auf einer visuellen Oberfläche lassen sich einzelne Elemente per Drag & Drop zu komplexen Anwendungen zusammenstellen. Vertiefte Programmierkenntnisse sind dafür nicht mehr nötig. In einem strukturierten Design-Thinking-Prozess entsteht die Software vor allem in den Fachabteilungen. Prototypen können einfach entworfen und dann laufend optimiert werden. Ziel ist es, Ideen kostengünstig zu testen und bei Erfolg breiter auszurollen. Doch auch die Erneuerung bestehender Software durch die IT-Abteilung ist mit der Hilfe von Low-Code-Plattformen zu bewerkstelligen. Umfang und Geschwindigkeit der gesamten Anwendungsentwicklung lassen sich enorm erhöhen. IT-Spezialisten begleiten den Prozess der Software-Entwicklung zwar, können aber gleichzeitig Ressourcen für andere Projekte einsetzen. Die Plattform garantiert dabei die Einhaltung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards sowie die Kompatibilität mit unterschiedlichsten Schnittstellen. Agile Entwicklung wird so auch in größeren Organisationen machbar.

Die Informationstechnik, die disruptive Entwicklungen in nahezu allen Branchen auslöste, ist gerade dabei, sich durch Low-Code-Plattformen selbst radikal zu verändern. Traditionelle Programmierung ist nur noch eine Möglichkeit, Anwendungen zu erstellen. Die andere ist Low Code. Vielleicht ist es eine Ironie der Geschichte: Genau dadurch eröffnet sich etablierten Unternehmen eine Chance, die andauernden Angriffe junger Programmierer und ihrer Start-ups zu parieren. Integrierte IT-Systeme, die sich sehr schnell an sich verändernde Kundenbedürfnisse anpassen lassen, sind kein Privileg von IT-Freaks mehr. Low Code öffnet die Software-Entwicklung in die Breite. Das ist für das Management eine gute Nachricht, denn es bekommt ein Mittel gegen die sich verschärfende Software-Krise in die Hand. Aber auch die Mitarbeiter profitieren. Den Experten in den Fachabteilungen eröffnen sich neue Karriereperspektiven, die IT-Experten werden entlastet. Die Herausforderung bleibt enorm. Immer mehr Bankdienstleistungen werden online vereinbart. Risikoberechnungen finden in Echtzeit statt und nutzen diverse Datenbestände und Szenario-Simulationen. Nutzerfreundliche und maßgeschneiderte Apps für unterschiedliche Zielgruppen und Plattformen, komplexe Auswertungen im Hintergrund und immer neue Ideen für Marktnischen und komplexe Anwendungen sind die entscheidenden Faktoren für Erfolg. Noch bremst ein Mangel an IT-Kräften die Digitalisierung vieler Banken und Versicherungen. Doch Low Code etabliert sich immer mehr als zusätzliche Säule der Software-Entwicklung. Dabei folgt die Arbeit mit Low Code bestimmten Prinzipien.

Vor beinahe 20 Jahren gab das "Agile Manifesto" der agilen Software-Entwicklung einen festen Rahmen. Ähnlich funktioniert heute das Low-Code-Manifest, das Mendix zu Jahresbeginn veröffentlichte. Fünf Kernpfeiler sollen die Grundprinzipien des Programmierens per Low Code verdeutlichen:

1. Fokussieren Sie sich auf den Business Impact: Ausrichtung schaffen, Klarheit schaffen, schnell Erfolg haben.

2. Lassen Sie allen Makern im Unternehmen freien Lauf: Keine Idee wird verschwendet.

3. Machen Sie alles mit einer agilen Einstellung: Befähigen Sie kleine Teams, entwickeln Sie für die Cloud, veröffentlichen Sie schnell und oft.

4. Setzen Sie auf vorhandene Fähigkeiten: Nutzen Sie existierende Ressourcen, entwickeln Sie nicht von Grund auf neu.

5. Verknüpfen Sie alles: APIs, Integrationen, neue Möglichkeiten des Datenzugriffs - seien Sie offen und zugänglich.

Das Manifest knüpft nicht zufällig an das Agile Manifesto aus dem Jahr 2001 an. Low Code ist aus unserer Sicht der nächste bedeutende Schritt in der Geschichte der Software-Entwicklung.

Wollen die Geldhäuser die neuen Möglichkeiten nutzen, müssen sie offen für neue Wege sein. Die Rabobank setzte zur Erstellung ihres neuen Online-Banking-Portals Rabo Direct die Low-Code-Plattform von Mendix ein. Das Portal verwaltet Kunden- und Back-Office-Transaktionen für in Deutschland und Belgien ansässige Kunden. Auch eine native Mobile-Banking-App ist Teil des Rabo-Direct-Angebots und wurde mit der Low-Code-Plattform entwickelt. Gleichzeitig hat sich die Bank agil reorganisiert. Der Online-Kanal der Bank wurde per Low Code neugestaltet, so dass die IT-Abteilung nun wöchentliche Release-Zyklen einhalten kann. Low-Code-Entwickler, also Fachexperten ohne traditionelle Programmiererfahrung, richten die IT-Systeme voll auf die Kundenbedürfnisse und den Unternehmenserfolg aus. Dabei ist schön zu sehen, wie IT-Experten und Bank-Fachleute sehr eng auf der Plattform zusammenarbeiten. Auch Zurich Insurance nutzt Low Code, um die agile Reorganisation voranzutreiben und die drei Ziele ihrer digitalen Transformationsstrategie zu erreichen: Kundenorientierung, Vereinfachung und Innovation. Das DevOps-Team besteht dabei zum Teil aus ehemaligen Business-Analysten - Entwickler mit einem ausgeprägten Verständnis für die Geschäftsanforderungen, aber nur wenigen Programmierkenntnissen. Sie entwickeln kundenorientierte Software in hoher Geschwindigkeit.

Machen die Beispiele der Rabobank, von Zurich Insurance und anderen Finanzinstituten, die schon mit Low Code arbeiten, Schule, dann wird sich die Welt der Finanzen weiter deutlich verändern. Denn der kollaborative Ansatz von Low Code ist in der Lage, verkrustete Strukturen aufzubrechen und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen zu fördern. Die Start-up-Revolution fällt zwar aus. Die Banken und Versicherungen haben jetzt aber die Chance, sich von innen heraus zu erneuern und digital nach vorn zu kommen.

Börsen-Zeitung, 05.03.2020, Autor Hans de Visser, VP Product Management bei Mendix, Nummer 45, Seite B 10, 1209 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020045803&titel=Wie-Low-Code-die-Banken-und-Versicherungen-veraendert
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