Großbritannien

Bank of England pocht auf Unabhängigkeit

Die von Gordon Brown gewährte Unabhängigkeit der Bank of England ist in Großbritannien zum Streitthema geworden. Notenbankchef Andrew Bailey verteidigte sie als „Eckpfeiler der Wirtschaftspolitik“.

Bank of England pocht auf Unabhängigkeit

hip London

Die Unabhängigkeit der Notenbank wird in Großbritannien zunehmend in Frage gestellt – über alle politischen Lager hinweg. Der konservative Politiker Tom Tugendhat, einer der Bewerber für die Nachfolge von Boris Johnson als Tory-Parteichef, hatte der Bank of England vorgeworfen, die Wirtschaft während der Pandemie durch breite Anleihekäufe (Quantitative Easing, QE) „aufgepumpt“ und einen „Zuckerrausch“ herbeigeführt zu haben. Sie sei mitverantwortlich, dass die Inflation den höchsten Stand in 40 Jahren erreicht hat, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Unterhauses. In der Schweiz habe es das nicht gegeben.

Die Geldpolitiker der Notenbank müssten zeigen, dass sie der Inflation Einhalt gebieten können, bevor ihnen ihre Unabhängigkeit genommen werde, hieß es jüngst in einer Kolumne im konservativen „Telegraph“. Man müsse darüber nachdenken, die Unabhängigkeit der Bank of England zu widerrufen, war dem Labour nahestehenden „New Statesman“ zu entnehmen. „Die Fixierung der Bank auf Inflationsziele, ungeachtet der Kosten für die Gesellschaft, gehört zu den schlimmsten Hinterlassenschaften von New Labour“, urteilte dort der Volkswirt James Meadway vom Progressive Economy Forum.

„Die Menschen müssen die Wichtigkeit der Unabhängigkeit der Notenbank als Eckpfeiler der Wirtschaftspolitik begreifen“, forderte Notenbankchef Andrew Bailey vor dem Finanzausschuss des Unterhauses. Es handele sich um ein „sehr ernstes Thema“. QE sei nicht schuld an der aktuellen Situation. „Wenn das so wäre, hätten wir in diesem Land eine wesentlich stärkere Inlandsnachfrage“, sagte Bailey.

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