Bilanzpressekonferenz des DSGV

Auf dem Zinsgipfel weiten Sparkassen Gewinn stark aus

Nach einem starken Abschneiden im vergangenen Jahr stellen sich die Sparkassen auf bescheidenere Zeiten ein. Gut 18 Mrd. Euro vor Bewertung hatten sie vor allem wegen eines Zinsschubs verdient. Der Zinsgipfel sei jedoch erreicht, glaubt Sparkassenpräsident Ulrich Reuter.

Auf dem Zinsgipfel weiten Sparkassen Gewinn stark aus

Auf dem Zinsgipfel weiten Sparkassen Gewinn stark aus

Ergebnis vor Bewertung legt um 60 Prozent zu – Rückläufige Zinseinnahmen erwartet

fir Frankfurt

Satte Zinszuwächse haben den deutschen Sparkassen im vergangenen Jahr hohe Gewinne beschert. Insgesamt verdienten die 353 Sparkassen mit 18,2 Mrd. Euro vor Bewertung fast 60% mehr als 2022 und nach Bewertung mit 7,9 Mrd. Euro mehr als doppelt so viel, hieß es am Dienstag in der Bilanzpressekonferenz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

2023 war ein außergewöhnliches Jahr, und diese außergewöhnlichen Umstände sehen wir 2024 nicht.

Sparkassenpräsident Ulrich Reuter

Besondere Umstände

Dabei werde es nicht bleiben, machte Sparkassenpräsident Ulrich Reuter deutlich, der am 1. Januar die Nachfolge von Helmut Schleweis angetreten hat: „2023 war ein außergewöhnliches Jahr, und diese außergewöhnlichen Umstände sehen wir 2024 nicht.“ So sei wohl der Zinsgipfel erreicht, erklärte Reuter, mithin sei dieses Jahr wieder mit einem rückläufigen Zinsüberschuss zu rechnen.

Kein Grund zur Euphorie

Von einem „schönen Ergebnis“ sprach der DSGV-Chef, mit dem die Sparkassen in Sachen Profitabilität an Zeiten vor der Niedrigzinsphase anknüpfen könnten. „Ein Grund zur Euphorie“ sei es aber nicht. Überhaupt bemühte sich der Sparkassenpräsident um Bescheidenheit, wohl wissend, dass weniger günstige Umstände und wirtschaftliche Stagnation ein ähnlich starkes Abschneiden vorerst unwahrscheinlich machen.

Risikovorsorge aufgestockt

Dieses Jahr werde das Ergebnis folglich schwächer ausfallen, prognostizierte Reuter, ohne sich auf Zahlen festzulegen. Dafür spreche neben dem zu erwartenden sinkenden Zinsüberschuss eine sich wieder auf Normalmaß einpendelnde Kreditrisikovorsorge. Diese war in den vergangenen Jahren bemerkenswert niedrig ausgefallen, zum guten Teil dank staatlicher Hilfsmaßnahmen für gebeutelte Wirtschaftszweige in der Coronakrise. 2023 hatten die Sparkassen die Kreditrisikovorsorge auf 2,3 Mrd. Euro erhöht, was fast einer Verfünffachung gegenüber dem Vorjahr gleichkommt.

Und um gut 10 Mrd. Euro füllten die Sparkassen die Puffer auf: Die Aufstockung der Vorsorgereserven liege somit auf Rekordniveau, befand Reuter.

Provisionsüberschuss legt zu

An Zinsen wurden unter dem Strich mehr als 28 Mrd. Euro eingenommen, 7,4 Mrd. Euro oder 35% mehr als im Vorjahr. Auch höhere Provisionen konnten sie – vor allem im Zahlungsverkehr – einstreichen, auch wenn sich der Zuwachs um gut 3% auf fast 10 Mrd. Euro im Vergleich mit dem Wachstumstempo bei den Zinserträgen bescheiden ausmachte.

Zu- statt Abschreibungen

Entspannung war bei festverzinslichen Wertpapieren im Eigenbestand angesagt. Hatte die rapide Zinswende 2022 noch Abschreibungen in Höhe von 8 Mrd. Euro verursacht, weil die Kurse abgesackt waren, so konnten die Sparkassen nun 2,1 Mrd. Euro an Bewertungserträgen verbuchen.

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