Konsolidierung

Auf der Suche nach Partnern für Monte dei Paschi

In Italien konsolidiert sich die Bankenlandschaft zunehmend. Wie es mit der mehrheitlich staatlichen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena weitergeht, ist allerdings noch unklar.

Auf der Suche nach Partnern für Monte dei Paschi

Von Gerhard Bläske, Mailand

Die Konsolidierung in Italiens Bankenlandschaft hat sich beschleunigt. Nachdem der französische Crédit Agricole bei Italiens Nummer 3, dem Mailänder BPM, eingestiegen ist, bleibt nun vor allem die Frage, wie es mit der mehrheitlich staatlichen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS), die dringend einen Partner sucht, weitergeht.

Es hat sich viel getan in Italiens Bankenlandschaft. Die Banca Intesa Sanpaolo hat 2020 Ubi Banca übernommen. Die Südtiroler Sparkasse will sich die Civibanca in Friaul einverleiben und hat gerade Anteile übernommen. BPER aus Modena ist dabei, die Genueser Carige zu integrieren. Der Crédit Agricole hat gerade Creval gekauft und ist mit 9,8% bei BPM eingestiegen. Viele Beobachter sehen in diesem Schritt nur eine Vorstufe zu einer vollständigen Übernahme.

Offen ist, wie es mit Monte dei Paschi weitergeht. Unicredit hat im Herbst 2021 Übernahmeverhandlungen geführt. Sehr zum Missfallen der Regierung hat die Bank aber nach intensiver Prüfung verzichtet. CEO Andrea Orcel hielt die Risiken für zu groß, obwohl die Regierung zu Zugeständnissen bereit war. Rom bot 5 Mrd. Euro in Form von Steuergutschriften, einer Kapitalerhöhung und anderen Hilfen. Die HVB-Mutter wollte 8,5 Mrd. Euro, davon 6,3 Mrd. Euro für eine Kapitalerhöhung und 2,2 Mrd. Euro in Form einer Steuergutschrift. Dazu sollten die Übernahme von Rechtsrisiken durch den Staat und vor allem ein starker Personalabbau kommen. Im Vergleich zur Konkurrenz hat MPS viel zu viele Beschäftigte.

Rom hat nun das Problem, bei MPS eine Kapitalerhöhung von mindestens 2,5 Mrd. Euro vornehmen zu müssen, wahrscheinlich dürfte der Kapitalbedarf viel größer sein. Kurzfristig hat Rom in Brüssel und Frankfurt um eine Verlängerung der Privatisierungsfrist gebeten und hofft, Zeit bis Ende 2024 zu bekommen. Die Regierung will eine Zerschlagung der Bank unbedingt vermeiden, muss aber neben einer Rekapitalisierung auch eine Restrukturierung durchführen und einen Partner finden.

Beobachter in Mailand vermuten, am Ende könnte Unicredit doch noch ins Spiel kommen. Der neue MPS-CEO Luigi Lovaglio hat einen guten Ruf und ist überdies ein Ex-Unicredit-Banker. Durch eine Übernahme des BPM durch den Crédit Agricole verlöre Unicredit ihre Nummer-2-Position in Italien und würde im attraktiven norditalienischen Markt ins Hintertreffen geraten. Unicredit war selbst an BPM interessiert, verzichtete aber, weil Indiskretionen den BPM-Kurs nach oben trieben.

In Italien gibt es politischen Widerstand gegen eine Übernahme des BPM durch die Franzosen. Rom könnte eine Übernahme durch die Golden-Power-Aktie verhindern. Es kursieren Szenarien, dass Unicredit am Ende BPM und MPS übernimmt. Ob das realistisch ist, bleibt offen. Möglich wäre auch eine Übernahme des BPM durch den Crédit Agricole und eine Anlehnung der MPS an eine andere französische Bank, die BNP Paribas. Sie ist mit der Banca Nazionale del Lavoro (BNL) bereits ein wichtiger Akteur in Italien.

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