Firmenkunden der Banken

DZ Bank erwartet mehr Insolvenzen

Die DZ Bank geht davon aus, dass explodierende Preise, insbesondere für Energie, und der Wirtschaftsabschwung mehr kleinere Unternehmen in die Pleite treiben.

DZ Bank erwartet mehr Insolvenzen

fir Frankfurt

Der Co-Vorstandsvorsitzende der DZ Bank, Cornelius Riese, erwartet steigende Insolvenz­zahlen unter kleineren Unternehmen. Zwar seien aktuell bei Firmen jeder Größe bei erster Betrachtung weder bei der Zahl der Insolvenzfälle noch beim Eigenkapital oder der ­Auftragslage größere Auffälligkeiten zu erkennen. Schaue man genauer hin, zeige sich, dass unter kleineren Unternehmen und Selbständigen mit bis zu 50 Mill. Euro Umsatz die In­solvenzhäufigkeit etwas zugenommen hat.

Harte Monate

Einen „Tsunami“ an Firmenpleiten erwarte er nicht, doch sei mit „sehr, sehr unruhigem Fahrwasser“ zu rechnen, sagte Riese am Donnerstag auf einer Finanzkonferenz des „Handelsblatts“. Gerade kleinere, energieintensive Firmen seien von steigenden Energiekosten und generell der Inflation betroffen. „Für dieses Herz der deutschen Wirtschaft werden die nächsten Monate besonders hart.“

An die 300 Mill. Euro hat die DZ Bank Riese zufolge im ersten Halbjahr präventiv an Risikovorsorge zur Abfederung etwaiger Härtefolgen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Energiekrise zurückgelegt. Das seien 60% der von der DZ Bank pro Jahr üblicherweise angesetzten 500 Mill. Euro an Risikovorsorge.

Ungeachtet der Erwartung, dass Russland die Gaslieferungen nach Deutschland und Europa auf null setzt und im nächsten Jahr eine Rezession bevorsteht, kalkuliert das Spitzeninstitut der Kreditgenossenschaften weiterhin mit einer halben Milliarde an Risikovorsorge und der Ende August bekräftigten Prognose eines Vorsteuerergebnisses im Ge­samtjahr „am unteren Ende“ der Spanne von 1,5 Mrd. bis 2,0 Mrd. Euro. „Wir sind sehr optimistisch, dass wir die 1,5 Mrd. Euro erreichen oder übertreffen werden“, so Riese.

Auch die Zahl der Privatinsolvenzen wird seiner Einschätzung nach zunehmen, auch wenn darauf aktuell noch wenig Konkretes hinweise. Viele Menschen gingen nach der konsumschwachen Pandemiezeit mit einem Polster in Form höherer Sparguthaben in die neue Krise. Zudem seien Mietnebenkosten noch nicht in dem Maße gestiegen, wie zu erwarten sein werde. Und schließlich ändere sich das Konsumverhalten, führe doch der Weg vieler Verbraucher verstärkt zum Discounter statt in den Ökomarkt. Die Zahl der Menschen, die nicht mehr werden sparen können, wird Riese zufolge zunehmen. Kolportierte Zahlen von 50 bis 60% hält er für realistisch.

Als eine Zukunftsfrage auch für die DZ Bank bezeichnete es Riese, als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Musste das Institut ihm zufolge in der Vergangenheit jährlich 5% der Mitarbeiterschaft neu rekrutieren, so seien es mittlerweile an die 10%. Das funktioniere sehr gut, doch gebe es Arbeitsbereiche, die sich als besonders herausfordernd in der Rekrutierung erwiesen. Vor allem im Zahlungsverkehr, zudem in der Com­pliance und in der IT. Stellenanzeigen nutze die DZ Bank nicht mehr. Neue Kräfte kämen über Empfehlungen, aktive Suche oder Social Media zur Bank.

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