Kryptowährungen

Für Bitcoin hellt sich das Bild auf

Das Krypto-Engagement institutioneller Adressen stellt für Bitcoin einen Vorteil dar. Gerade der Markteintritt von Blackrock könnte den nächsten großen Adoptionssprung für die Cyberdevise bedeuten.

Für Bitcoin hellt sich das Bild auf

Von Salah-Eddine Bouhmidi *)

Bitcoin weist seit Ende November eine sehr hohe Korrelation zum Nasdaq 100 auf und hat seither auch sehr sensibel auf die gestartete restriktive Geldpolitik der Federal Reserve reagiert. Die führende Digitalwährung hat seit Jahresbeginn rund 50% an Wert verloren und gehört bisher zu den größten Verlierern am Markt. Auch charttechnisch hat sich seit Ende Mai mit der Preisgabe der Marke von 28000 Dollar ein neuer Abwärtstrend etabliert. Bitcoin-Anlegern fehlte bisher eine Perspektive, die höhere Notierungen gerechtfertigt hätte. Allerdings könnten sich nun einige Wolken auflösen und eine temporäre Erholung einleiten.

Auf der einen Seite fallen die Preise für Luxusuhren auf dem Sekundärmarkt, weil unter anderem Kryptotrader ihre Uhren verkaufen, um an Liquidität zu kommen. Auf der anderen Seite wollen große institutionelle Parteien wie der Assetmanager Blackrock vermehrt in das Segment der digitalen Anlagen investieren. Die Stimmung am Kryptowährungsmarkt ist durchwachsen und führt somit auch zu einer weiterhin hohen Volatilität.

Institutionelle Adoption

Seit der Einführung der ersten Terminkontrakte auf Bitcoin vor fünf Jahren lässt sich ein Trend zur Institutionalisierung von Bitcoin in der Finanzwelt beobachten. Eine wachsende Zahl an Institutionen bietet ihren Kunden verschiedene Dienstleistungen für Kryptowährungen an. Dieser Trend zeigt, dass Bitcoin und die klassische Finanzwelt nicht nur parallel existieren können, sondern Finanzinstitute sogar für die Bitcoin-Adoption von Vorteil sein können.

Der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock gab vor kurzem eine Partnerschaft mit der Handelsplattform Coinbase be­kannt. Blackrock wird Kunden somit künftig den Handel und die Verwahrung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen anbieten. Nachdem über die vergangenen zwei Jahre mehr und mehr Institutionen die Möglichkeiten von Bitcoin für ihren Geschäftsbetrieb entdeckt haben, könnte der Markteintritt von Blackrock der nächste große Adoptionssprung für die Digitalwährung sein.

Dabei erfreut eine Hypothese die Bitcoin-Anleger besonders: Wenn Blackrock nur einen kleinen einstelligen Prozentteil des verwalteten Vermögens in die Cyberdevise investiert, kann diese schnell die Marke von 100000 Dollar erreichen. Diese These sollte allerdings zunächst mit Vorsicht genossen werden und nicht zu euphorisch bewertet werden. Dennoch bietet das Engagement längerfristig großes Potenzial.

Die Institutionalisierung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen wird aber auch kritisiert. Lange galten Cyberdevisen als eine Erfindung gegen das Fiat-System. Auf den ersten Blick widersprechen sich die institutionelle Adoption und die Grundidee von Bitcoin. Allerdings darf der Reifeprozess der Digitalwährung hier nicht vergessen werden. Bitcoin hat sich von einem Spielgeld des Internets mit ungewisser Zukunft zu einem festen Bestandteil des Finanzmarkts entwickelt. Der Grund für die Institutionalisierung ist die steigende Nachfrage nach Kryptowährungen und vor allem Bitcoin. Eine wachsende Zahl an Investoren verlangt von ihren Bankhäusern auch Bitcoin-Produkte.

Schnäppchenjagd erwartet

Die Werte von Bitcoin werden also nicht verraten, die Institutionalisierung ist vielmehr wie so oft die Folge von Angebot und Nachfrage. Bitcoin ist ein freies Geld, welches auch Vermögensverwalter wie Blackrock zu ihrem Vorteil nutzen können. Bitcoin schließt niemanden aus. Die Nachricht, dass Blackrock eine Partnerschaft mit Coinbase eingeht, wird aktuell positiv aufgenommen. Allerdings ist durchaus vorstellbar, dass Bitcoin und Co. vorher erst noch einmal unter Druck geraten, ehe große Institutionelle Anleger zu Schnäppchenpreisen ihr Engagement erhöhen.

Die noch vor acht Wochen vorherrschende große Skepsis im Bitcoin-Sentiment hat sich inzwischen gelegt. Das Stimmungsbarometer zeigt ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis an. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Bullen und Bären aktuell unentschlossen sind und auf neues Momentum warten. Auch charttechnisch konsolidiert Bitcoin seit Juni nach dem Unterschreiten der Marke von 28000 Dollar im Bereich zwischen 18000 und 24000 Dollar. Erst eine nachhaltige Rückbewegung über 28000 Dollar würde den derzeitigen intakten Abwärtstrend pausieren. Kurzfristig könnte noch Potenzial an der Oberseite bis 25000 oder gar 28000 Dollar ausgeschöpft werden. Ein Scheitern an der Marke von 28000 Dollar könnte indes einen neuen Pullback einleiten und den Abwärtstrend bestärken. Am Wochenchart lässt sich erkennen, dass Bitcoin sich in einem bearishen Chartmuster befindet. Die bearishe Flagge befindet sich noch in der Entwicklung. Ein nachhaltiger Ausbruch unter 20000 Dollar würde ein neues Kursziel an der Unterseite auf Basis der bearishen Flagge bei rund 13000 Dollar aktivieren.

Anleger, die kein ein direktes Engagement in Bitcoin vorziehen, können dennoch von den Kursentwicklungen profitieren. Es ist möglich, über bestimmte Einzelwerte die Entwicklung am Kryptowährungsmarkt nachzubilden. Dazu gehören Kryptobörsen bzw. Plattformen wie Coinbase oder auch Bitcoin-Miner, die sich auf das Schürfen von Bitcoins spezialisiert haben wie Riot Blockchain.

*) Salah-Eddine Bouhmidi ist Head of Markets bei IG Europe.

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