Nachhaltigkeit

Mensch, Planet und Profit – eine natürliche Balance

Assetmanager müssen systemische und geopolitische Nachhaltigkeitsrisiken frühzeitig erkennen und entsprechend reagieren. Dazu zählt auch der Verlust der biologischen Vielfalt.

Mensch, Planet und Profit – eine natürliche Balance

Verantwortungsbewusste Investoren im Bereich Nachhaltigkeit sollten sich so verhalten, wie es die Stakeholder von einem verantwortungsbewussten Unternehmen erwarten. Das bedeutet, dass wir unbedingt über die dreifache Bilanz nachdenken müssen: Menschen, Planet, Profit.

In der Vergangenheit war die Investmentbranche ein schlechter Kapitalist. Damit meine ich, dass wir für die von uns genutzten Ressourcen des Planeten weder gezahlt noch Rechenschaft abgelegt haben. Wir haben Menschen und den Planeten im Interesse der Gewinnmaximierung und der Rendite ausgebeutet. Jetzt müssen wir mehr tun, um nachhaltige Investitionsrenditen zu er­wirtschaften – nachhaltig in Bezug auf traditionelle Cashflow-Kennzahlen und die Ressourcen des Planeten sowie der Menschen, die wir zur Erzielung dieser Renditen einsetzen.

In der Branche ist man sich darüber im Klaren, dass wir auf ein Massensterben zusteuern, wenn wir nicht über die Folgen unseres Handelns für das Wohlergehen des Planeten und der Menschen nachdenken. Wir wissen, dass das nächste Jahrzehnt entscheidend ist, wenn es darum geht, das System so zu verändern, dass wir innerhalb der sicheren Grenzen der globalen Erwärmung bleiben können.

Greenwashing im Fokus

In den vergangenen Jahren haben sowohl Privatanleger als auch Assetmanager die Bedeutung von „ESG“ erkannt. Investoren werden sich zunehmend bewusster, welche Auswirkungen ihre Investitionen auf die Welt um sie herum haben. Sie investieren nachhaltig, indem sie beispielsweise Teile des Portfolios in Umweltlösungen oder in soziale Lösungen wie erschwingliche Gesundheitsversorgung und alternative Nahrungsmittelproduktion investieren. Da mehr und mehr Unternehmen versuchen, sich auf diese veränderte Nachfrage einzustellen, verlagert sich der Schwerpunkt von der Philosophie und der Einstellung eines Unternehmens darauf, wie es sein Angebot an eine möglichst große Zahl von Menschen vermarkten kann. Das bedeutet auch, dass das Thema „Greenwashing“ zunehmend Beachtung findet.

Nachhaltig orientierte Investoren können aber auch sehr vielfältige Anlage- und ESG-Ziele haben. Daher sehen wir die effektivste Unterstützung in der Artikulation von konkreten Anlagemöglichkeiten, die so weit wie möglich mit den am weitesten verbreiteten Zielvorgaben übereinstimmen. Im Kern verfolgen wir zwei klar definierte Ziele: Förderung des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und Ausgewogenheit der Interessen unserer Kunden, Aktionäre, Mitarbeiter und, was besonders wichtig ist, der Gesellschaft insgesamt. Als aktiver Vermögensverwalter ist Stewardship be­reits ein natürlicher Bestandteil unserer Tätigkeit.

Natürlich wird es weitere Herausforderungen geben, wenn wir die Interessen der Menschen, des Planeten und des Profits in Einklang bringen wollen. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die frühzeitige Identifizierung systemischer sowie geopolitischer Risiken. Diese Risiken zu erkennen und darauf zeitnah und adäquat zu reagieren, ist ein wichtiger Anspruch. So ist der Verlust der biologischen Vielfalt ein systemrelevantes Risiko, das sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Investoren und die Gesellschaft im Allgemeinen mit sich bringt.

Der Verlust der biologischen Vielfalt – der Vielfalt der Arten auf der Erde, einschließlich Tieren, Pflanzen, Pilzen und Bakterien – stellt ein enormes und wachsendes langfristiges Risiko dar, nicht nur für unseren Planeten, sondern auch für die künftigen Erträge der Anleger. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass etwa die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts – rund 44 Bill. Dollar Wirtschaftswert – in irgendeiner Weise von der Natur abhängt. Wenn die Zerstörung unseres natürlichen Lebensraums in dem Tempo weitergeht, in dem sie derzeit stattfindet, würde dies also einen enormen finanziellen Verlust bedeuten.

Es geht daher um ein doppeltes Anlagemandat: attraktive Gesamtrenditen für Anleger zu erwirtschaften und zu versuchen, potenzielle Gewinner aus einem begrenzten, aber wachsenden Anlageuniversum börsennotierter Unternehmen he­rauszufiltern, die Lösungen anbieten, um in der realen Welt positive Ergebnisse zu erzielen und Umweltprobleme zu lösen, etwa durch Abschwächung des Klimawandels sowie Anpassung oder Wiederherstellung des Naturkapitals.

Wir glauben, dass im nächsten Jahrzehnt spannende neue Technologien und Investitionsmöglichkeiten in diesen Bereichen entstehen werden. Ein Kernthema in diesem Ansatz sind naturbasierte Investitionen, die sich mit dem Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme befassen und eine nachhaltige und regenerative Landwirtschaft sowie den Schutz der Meere umfassen.

Hohe Bedeutung der Ozeane

In den vergangenen Jahren haben wir Innovationen in Unternehmen gesehen, die zum Beispiel vertikale Landwirtschaft und Fleisch aus dem Labor entwickeln. Wir müssen den Planeten ernähren, aber wir müssen keine intensiven landwirtschaftlichen Praktiken anwenden. Auch Investitionen in unsere Ozeane sind von großer Bedeutung. So baut ein Unternehmen in Mexiko künstliche Riffe, um die Küstenerosion umzukehren und die Fischbestände zu rehabilitieren, aber auch um die lokale Wirtschaft und die Arbeitsplätze in der Tourismusbranche zu schützen.

Ich sehe keine Spannungen zwischen Planet, Profit und Menschen. Ich sehe ein natürliches Gleichgewicht. Wenn unsere Investoren aufgrund des Klimawandels oder der Zerstörung von Ökosystemen nicht in den Genuss ihres Ruhestands kommen können, haben wir als Anlageexperten versagt. Wir sollten alle sehr hart daran arbeiten, dass dies nicht geschieht.