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Nur vier deutsche IPOs im Jahr 2022

In einem Jahr, in dem eine rekordhohe Inflation, steigende Zinsen und Rezessionsängste die Märkte beherrschten, wagte sich kaum ein Unternehmen an die Frankfurter Börse: Nur vier IPOs gab es 2022 in Deutschland. Auch im ersten Halbjahr 2023 wird sich daran nach Einschätzung von PwC wenig ändern.

Nur vier deutsche IPOs im Jahr 2022

cru Frankfurt

Nur vier Unternehmen ist es 2022 gelungen, in Frankfurt an die Börse zu gehen. Sie spielten dabei 9,4 Mrd. Euro ein. Das geht aus der Analyse der Unternehmensberatung PwC hervor. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 waren es noch 18 IPOs mit 9,5 Mrd. Euro Emissionserlös. Doch ist es einzig dem 9,1 Mrd. Euro schweren Porsche-Börsengang im dritten Quartal zu verdanken, dass das Emissionsvolumen 2022 auf dem gleichen Niveau wie 2021 lag.

Porsche war der größte Börsengang in Europa seit einem Jahrzehnt. Seit dem Jahr 2000 waren nur die IPOs von Glencore und Rosneft noch größer. In Deutschland handelt es sich um den größten Börsengang seit dem IPO der Deutschen Te­lekom vor einem Vierteljahrhundert. Weltweit war es nach den Daten der Unternehmensberatung EY der größte Börsengang im dritten Quartal und der zweitgrößte im Jahresverlauf 2022. Nur das IPO der LG Energy aus Südkorea war in diesem Jahr mit einem Emissionserlös von 10,7 Mrd. Dollar noch größer. Bezogen auf die Marktkapitalisierung ist Porsche sogar das größte Unternehmen, das in diesem Jahrtausend in Europa an die Börse gegangen ist. Ohne dieses IPO, das allein 9,1 Mrd. Euro in die Kassen spülte und damit die zweitgrößte Erstnotiz in der deutschen Geschichte darstellt, wäre 2022 laut PwC als schwächstes IPO-Jahr seit 2009 in die Geschichte eingegangen.

Nadja Picard, Capital Markets Leader für PwC Deutschland, geht nicht davon aus, dass es in der ersten Jahreshälfte 2023 einen IPO-Boom an der Frankfurter Börse geben wird. Sie fasst die Gründe für das schwache IPO-Jahr zusammen: „Steigende Zinsen, eine anhaltend hohe Inflation und die wachsenden Sorgen vor einer Rezession setzten den Kapitalmärkten im Jahr 2022 zu. Deutliche Korrekturen an den Märkten und die damit einhergehende hohe Volatilität sorgten für ein schwieriges Klima, das Börsengänge in Deutschland fast vollständig ausbremste.“

Auch wenn es an den Kapitalmärkten zum Jahresende leicht bergauf gegangen sei, fand im Schlussquartal kein einziger Börsengang mehr statt. Von den vier IPOs im Gesamtjahr waren zwei Spacs (Special Purpose Acquisition Companies), nämlich der 468 Spac II (210 Mill. Euro) und der SMG European Recovery Spac (115 Mill. Euro) – Mantelgesellschaften ohne operatives Geschäft, die über den Börsengang Geld einsammeln, um damit ein Unternehmen zu übernehmen. Während der Boomphase wurden sie häufig von Hedgefonds als Parkstation für Liquidität benutzt, die verzinst wurde. Inzwischen ist das aus der Mode, weil Staatsanleihen wieder Rendite abwerfen. Das vierte IPO war kaum erwähnenswert: die EV Digital Invest AG mit 6 Mill. Euro Erlös.

Auch in Sachen Kapitalerhöhungen endet das Krisenjahr 2022 laut PwC enttäuschend: Lediglich zwei Unternehmen aus der Konsumgüter- bzw. Finanzbranche besorgten sich im vierten Quartal via Kapitalerhöhung frisches Geld am Aktienmarkt: Tonies – ein Anbieter von Geräten, mit denen sich Kinderhörspiele abspielen lassen, der über die Fusion mit einem Spac an die Börse gekommen ist – besorgte sich über eine Kapitalerhöhung 60 Mill. Euro für Wachstum und internationale Ex­pansion. Der Vermögensverwalter Lloyd Fonds spielte 5 Mill. Euro für Akquisitionen ein. Mit der Anzahl von 23 Kapitalerhöhungen und dem Volumen von 1,3 Mrd. Euro liegt 2022 deutlich unter dem Vorjahresniveau. Zum Vergleich: 2021 kam es zu 60 Kapitalerhöhungen bei einem Volumen von 16,7 Mrd. Euro.

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