EIB-Umfrage

Europas Firmen investieren mehr

Der Klimawandel und die sich verschärfenden Finanzierungsbedingungen infolge ders Zinswende stellen die Unternehmen in der Europäischen Union vor große Herausforderungen.

Europas Firmen investieren mehr

Europas Firmen investieren mehr

EIB-Umfrage zeigt große Aufmerksamkeit für den Klimawandel und Fortschritte bei der Digitalisierung

ba Frankfurt

Die Europäische Investitionsbank (EIB) sieht die europäischen Unternehmen wegen des dringenden Investitionsbedarfs und der sich zunehmend verschärfenden Finanzierungsbedingungen in der Region sowie des Klimawandels vor großen Herausforderungen. Dies geht aus der Investitionserhebung (EIB Investment Survey, EIBIS) 2023 hervor, die anlässlich der Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) veröffentlicht wurde. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehört, dass die Unternehmen weiter bereit sind zu investieren und Fortschritte bei der Digitalisierung gemacht haben. Für die EIBIS werden seit 2016 jährlich rund 13.000 Unternehmen aus den EU-Mitgliedsländern sowie einigen Unternehmen aus den USA befragt.

EIB-Vizepräsident Ricardo Mourinho Felix findet bemerkenswert, "dass die Mehrheit der Unternehmen angibt, dass sie vom Klimawandel betroffen sind". Hier seien die politischen Entscheidungsträger gefordert, die Unternehmen so zu unterstützen, dass diese ihre Investitionen ankurbeln und aufrechterhalten, um die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel zu verbessern. So haben 64% der Unternehmen – das sind 7 Prozentpunkte mehr als 2022 – der Umfrage zufolge Verluste wegen des Klimawandels erlitten. Aber nur etwa die Hälfte hat Maßnahmen zur Stärkung der Klimaresilienz ergriffen und nur 13% sind gegen physische Risiken versichert. 29% der Befragten sehen den Klimawandel als Chance. 33% allerdings werten den Übergang zu strengeren Klimastandards und -vorschriften als Risiko. Insgesamt erhöhten die europäischen Unternehmen ihre Investitionen zur Bekämpfung des Klimawandels. Sie investierten hier mehr als die Firmen in den USA, heißt es bei der EIB.

Investitionen in Energieeffizienz

Dabei haben etwa 90% der EU-Firmen bereits Maßnahmen ergriffen, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Etwa 59% investieren in Energieeffizienz, 67% in Abfallminimierung, Abfallvermeidung und Recycling sowie 32% in neue, weniger umweltbelastende Geschäftsbereiche und Technologien. Von den Energieschocks waren vor allem Unternehmen in der EU betroffen: Während 68% mit einem Anstieg der Energiekosten von mehr als 25% konfrontiert waren, lag der Anteil in den USA nur bei 30%. Entsprechend unterschiedlich fiel die Reaktion der Unternehmen aus. In der EU haben 78% Energieeinsparungsmaßnahmen getroffen und 62% ihre Kosten an die Kunden weitergegeben. In den USA war die Kostenweitergabe die am häufigsten genannte Strategie, die von 59% der US-Unternehmen genutzt wurde.

EIB-Chefvolkswirtin Debora Revoltella stellt vor allem auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der EU ab, die weitere Investitionen erforderten. "Die Maximierung der Rendite digitaler Investitionen, die Senkung des Energieverbrauchs und die Steigerung der Effizienz sowie die Behebung des Fachkräftemangels sind entscheidend für die Gewährleistung eines nachhaltigen Wachstums und die Sicherung der Position Europas auf dem Weltmarkt", sagte Revoltella. Die größten Investitionshindernisse sind Energiekosten (83%), Verfügbarkeit von Fachkräften (81%) und die Unsicherheit über die Zukunft (78%). Bei der Digitalisierung haben die EU-Unternehmen laut der EIB derweil "erhebliche Fortschritte gemacht" und den Abstand zu den USA verringert.

Robotik und Plattformen gefragt

Etwa 70% der EU-Firmen würden inzwischen fortgeschrittene digitale Technologien nutzen, etwa so viele wie in den USA. Die EU-Unternehmen sind laut EIBIS am stärksten bei der Einführung von Robotik und digitalen Plattformtechnologien, liegen bei einigen Schlüsseltechnologien wie etwa der künstlichen Intelligenz (KI) aber noch hinter den Vereinigten Staaten zurück. Bei Innovation allerdings liegen die EU-Unternehmen weiter hinter der US-Konkurrenz zurück. Im letzten Geschäftsjahr haben 39% der EU-Firmen, aber 57% der US-Unternehmen neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen entwickelt oder eingeführt.

Die EIB bescheinigt den EU-Firmen zudem, "die dringende Notwendigkeit eines Strukturwandels erkannt und in den letzten Jahren Puffer aufgebaut" zu haben. So habe der Anteil, die 2022 investiert haben, wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Und auch die Investitionen pro Mitarbeiter hätten weiter zugelegt. Allerdings stieg die Unzufriedenheit der Unternehmen mit den Finanzierungskosten wegen der sich verschärfenden Finanzierungsbedingungen infolge des Zinserhöhungskurses der Europäischen Zentralbank. Und das deutlich von 5% im EIBIS 2022 auf mehr als 14%. Der Anteil der Unternehmen mit finanziellen Engpässen liegt mit 6,1% kaum verändert zum Vorjahr und um 1,4 Prozentpunkte über dem im EIBIS 2021 verzeichneten Rekordtief. Am größten war die Gruppe derer, die sich um eine externe Finanzierung bemüht, diese aber nicht erhalten haben.

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