Weltkonjunktur

IWF: Talsohle ist durchschritten

Europa und die USA haben die Krise besser weggesteckt als erwartet. Deshalb hebt der Internationale Währungsfonds jetzt seine Prognosen für das laufende und kommende Jahr an. Der Blick richtet sich jetzt auf China.

IWF: Talsohle ist durchschritten

det Washington – Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum nach oben revidiert. Im jüngsten Update des Weltwirtschaftsausblicks (WEO), das in der Nacht auf Dienstag veröffentlicht wurde, betont der Währungsfonds die „überraschend resistente Nachfrage“, vor allem in den USA und Europa. Positiv hätten sich insbesondere sinkende Energiepreise und die Öffnung der chinesischen Wirtschaft ausgewirkt, die zuvor unter neuen Lockdowns als Folge des Coronavirus gelitten hatte (siehe Bericht auf dieser Seite).

Laut IWF wird die Weltwirtschaft im laufenden Jahr um 2,9% zulegen. 2022 ist die globale Wirtschaftsleistung aber noch um 3,4% gewachsen. Die revidierte Voraussage für 2023 liegt allerdings um 0,2 Prozentpunkte über den im Herbst prognostizierten 2,7%. Für 2024 rechnet der Fonds mit einem Plus von 3,1%. Dem WEO zufolge dürften vor allem die Industrieländer schwächeln. In diesen rechnet der Währungsfonds 2023 mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 1,2% und 1,4% im kommenden Jahr.

Die Schätzungen für 2024 wurden sogar um 0,2 Prozentpunkte nach unten gesetzt. Insbesondere würden in den USA die Zinserhöhungen das Wachstum hemmen. Zwar sei die europäische Wirtschaft besser als erwartet mit der Energiekrise fertig geworden, unter anderem als Folge eines milden Winters und großzügiger staatlicher Unterstützung.

Gleichwohl würden die Kursverschärfung durch die EZB und die hohen Energiepreise auf der Wirtschaft lasten, die in der Eurozone 2023 nur um 0,7% und dann 1,6% wachsen wird. Als Lichtblicke bezeichnet der IWF China und Indien, die zusammen für die Hälfte des globalen Wachstums verantwortlich seien. Im Gegensatz dazu würden die USA und die Eurozone zusammen nur ein Zehntel des Weltwirtschaftswachstums ausmachen. Zwar sagte IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas, dass die hohen Zinsen und der russische Angriffskrieg in der Ukraine auch weiter auf der Weltwirtschaft lasten würden und zu den größten Abwärtsrisiken zählen. „Gleichwohl sind die Prognosen inzwischen weniger düster als noch im Oktober und könnten einen Wendepunkt darstellen“, schreibt der Volkswirt in einem Blogbeitrag. Laut Gourinchas dürfte das Wachstum die Talsohle durchschritten haben; auch sei die Inflation spürbar zurückgegangen.

Der aktualisierte Weltwirtschaftsausblick bescheinigt den Notenbanken, dass die Verschärfung ihrer Geldpolitik Wirkung gezeigt habe. Dennoch werden die Währungshüter aufgefordert, weiter wachsam zu bleiben. „Der Kampf gegen die hohe Inflation ist weit davon entfernt, gewonnen zu sein“, sagte Gourinchas. Insbesondere müssten die Notenbanken in Ländern, wo die Teuerungsrate noch zu hoch ist, die Zinsen für einige Zeit über den neutralen Zinssatz heben.

Für 2023 rechnet der IWF weltweit mit einer Teuerungsrate von 6,6%, im kommenden Jahr soll sie dann bei 4,3% liegen. Dennoch werde es dauern, bis wieder Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von ungefähr 2% herrsche. In der großen Mehrheit der Staaten wird die Teuerungsrate im Jahr 2024 immer noch über dem Niveau vor der Corona-Pandemie liegen. „Die jüngsten Nachrichten über die Inflation sind ermutigend“, so der Ökonom, dies dürfe die Zentralbanken aber nicht dazu verleiten, den Fuß zu früh vom Gas zu nehmen.

Alle Augen dürften nun vor allem auf China liegen. Gourinchas betonte, dass die plötzliche Wiederöffnung des Landes in vielen Staaten den Weg für eine rasche Erholung der Wirtschaft freigemacht habe. Die Erholung könnte allerdings in Stocken geraten, falls sich die Konjunktur in China durch heftige Coronawellen oder weitere Verschlechterungen im Immobiliensektor stärker als erwartet abschwächen sollte. Nach jetzigem Stand gehe man aber von einer Stabilisierung der Wirtschaft aus. In dem Land lag das Wachstum im Jahr 2022 laut IWF bei 3%. Es sei das erste Mal seit mehr als 40 Jahren gewesen, dass Chinas Wachstum unter dem weltweiten Durchschnitt gelegen habe.

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