Geldpolitik

Nur langsamer Rückgang der höchsten Inflation in der EU

Der Rückgang der Inflationsrate in Ungarn hat sich im August verlangsamt. Im weiteren Jahresverlauf könnte die Lage jedoch anders aussehen.

Nur langsamer Rückgang der höchsten Inflation in der EU

Nur langsamer Rückgang
der höchsten Inflation in der EU

Ungarns Teuerung im August bei 16,4 Prozent

mpi Frankfurt

Steigende Kraftstoffpreise und auslaufende Preisobergrenzen für Lebensmittel haben den Rückgang der Inflationsrate in Ungarn im August verlangsamt. Wie das Statistikamt am Freitag in Budapest mitteilte, lag die Teuerung im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 16,4%, nach 17,6% im Juli. Ihren Höhepunkt hatte die aktuell höchste Inflation der EU im Januar bei fast 26%.

Ungarns Notenbank geht davon aus, dass die Teuerung in den kommenden Monaten spürbar abnehmen wird und bis zum Jahresende im einstelligen Bereich liegt. „Im Laufe des Jahres 2023 wird die desinflationäre Wirkung einer straffen Geldpolitik, sinkender globaler Rohstoffpreise, eines rückläufigen Inlandsverbrauchs und der Maßnahmen der Regierung zur Stärkung des Marktwettbewerbs immer deutlicher werden“, hatten die Währungshüter Ende August mitgeteilt.

Peter Virovacz, für Ungarn zuständiger Ökonom bei der ING, sieht in den August-Inflationszahlen ebenfalls nur eine temporäre Verlangsamung der Desinflation. „Die Entwicklung der Kerninflation sieht ermutigender aus als die der Gesamtrate, insbesondere im Dienstleistungssektor.“ Er hält es daher für möglich, dass die Inflation bereits im November unter 10% liegt. Die Kernrate sank im August um 2,3 Prozentpunkte auf 15,2%. Außerdem sei klar gewesen, dass die im August ausgelaufenen Preisobergrenzen für Nahrungsmittel den Preisdruck wieder verstärken.

Lockerung der Geldpolitik

Die ungarische Wirtschaft schrumpft inzwischen bereits seit vier Quartalen in Folge. Die hohe Inflation reduziert die Kaufkraft der Verbraucher und würgt den privaten Konsum ab. Um die Konjunktur wieder anzukurbeln, hatte die ungarische Zentralbank im August den Tagesgeldsatz von 14% auf 13% gesenkt. ING-Ökonom Virovacz erwartet eine weitere Lockerung bei der kommenden Sitzung im September. „Es steht nahezu außer Frage, dass die Zentralbank den effektiven Zinssatz im September auf 13% senkt und diesen mit dem Leitzins zusammenführt“, sagt er. „Die ungarische Notenbank wird die Komplexität der Geldpolitik reduzieren.“

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.