Frühjahrsgutachten

Plädoyer für den Markt

Mit dem Frühjahrsgutachten gebieten die Wirtschaftsforschungsinstitute dem Staatsinterventionismus Einhalt. Sie weisen den Weg zu marktwirtschaftlichen Lösungen.

Plädoyer für den Markt

Die Wirtschaftsforscher der führenden Institute haben der Bundesregierung ins Gewissen geredet und sie an die Vorteile marktwirtschaftlicher Wirkungsmechanismen erinnert. Steigende Energiepreise sollte die Regierung allenfalls kurzfristig abfedern – und nur für grundsätzlich gesunde, aber krisengebeutelte Unternehmen sowie einkommensschwache Haushalte. Letztere können es finanziell kaum kompensieren, wenn sie an der Tanksäule mehr berappen müssen oder die Preise für Strom und Heizung explodieren.

Auch ohne Lieferstopp für russische Energierohstoffe als Folge des Kriegs in der Ukraine müssen sich Unternehmen und Verbraucher hierzulande auf höhere Energiepreise einstellen. Die Diversifizierung und der langsame Abschied von billigem Gas und Öl aus Russland sind nur ein Grund dafür. Die Klimawende ohne fossile Brennstoffe treibt die Preise ebenfalls nach oben – ganz ohne Ukraine-Krieg. Die Forscher plädieren dafür, trotz Krise und Klimawende den Energiepreis als Signal wirken zu lassen. Nur wenn es wehtut, werden sich Wirtschaft und Verbraucher neu orientieren und sparsamer mit dem Einsatz von Energie umgehen. Dabei geht es aus Sicht der Forscher weniger um ein kürzeres Duschvergnügen oder mehr Winterpullover. Sie setzen auf neue Ideen für weniger Energie verschlingende technische Prozesse, Haushaltsgeräte oder Automobile. Die Ölkrise der 1970er Jahre ist ein gelebtes Beispiel dafür, wie heilsam Ingenieurskunst wirken kann. Deutschlands Wohlstand baut auf Ideen auf.

Für Veränderung muss der Markt aber Preissignale senden dürfen. Die geschlossene Haltung und der Nachdruck, mit dem die Makroökonomen der Institute ihre Position vortrugen, stehen in wohltuendem Gegensatz zu einem anderen unabhängigen wirtschaftspolitischen Ex­pertengremium der Bundesregierung. Der unterbesetzte und gerade noch vierköpfige Sachverständigenrat für Wirtschaft ist in seiner Beraterrolle neutralisiert durch ein Patt in der eigentlich fünfköpfigen Gruppe.

Erst die Coronakrise, nun der Krieg Russlands gegen die Ukraine, aber auch das Klimaziel haben den Interventionismus der Exekutiven beflügelt. Über den kurzfristigen Brückenschlag für Unternehmen im Krisental, geo- und sicherheitspolitisch motivierte Eingriffe und die Zeitbombe des Klimawandels darf der Markt als effizienter Ordnungsmechanismus nicht auf der Strecke bleiben. Die Ökonomen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute machen sich für ein erprobtes Konzept stark, das keine große Lobby mehr hat.

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