Energiewende

Der Lastesel braucht Kraft

Für den neuen Klimaschutzminister Robert Habeck ist die Windenergie an Land der Lastesel der Energiewende. Dieser muss nun mit Blick auf die Klimaziele aber schnell kräftig werden.

Der Lastesel braucht Kraft

Robert Habeck sieht Deutschland auf dem Weg zu den Klimazielen vor einer gigantischen Aufgabe. Übertrieben hat der neue Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister, der eine Verdreifachung der Geschwindigkeit der CO2-Emissionsreduzierung anmahnt, nicht. Allein der Ausbau der Windenergie an Land, die laut dem Minister der „Lastesel der Energiewende“ hierzulande sein soll, ist 2021 wie schon in den drei Jahren zuvor unzureichend vorangekommen. Die Bilanz ist ernüchternd: keine zusätzliche Turbine in der deutschen Nord- und Ostsee und an Land eine neu installierte Leistung von brutto 1,9 Gigawatt (GW), die nicht nur weit entfernt liegt von dem 2017 erreichten bisherigen Jahreshöchstwert von 5,3 GW. Die On­shore-Zubauzahl, die selbst die Branchenprognose aus dem vorigen Sommer von 2,2 bis 2,4 GW verfehlt, bleibt vor allem deutlich unterhalb eines Niveaus, das eine Chance für das Erreichen der Klimaziele ließe.

Zu den Gründen für die zu geringen Projektrealisierungen gehören pandemiebedingte Verzögerungen, vor allem aber Bürokratie, lange Genehmigungsverfahren und Klagen. Die Akzeptanz für Windräder und Stromtrassen an Land schnell zu erhöhen wird eine wesentliche Voraussetzung sein, wenn Windenergie künftig stärker dazu beitragen soll, die Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten zu verringern und preisstabilisierend zu wirken.

Wie zäh es vorangeht, zeigt das Festhalten Bayerns an der 10H-Regelung, die besagt, dass ein Windrad mindestens das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Wohnsiedlung entfernt sein muss. Während der Zubau der neu installierten Leistung an Land 2021 in Deutschland zu 74% auf Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein entfiel, trugen Bayern als größter Flächenstaat, Baden-Württemberg und Sachsen gerade 7,4% zum Ausbau bei. Dabei rufen nicht zuletzt wichtige Teile der deutschen Anlagen- und Autoindus­trie aus dem Süden nach erneuerbaren Energien. Der Windsektor hat einen Punkt, wenn er solche Appelle mit einem Ausbau der Windenergie vor Ort unterlegt sehen will und auf Anpassungen an Ausbaurahmen in anderen Bundesländern pocht.

Der Ausbau der Windenergie an Land wird ein Hürdenlauf bleiben. Dabei bräuchte der Lastesel der Energiewende jetzt viel Kraft. Für das Erreichen der Klimaziele, für Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze wäre die schnellstmögliche Umsetzung von Maßnahmen für mehr Flächen oder beschleunigte Genehmigungsverfahren elementar.

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