Gesundheitliche Gründe

Adler-Sanierer Kirsten geht von Bord

Die Gesundheit spielt nicht mehr mit: Nach zwei Jahren als Verwaltungsratsvorsitzender der angeschlagenen Immobiliengruppe Adler legt Stefan Kirsten sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Die Nachfolge ist geklärt.

Adler-Sanierer Kirsten geht von Bord

Adler-Sanierer Kirsten
tritt zurück

ab Düsseldorf

Nach nur zwei Jahren im Amt als Verwaltungsratsvorsitzender des Immobilienkonzerns Adler Group legt Stefan Kirsten sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung nieder. „Ich habe in den letzten Tagen von meinen Ärzten eine rot-gelbe Karte vorgehalten bekommen. Das kann ich mir, meiner Familie, aber auch der Adler Gruppe nicht zumuten“, sagte Kirsten in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz.

Die Immobiliengruppe sei inzwischen stabilisiert. Doch der weitere Weg bleibe sehr herausfordernd und verlange das volle Commitment von Management und Board. Eine solche Zusage könne er über einen längeren Zeitraum nicht geben. „Die Entscheidung fällt mir sehr schwer“, räumte der 62-Jährige ein. Wer den blitzgescheiten Manager kennt, weiß, was der Tausendsassa damit meint. „Ich habe versucht, mein Berufsleben sehr diszipliniert zu gestalten. Ich befürchte, so werde ich mein Privatleben jetzt auch gestalten.“

Adler Group noch nicht über den Berg

Vor ziemlich genau zwei Jahren war Kirsten in die Rolle des Verwaltungsratsvorsitzenden geschlüpft, um die vom britischen Leerverkäufer Fraser Perring unter Druck gesetzte Adler Group zu sanieren. Doch wenngleich dieses veritable Kunststück in Teilen gelungen ist, ist die Immobiliengruppe noch längst nicht über den Berg. Zur Wahrheit gehört, dass die vergangenen beiden Jahre ungebührlich viele Herausforderungen bereithielten, die viel Kraft kosteten.

Angefangen beim Streit mit dem Wirtschaftsprüfer KPMG, der nicht nur das Testat unter den Abschluss 2021 versagte, sondern auch die Weiterführung des Prüfungsmandats verweigerte, über das Bilanzkontrollverfahren der Finanzaufsicht BaFin bis hin zur Entscheidung des Londoner Berufungsgerichts, die durchgezogene Umschuldung zu kippen.

„Der Shortseller hatte sich eines der schwächeren Schafe vorgenommen, aber viele andere Schafe in der Immobilienszene hat es inzwischen gerissen“, klopfte sich Kisten in der ihm eigenen Art auf die Schulter. Das Bohei um die Fehlerfeststellungen der BaFin in den Adler-Bilanzen kann der promovierte Betriebswirt nicht nachvollziehen, und das Urteil des Berufungsgerichts „hat für Adler faktisch keine Auswirkung“, wischte Kirsten die im Raum stehenden Fragen beiseite.

Selbstbewusst

Seinen Aktienbestand, der sich inzwischen auf 0,5% des Adler-Grundkapitals summiert, wird der Immobilienfachmann behalten – und zwar nicht nur aus aktienrechtlichen Gründen. „Ich glaube an die Zukunft des Unternehmens auch ohne mich“, sagte Kirsten, der wenig von Bescheidenheit im Auftritt hält.

Seine ersten Sporen verdiente sich der gebürtige Berliner in der Wirtschaftsprüfung bei Arthur Andersen. Es folgten Stationen bei Rheinmetall und EMI, bevor es 1996 zur Metro ging. Dort stieg er bis zum Finanzvorstand auf, bevor er in gleicher Funktion zu Thyssenkrupp wechselte. Nach einem zweijährigen Intermezzo in Dubai kehrte er 2011 nach Deutschland zurück und übernahm die finanzielle Sanierung der Deutschen Annington, aus der Vonovia hervorging.

Die Nachfolge an der Verwaltungsratsspitze tritt Stefan Brendgen an, der dem Board seit Juni 2023 angehört. In der Hauptversammlung gilt es dann, zwei neue Mitglieder zu bestellen. Neben Kirsten scheidet auch Thomas Zinnöcker planmäßig aus dem Gremium aus.

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