Elektrotechnikkonzern

ABB schickt Accelleron an die Börse

Der Elektrotechnikkonzern ABB richtet sein Geschäftsportfolio neu aus. Nun soll die Tochtergesellschaft Accelleron abgespalten und an die Börse gebracht werden.

ABB schickt Accelleron an die Börse

dz Zürich

ABB macht einen weiteren Schritt zur Elektrotechnikkonzern des Geschäftsportfolios. Am Mittwochabend nach Börsenschluss hat der Elektrotechnikkonzern angekündigt, dass er seine auf die Herstellung von Turboladern für große Verbrennungsmotoren spezialisierte Tochtergesellschaft Accelleron ab­spalten und die Aktien ab 3.Oktober an der Schweizer Börse notieren lassen will. Der Spin-off muss von den Aktionären auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 7. September genehmigt werden.

Die ABB-Aktionäre sollen für 20 ABB-Aktien je eine Accelleron-Aktie erhalten. Davon lässt sich ein aktueller Börsenwert von Accelleron von rund 2,7 Mrd. sfr ableiten. Damit läge der Wert des Unternehmens rund ein Viertel über jenem des traditionsreichen Winterthurer Industriekonzerns Sulzer.

Neu ist bei dem Turboladerbauer mit Sitz in Baden nur der Name. Die Ursprünge des Geschäfts gehen auf das Jahr 1924 zurück. Damals hatte der Schweizer Ingenieur Alfred Büchi das System in der damaligen Brown Boveri & Co (BBC) für große Schiffsmotoren entwickelt. Dort kommt es auch heute noch schwergewichtig zum Einsatz. Durch die Fusion zwischen BBC und der schwedischen Asea im Jahr 1987 wurde die vormalig unter dem Namen „Turbocharging“ bekannte Division Teil des ABB-Konzerns. Dieser will sich unter CEO Björn Rosengren auf das Kernportfolio in den Bereichen Elektrifizierung und Automatisierung konzentrieren.

Accelleron erzielte im Geschäftsjahr 2021 mit 2 200 Mitarbeitern einen Umsatz von 756 Mill. Dollar. Daraus zog die Firma eine operative Marge von 25 %, heißt es in der Medienmitteilung. Wie bei vielen alteingesessenen Industriefirmen, die über eine breite Basis an installierten Anlagen verfügen, hat auch bei Accelleron das Servicegeschäft mit einem Umsatzanteil von 75 % eine herausragende Bedeutung. Serviceleistungen gelten als relativ konjunkturresistent und erfordern geringe Kapitalinvestitionen. Auf dieser Grundlage konnte Accelleron 2021 Geldmittel aus betrieblicher Tätigkeit (Cashflow) in Höhe von 163 Mill. Dollar generieren. Dies werde es Accelleron erlauben, eine attraktive Dividende an ihre künf­tigen Aktionäre auszuschütten, schreibt ABB dazu.

An solchen Unternehmen sind typischerweise auch Private-Equity-Investoren interessiert, das soll bis vor wenigen Monaten auch im Fall von Accelleron so gewesen sein. Dass die Firma nun aber ihre Freiheit erhalten soll, zeigt, dass das derzeitige Finanzmarktumfeld für schuldenfinanzierte Firmenkäufe deutlich schlechter geworden ist.

CEO von Accelleron ist seit kurzem der Schweizer Ingenieur und ABB-Veteran Daniel Bischofberger. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben weltweit rund 180 000 Turbolader installiert und liefert jedes Jahr etwa 10 000 neue aus.

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