Luftverkehrsbranche

Airline-Industrie auf Erholungskurs

Die Luftverkehrsbranche hat im Juli bei der Nachfrage immerhin wieder 75 % des Vorkrisen­niveaus erreicht. Obwohl sich die Buchungen für Herbst und Winter erfreulich entwickeln, glaubt IATA-Chef Walsh nicht, dass sich die weltweite Airline-Industrie schon vor 2024 von den Folgen der Pandemie erholen wird.

Airline-Industrie auf Erholungskurs

wü Paris

Die Erholung der Luftverkehrsbranche gewinnt an Fahrt, doch die hohen Ölpreise setzen Airlines unter Druck. Im Passagiergeschäft entwickeln sich nach Angaben des Branchenverbandes IATA (International Air Transport Association) sowohl die Binnenmärkte als auch internationale Verbindungen erfreulich. Insgesamt habe die Branche bei den verkauften Sitzkilometern wieder 75 % des Vorkrisenniveaus von 2019 erreicht, erklärt IATA-Chef Willie Walsh. Einige Märkte näherten sich sogar wieder dem Vorkrisenniveau an. Und das, obwohl es in einigen Teilen der Welt zu Kapazitätsengpässen gekommen sei, da die Branche nicht darauf vorbereitet gewesen sei, dass man so schnell wieder begonnen habe zu reisen.

Boden gutmachen

„Es gibt immer noch Boden gutzumachen“, sagt Walsh. Doch die Verkehrszahlen von Juli seien ein ermutigendes Zeichen für die traditionell ruhigere Herbst- und Wintersaison in der nördlichen Hemisphäre. Der internationale Passagierverkehr liegt nun bei 67,9 % des Vorkrisenniveaus, wobei die Asien-Pazifik-Region hinterherhinkt. Dagegen hat der Binnenverkehr bereits wieder 86,9 % des Niveaus von 2019 erreicht.

Weitere positive Signale sind die Erholung des chinesischen Binnenmarktes und die Buchungszahlen für die kommenden Monate. Dennoch sei er nicht optimistischer, dass sich die Branche vielleicht schon früher als bisher erwartet von den Folgen der Covid-Pandemie erholt, sagte Walsh. Er rechne immer noch damit, dass dies 2024 der Fall sein werde.

Die Branche steht nämlich jetzt vor neuen Herausforderungen, allen voran den hohen Ölpreisen, die laut Walsh bis mindestens Ende des Jahres für Kostendruck sorgen werden. Einige Fluglinien hätten jetzt begonnen, sich durch Hedging gegen die volatilen Preise abzusichern, berichtet der IATA-Chef. Dagegen wirke sich die hohe Inflation bisher noch nicht auf die Branche aus.

Dafür bekommt das Luftfrachtgeschäft in Europa die Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu spüren. Denn der Krieg beeinträchtigt die von Europa genutzten Kapazitäten, da russische und ukrainische Frachtairlines vor dem Krieg zu den wichtigsten Akteuren des Marktes gehörten. Die in Frachttonnenkilometern (CTK) gemessene Nachfrage in Europa ist im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17 % eingebrochen, im Mittleren Osten um 10 %, so dass die weltweite Nachfrage um 9,7 % niedriger ausfiel. Sie liegt insgesamt 3,5 % unter dem Vorkrisenniveau. Das Frachtgeschäft laufe nach wie vor gut, auch wenn es sich im Vergleich zu seinem außergewöhnlich guten Abschneiden 2020/21 etwas verlangsamt habe, erklärte IATA-Chef Walsh. Wie andere Branchen müsse die Luftverkehrsindustrie nun die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der kommenden Monate genau beobachten.

Die Kapazität im Frachtbereich lag im Juli 3,6 % über der des Vorjahresmonats, doch noch immer 7,8 % unter dem Vorkrisenniveau. Da die Airlines jetzt wieder mehr Langstreckenverbindungen anbieten, steigt sie wieder. Denn bis Corona wurde rund die Hälfte der internationalen Luftfracht in den Bäuchen von Passagierflugzeugen transportiert. Deshalb war die Kapazität des Luftfrachtgeschäfts 2020 um 21,4 % eingebrochen. Die Kapazität der Flugzeugbäuche dürfte Ende 2023 oder Anfang 2024 wieder ein normales Niveau erreichen, sagt Walsh.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.