Biotechnologie

Chancen für neues Medikament gegen Alzheimer

Der Schweizer Pharmakonzern Roche erhält in den USA den Status eines Therapiedurchbruchs für Gantenerumab. Das gibt auch dem Aktienkurs des deutschen Lizenzpartners Morphosys einen kleinen Schub.

Chancen für neues Medikament gegen Alzheimer

jh München

Der Schweizer Pharmakonzern Roche und sein deutscher Lizenzpartner Morphosys können auf eine baldige Zulassung eines Alzheimer-Medikaments in den USA hoffen. Der Antikörper Gantenerumab erhielt von der dortigen Zulassungsbehörde FDA den Status eines Therapiedurchbruchs, wie Roche und Morphosys bekannt gaben.

Gantenerumab wurde von Morphosys auf Basis einer unternehmenseigenen Antikörpertechnologie entwickelt. Für die klinische Entwicklung und mögliche Vermarktung ist gemäß der Lizenzvereinbarung ausschließlich Roche verantwortlich. Der Antikörper soll be­stimmte Ablagerungen im Gehirn entfernen, welche ein Merkmal der Alzheimer-Erkrankung sind, wie Morphosys berichtet.

Falls das Medikament von Roche zugelassen wird, würde Morphosys am Verkaufserfolg beteiligt. Das Unternehmen mit Sitz in Planegg bei München hat Anspruch auf Tantiemen von 5,5 bis 7% der Nettoumsätze mit Gantenerumab und auf Meilensteinzahlungen. Von den Tantiemen behielte Morphosys allerdings nur 40%. Den Großteil müsste das Unternehmen an den Finanzierungspartner Royalty Pharma abtreten.

Wie berichtet, hat Morphosys im Juli dieses Jahres für 1,7 Mrd. Dollar das US-amerikanische Biotechunternehmen Constellation Pharmaceuticals übernommen. Für die Finanzierung und weitere Produktentwicklungen erhält Morphosys von Royalty Pharma mehr als 2 Mrd. Dollar. Im Gegenzug gab Morphosys Ansprüche auf Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen an das Unternehmen ab, das sich als größter Käufer von Lizenzgebühren in der Biopharmazie bezeichnet. Der Anteil reicht je nach Präparat von 3 bis 100%.

Der Aktienkurs von Morphosys stieg am Montag zunächst um mehr als 9%. Bis zum Xetra-Schluss verringerte sich der Tagesgewinn auf 0,5% auf 38,72 Euro. Seit Beginn dieses Jahres verlor der Kurs des vor kurzem vom MDax in den SDax abgestiegenen Unternehmens nahezu 60%. Die Übernahme von Constellation und die damit verbundene Kapitalerhöhung sowie eine Strategieänderung haben der Aktie schwer zugesetzt.

Erfolg für Biogen

Der Therapiedurchbruch von Gantenerumab war für die Aktionäre endlich mal wieder eine gute Nachricht. Dieser von der Zulassungsbehörde FDA erteilte Status soll Entwicklung und Genehmigung von Medikamenten für schwere oder lebensbedrohliche Erkrankungen beschleunigen, falls vorläufige Daten eine wesentliche Verbesserung gegenüber bisherigen Therapien erkennen lassen. Die Ergebnisse von zwei zulassungsrelevanten Studien mit Gantenerumab würden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 abgeschlossen, kündigten die Unternehmen an.

Die FDA hatte Anfang Juni erstmals seit 2003 ein neues Medikament gegen Alzheimer zugelassen: Aducanumab des US-Konzerns Biogen. Die Behörde entschied damit gegen interne Berater, die sich dagegen ausgesprochen hatten (vgl. BZ vom 8. Juni).

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