Mobile Netze

Funkturmbetreiber Cornerstone steht zum Verkauf

Die Telekommunikationskonzerne Telefonica und Liberty Global wollen sich Insidern zufolge von ihrer Beteiligung am britischen Funkturm-Betreiber Cornerstone trennen. Den möglichen Milliardenerlös wollten die Unternehmen in den Ausbau ihrer Glasfasernetze stecken.

Funkturmbetreiber Cornerstone steht zum Verkauf

hei Frankfurt

Die nächste europäische Tower Company steht im Schaufenster. Wie Bloomberg aus informierten Kreisen berichtet, wollen Telefónica und Liberty Global die Hälfte von Cornerstone, die ihrer Tochter Virgin MediaO2 gehört, abstoßen. Dabei zielten die beiden Unternehmen auf einen Erlös von rund 10 Mrd. Pfund und wollen das Geld in den Glasfaserausbau reinvestieren, heißt es.

Die Initiative soll von Telefónica ausgehen, die ihr Portfolio einer strategischen Prüfung unterzieht, um Mittel für Investitionen freizusetzen und gleichzeitig die Verschuldung im Griff zu behalten. Der spanische Telekommunikationsriese berichtet auch über einen erwarteten Mittelzufluss von insgesamt 1,32 Mrd. Euro aus einer Steuerrückerstattung über 790 Mill Euro sowie Zinsen von 526 Mill. Euro. Allerdings hat der Konzern in der Vergangenheit gezielt passive Infrastruktur zu Geld gemacht, darunter die Funktürme der deutschen Tochter sowie Glasfaser und Unterseekabel. Die Spanier kämpfen in Großbritannien um den Verkauf ihrer Tochter O2UK an den Wettbewerber 3UK (Hutchison Whampoa). Sie liegen mit der EU im Clinch, die den Deal aus Wettbewerbsgründen untersagt hat, und haben kürzlich einen Etappensieg beim Europäischen Gerichtshof errungen, der die Sache erneut prüfen soll.

Europäische Funkturm-Assets sind bei Investoren begehrt. Der spanische Cellnex-Konzern hat in den vergangenen Jahren im Zuge einer paneuropäischen Einkaufstour bereits eine Konsolidierung der Branche vorangetrieben, aber der Markt ist noch immer fragmentiert. Vantage Towers, der die andere Hälfte von Cornerstone gehört, dürfte in vorderster Reihe zu den Interessenten für die zum Verkauf stehenden Anteile gehören. Die Vodafone-Tochter, die 2021 an die Frankfurter Börse gegangen war, hat wiederholt betont, sich aktiv am M&A-Geschehen in der Branche beteiligen zu wollen. Dafür hat die Funkturmgesellschaft nicht nur Spielraum bei der Verschuldung, sondern auch die Möglichkeit zu einer Kapitalerhöhung, um ihre Aktie als Währung einzusetzen.

Vantage Towers galt auch als Interessent für die Funkturmgesellschaft der Deutschen Telekom. Diese ging jedoch mehrheitlich für eine Bewertung von 17,5 Mrd. Euro an ein Konsortium des US-Infrastrukturinvestors Digital Bridge und den kanadischen Vermögensverwalter Brookfield.

Tower Companies, die als Infrastrukturunternehmen dem Real-Estate-Sektor zugerechnet werden, gelten aufgrund ihres Geschäftsmodells als resilient. Die Mietverträge laufen meist sehr langfristig. Jedoch sind die Aktien auch zinssensitiv. Die Zinswende spiegelt sich an der Börse derzeit in rückläufigen Bewertungen. Cellnex hat seit Jahresbeginn rund 38% eingebüßt, Vantage Towers rund ein Fünftel. Telefónica und Liberty Global wollen den konkreten Verkaufsprozess dem Vernehmen nach zu Beginn des nächsten Jahres starten.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.