Umfrage

Klimawandel dämpft Fern­reisefreudigkeit

Einer Studie von Roland Berger zufolge sind Verbraucher wegen des Klimawandels gegenüber Fernreisen kritischer geworden.

Klimawandel dämpft Fern­reisefreudigkeit

Von Stefan Kroneck, München

Seit der überwundenen Coronakrise ist in der Luftfahrtbranche die Hoffnung ungebrochen groß, dass spätestens im kommenden Jahr das Niveau vor Ausbruch der Pandemie erreicht werden könnte. So reden die Chefs der großen Fluggesellschaften, so redet Airbus-CEO Guillaume Faury.

Doch nach einer jüngsten Studie von Roland Berger zum Thema Langstreckenmobilität wird sich die Luftfahrtindustrie wohl noch gedulden müssen, bis man an das Wachstum von 2019 wieder wird anknüpfen können.

Denn nach den Erkenntnissen der Unternehmensberatung hemmt vor allem der Klimawandel die Bereitschaft von Passagieren, aus privaten und/oder geschäftlichen Gründen Fernreisen unreflektiert anzusteuern. „Die Nachfrage nach Fernreisen hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren deutlich erholt, liegt aber immer noch unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Dieses wird voraussichtlich auch 2023 nicht erreicht“, teilt Roland Berger mit. Zwar hätten vor allem Nachholeffekte dafür gesorgt, dass die weltweite Reisetätigkeit in den vergangenen eineinhalb Jahr trotz des Ukraine-Kriegs deutlich zugenommen habe, „trotzdem liegt die Nachfrage in den wichtigsten Märkten immer noch unter dem Niveau von vor der Pandemie. Zudem setzen weitere Faktoren wie die steigenden Energie- und Kraftstoffpreise oder der Fachkräftemangel die Anbieter unter Druck, ihre Betriebsabläufe effizienter zu gestalten“, wird Jan-Philipp Hasenberg, Partner bei Roland Berger, zitiert. Die aufgehobenen Lockdowns in vielen westlichen Industriestaaten hätten zu einem Nachfrageschub geführt. Allerdings dämpft eine „kritischere Einstellung der Verbraucher zu Langstreckenreisen“ die Nachfrage. „Die Gesamtnachfrage nach Fernreisen wird voraussichtlich auch im kommenden Jahr unter dem Vor-Covid-Niveau bleiben“, schlussfolgerte die Studie aus Umfragen.

Flugrouten ausgedünnt

„In allen Schwerpunktmärkten planen die Befragten deutlich weniger Reisen als vor der Pandemie.“ So sank Roland Berger zufolge die Zahl der erwarteten Geschäftsreisen gegenüber 2019 um 28 % und lag damit sogar nochmals fünf Prozentpunkte niedriger als bei der Umfrage 2021. Bei geplanten Privatreisen lag der Rückgang bei 19 % (2021: 18 %). „Besonders stark zeigt sich die Zurückhaltung der Verbraucher bei weiten Strecken: Die Zahl der geplanten interkontinentalen Geschäftsreisen sank auf 42 % des Vor-Covid-Niveaus; 22 Prozentpunkte weniger als 2021.“

Als Hauptursache des veränderten Mobilitätsverhaltens nennt die Studie die vermehrte Nutzung von Online-Kommunikation insbesondere bei Geschäftsaktivitäten, verschärfte unternehmensinterne Richtlinien für Geschäftsreisen, neue gesetzliche Vorschriften und „mit zunehmender Tendenz“ ökologische Gründe. „Wie wichtig den Befragten der Faktor Umwelt- und Klimaschutz ist, belegen zwei Kernergebnisse der Umfrage laut Roland Berger: „Zum einen plant eine Mehrheit, Flugreisen zugunsten von Bahn- oder Autoreisen einzuschränken. Zum anderen sind mit 90 % fast alle Befragte bereit, 20 % mehr für Flugtickets zu zahlen, wenn damit die Klimaauswirkungen von Flügen reduziert werden können.“

Für die Luftfahrtbranche bedeutet das, dass Interkontinentalflüge 2023/24 nicht den Durchbruch schaffen werden; den Schwerpunkt der Erholung bilden nach wie vor Kurz- bis Mittelstreckenflüge. Das hat Auswirkungen auf die Profitabilität der Anbieter. Denn hohe Margen erwirtschaften die Airlines vor allem mit Geschäftsreisenden auf den Langstrecken. Vor diesem Hintergrund werden die Fluggesellschaften noch stärker als zuvor darauf achten, wie lukrativ einzelne Verbindungen für sie noch sind. Manche Airline hat ihr Streckennetz bzw. die Frequentierung bestimmter Routen bereits ausgedünnt – wie zum Beispiel die Deutsche Lufthansa.