Lebensmittelbranche

Lindt & Sprüngli träumt weiter von Global­isierung

Der Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli kündigt an, weiter expandieren zu wollen. Die Schweizer teilen zwar mit wo, aber nicht mit wem.

Lindt & Sprüngli träumt weiter von Global­isierung

dz Zürich

Die phänomenale Erfolgsgeschichte des Schweizer Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli hat viel mit Globalisierung zu tun. Das sieht auch Chef Dieter Weisskopf so, der auf der diesjährigen Bilanzmedienkonferenz gleich mehrere Rückgriffe in die weite Vergangenheit des Konzerns machte. Als der 66-jährige vor über 25 Jahren als Finanzchef anheuerte war die Eroberung des US-Marktes gerade in vollem Gang. Die Amerikaner verdrücken ein Fünftel der globalen Schokoladenproduktion. Aber bis vor 30 Jahren war Lindt & Sprüngli in diesem Schlüsselmarkt kaum präsent.

Das Geschäft spielte sich fast ausschließlich in der Schweiz und in ihren Nachbarländern ab, allen voran Deutschland, dem nach wie vor mit großem Abstand bedeutendsten Absatzmarkt (692 Mill. sfr) auf dem alten Kontinent. Inzwischen realisiert Lindt & Sprüngli aber 1,7 Mrd. sfr oder fast 37 % der Gesamtverkäufe im Konzern in den USA. Das strategische Ziel von einst ist längst erreicht, wie auch Weisskopf konstatierte. Doch damit ist die Globalisierung für die Schweizer Schokoladenbarone noch lange nicht abgeschlossen.

Das geografische Segment „Rest der Welt“ umfasst so große und bevölkerungsreiche Länder wie China, Japan, Brasilien oder Südafrika, die 2021 alles in allem erst 568 Mill. sfr zum Umsatz beisteuerten. Zwar lag das Wachstum in dieser Region mit 19,7 % weit über dem Konzernmittel (14,2 %). Doch der Weg zu einer auch geografisch austarierten globalen Umsatzverteilung wie sie nur Giganten wie Nestlé einigermaßen hinbekommen ist für Lindt & Sprüngli offensichtlich noch weit.

Wer die weiteren Globalisierungsschritte des Unternehmens an die Hand nehmen soll, blieb auf der Konferenz völlig offen. Von einem Rücktritt des exekutiven Verwaltungsratspräsidenten Ernst Tanner ist im aktuellen Geschäftsbericht ebenso wenig die Rede wie das Thema an der Medienkonferenz zur Sprache kam. Tanner gilt als Marketing-Naturtalent und als Vater der Lindt-&-Sprüngli-Erfolgsstory. Doch der Mann wird heuer 76 Jahre alt. Wer ihn dereinst beerben könnte weiß niemand, vielleicht nicht einmal Tanner selbst.

Finanzmann Weisskopf, der Tanner vor fünf Jahren als CEO ablöste, profiliert sich derweilen mit solider Besitzstandswahrung. Die Corona-Delle hat Lindt & Sprüngli im zurückliegenden Jahr verlassen. Der Umsatz im Berichtsjahr liegt um rund 75 Mill. sfr über dem Niveau von vor der Pandemie und der Betriebsgewinn (Ebit) bewegt sich mit knapp 650 Mill. sfr sogar auf Rekordniveau. Allerdings hätte der Konzern 2019 ohne Sonderaufwendungen ein Ebit von 675 Mill. sfr ausweisen können, was darauf hin deutet, dass Lindt & Sprüngli beim Ziel einer stetigen Margensteigerung noch einiges aufzuholen hat.

Das Potenzial dazu ist freilich reichlich vorhanden. Das Duty-Free-Geschäft brachte auch 2021 erst 30 % des Vorkrisenumsatzes auf die Reihe und auch die Verkäufe über das eigene Laden-Netzwerk blieben im Berichtsjahr noch 10 % unter dem Niveau von 2019. Deutlich unter den Erwartungen arbeitete auch die US-Marke Russel Stover, welche die Schweizer 2014 akquiriert hatten. Weisskopf beteuerte, die Hausaufgaben bei der Integration des Unternehmens vollumfänglich erledigt zu haben. Für den Leistungsabfall seien allein pandemiebedingte Lieferkettenprobleme verantwortlich gewesen, deren Lösung sich im laufenden Jahr in deutlich besseren Zahlen niederschlagen sollte.

Die Investoren warten vorerst an der Seitenlinie ab. Die Namensaktie, die Anfang Jahr noch sagenhafte 120000 sfr gekostet hatte, ist inzwischen für gut 97000 sfr zu haben. Dank der angekündigten Erhöhung der Dividende auf 1200 sfr ergibt das eine Rendite von 1,2 %, wie sie in diesen Papieren schon länger nicht mehr zu haben war.

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