Luftfahrt

Lufthansa kämpft an allen Ecken und Enden

Die Lufthansa könnte 2022 mit allen Airlines Verluste erzielen. Trotz einer steigenden Nachfrage nach Flügen und höheren Ticketpreisen.

Lufthansa kämpft an allen Ecken und Enden

Von Lisa Schmelzer, Frankfurt

Bei der Lufthansa brennt die Hütte. Das Unternehmen steckt in einer „operationellen Krise“, wie Konzernchef Carsten Spohr bei einer Veranstaltung mit Mitarbeitern am Flughafen München sagte. Zwar sei das gerade ein globales Problem – die Nachfrage nach Reisen sei so stark zurückgekommen, „wie man es sich nicht vorgestellt hatte, die Branche hat sich weltweit verschätzt“ –, aber die Folgen treffen Lufthansa ganz direkt. Der Konzern werde im lau­fenden Jahr bei allen Airlines, „außer vielleicht der Swiss“, Verluste machen, so Spohr.

Der Lufthansa-Chef bezifferte die monetären Folgen des aktuellen Flugchaos auf „viele, viele Millionen“, aber schlimmer als die Entschädigungen, die wegen ausgefallener Flüge an Passagiere gezahlt werden müssen, trifft der hohe Ölpreis das Unternehmen. Vor allem der Preis für Kerosin ist stark in die Höhe gesprungen, und deshalb wird es bei den Airlines nicht für Gewinne reichen – trotz der emporgeschnellten Nachfrage und trotz Ticketpreisen, die „so hoch sind wie nie“, sagt Spohr.

Der Lufthansa-Chef räumte vor den Mitarbeitern, die ihrer Unzufriedenheit in Redebeiträgen deutlich Luft machten, ein, dass während der Corona-Pandemie Fehler gemacht wurden. „Wir haben in allen Bereichen zu viele gehen lassen, die Freiwilligen-Programme waren zu lukrativ“, sagte Spohr. „Jetzt müssen wir mit den Fehlentscheidungen aus der Pandemie umgehen.“ Derzeit komme eine hohe Krankheitsquote dazu – „kürzlich fiel ein Jumbo-Flug aus, weil wir keinen Co-Piloten gefunden haben“. Die Situation könnte sich noch zuspitzen, wenn es demnächst zu Streiks kommt, bei den Piloten etwa, womit in Branchenkreisen gerechnet wird. Zudem fehlen immer häufiger Ersatzteile, so dass Flugzeuge deshalb am Boden bleiben müssen. Und neue Flieger, die bestellt worden sind, kommen verspätet, so dass es auch im kommenden Sommer schwierig werden könnte.

„Wir rechnen für den Sommer 2023 mit 92 bis 95% der Vorkrisenkapazität, aber das wird nur mit Wet Leases möglich sein“, so Spohr, also mit samt Besatzung dazugemieteten Flugzeugen. Das sei auch Folge der zu geringen Ausbildungskapazität, gibt Spohr, der das Unternehmen seit acht Jahren führt, zu.

Bereits fest steht deshalb, dass ein Teil der während der Pandemie eingemotteten Airbus-A380-Flotte im kommenden Jahr reaktiviert wird. Die Rede ist von 4 bis 5 der ursprünglich insgesamt 14 Flieger, die dann von München aus auf Reisen gehen sollen. Die Flotte für 2023 habe jetzt festgelegt werden müssen, und „im nächsten Sommer sehen wir dann, wie gut wir mit unseren Planungen gelegen haben“.

Gegenwind bekommt Spohr derzeit nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch von den Kunden. Bei jedem Gang zu einem Flughafen-Gate werde er auf das Flugchaos angesprochen, jeden Tag erwarten ihn im Büro 300 bis 400 neue Mails von Passagieren, erzählt der Lufthansa-Chef. Seit er sich Anfang der Woche in einem Brief bei den Kunden entschuldigt hat, sei auch die ein oder andere freundliche Mail dabei. Aber es gibt auch solche wie die: „Spohr, bevor Du Dich bei mir entschuldigst, schaff mir erst einmal meinen Koffer bei.“

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