EY-Analyse

Preismacht verhilft Dax-Konzernen zu Rekordjahr

Die Unternehmen aus dem deutschen Leitindex sind im vergangenen Jahr trotz Inflation und Energiekrise deutlich gewachsen. Selbst beim Ergebnis kam es zu einem leichten Zuwachs. Zu verdanken haben die Firmen das einem hohen Auftragspolster und der Möglichkeit, Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben.

Preismacht verhilft Dax-Konzernen zu Rekordjahr

dpa-afx/Reuters Frankfurt

Deutschlands Börsenschwergewichte haben im vergangenen Jahr der hohen Inflation und den Unsicherheiten infolge des Ukraine-Krieges weitgehend getrotzt. Der Umsatz der Dax-Konzerne legte gegenüber dem Vorjahr in Summe um 15,5 % auf 1,8 Bill. Euro zu und erreichte damit den höchsten Wert seit Beginn der Auswertung 2013, wie aus einer EY-Analyse hervorgeht. Am stärksten legten die Unternehmen in Nordamerika (plus 23 %) zu, in Europa wuchsen sie dagegen nur um 6 %.

Der operative Gewinn (Ebit) konnte mit dem Umsatzwachstum allerdings nicht Schritt halten. Er verbesserte sich lediglich um 3,4  % auf insgesamt 171 Mrd. Euro. Im vierten Quartal wurde ein Rückgang um 10,6 % verzeichnet. Mit dem Wohnungskonzern Vonovia und dem Energietechnik-Spezialisten Siemens Energy schrieben dennoch nur zwei der 40 Dax-Unternehmen im Gesamtjahr rote Zahlen.

„Auch wenn die Gewinnentwicklung weniger positiv verlief, haben sich die Unternehmen damit insgesamt besser entwickelt, als man angesichts einer drohenden akuten Energiekrise und einer drohenden Rezession vermuten konnte“, analysierte Henrik Ahlers, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung Deutschland. Den meisten Dax-Unternehmen sei es gelungen, hohe Kosten bei Personal, Beschaffung und Energie an ihre Kunden weiterzugeben. So kamen etwa die Versorger RWE und Eon auf ein Umsatzplus von 56 beziehungsweise 50 %. Einige Unternehmen hätten zudem von einem komfortablen Auftragspolster aus der Zeit der Corona-Pandemie profitiert.

Die Analyse zeigt zugleich die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von der Autoindustrie: Volkswagen liegt nach Umsatz (279 Mrd. Euro), Ebit (22 Mrd.) und Mitarbeiterzahl (646 800) an der Spitze. Beim Umsatz liegen Mercedes-Benz und BMW auf Platz 3 und 4, beim Gewinn auf Rang 2 und 5.

Insgesamt beschäftigten die Konzerne Ende des Jahres 4,03 Millionen Mitarbeiter, das sind 86 000 mehr als vor Jahresfrist. „Die Beschäftigung steigt trotz des konjunkturellen Gegenwinds“, sagte Ahlers. Viele Unternehmen hätten inzwischen aber Effizienzprogramme gestartet.

Das laufende Jahr dürfte seiner Einschätzung nach nicht einfach werden. „Die Konjunktur schwächelt, die Rezessionsgefahr ist nicht gebannt. Und geopolitische Risiken sind allgegenwärtig.“ Laut EY kann zudem der starke Zinsanstieg der letzten Monate zu neuen Verwerfungen auf den Finanz- und Kapitalmärkten führen. Hinzu komme die sehr hohe Inflation, die die Konsumlust der Verbraucher dämpfe.