Energiewende

RWE verteidigt Kohleausstiegsplan

Der Abschied von Rolf Martin Schmitz von der großen Energiebühne war leise – aber nicht ohne Rechtfertigungen: Auf der virtuellen Hauptversammlung von RWE verteidigte der in wenigen Tagen abtretende CEO den eingeschlagenen Pfad zum Kohleausstieg...

RWE verteidigt Kohleausstiegsplan

Der Abschied von Rolf Martin Schmitz von der großen Energiebühne war leise – aber nicht ohne Rechtfertigungen: Auf der virtuellen Hauptversammlung von RWE verteidigte der in wenigen Tagen abtretende CEO den eingeschlagenen Pfad zum Kohleausstieg bis spätestens 2038. Der Energiekonzern nehme durch konsequenten Abschied von der Kohle einen historischen Einschnitt hin, sagte Schmitz zum Vorwurf von Aktionären, die Energiewende nicht entschlossen genug voranzutreiben. „In den ersten Jahren trägt RWE den Löwenanteil des deutschen Braunkohleausstiegs ganz allein“, betonte Schmitz anlässlich der geplanten Stilllegung von zwei Dritteln der Braunkohlekapazität bis 2030. Die übrigen Kraftwerke in dem Bereich würden anschließend voraussichtlich kaum mehr laufen.

Mit Abschluss des Tauschgeschäfts mit dem Lokalrivalen Eon rund um Innogy 2020 wurde RWE zum international gewichtigen Player auf dem Feld der Erneuerbaren. Einen Verkauf der Beteiligung von 15% an Eon in Zukunft bezeichnete der designierte CFO Michael Müller am Mittwoch zumindest als denkbar, um weiteres Wachstum zu finanzieren. Pläne für eine neue Kapitalerhöhung wie im August hat RWE zwar nicht – ließ aber vorsorglich die  Ermächtigung dazu erneuern.

Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr hob RWE wie geplant auf 0,85 Euro. Die Aktionäre billigten außerdem Änderungen in der variablen Vorstandsvergütung: Das System soll sich nun zumindest in Form von Zielvorgaben für die CO2-Intensität des Portfolios am großen Konzernziel der Klimaneutralität bis 2040 orientieren. Mehrere Aktionäre kritisierten gleichwohl den nach wie vor üppigen CO2-Fußabdruck des Energieriesen und forderten einen deutlich schnelleren Kohleausstieg. RWE sei noch kein nachhaltiges Unternehmen, könne aber schon deutlich vor 2040 „vom Saulus zum Paulus der Energiebranche“ werden, resümierte Union Investment. „Lassen Sie sich nicht zur Nachhaltigkeit treiben, sondern übernehmen Sie die Führung“, forderte die Investmentgesellschaft dafür vom Finanzvorstand und kommenden CEO Markus Krebber.

Kritik im Vorfeld hatten Neuwahlen zum Aufsichtsrat geerntet. Am Ende kamen die drei neuen Kapitalvertreter Hans Bünting, Hauke Stars und Helle Valentin aber ungefährdet ins Gremium. Ebenso wie Hans-Peter Keitel wurde der wegen seiner Eon-Vergangenheit nicht unumstrittene Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Erhard Schipporeit, trotz geknackter Altersgrenze von 72 Jahren für drei Jahre wiedergewählt. Der ebenfalls wiedergewählte Aufsichtsratsvorsitzende Werner Brandt hatte dafür plädiert, Schipporeit wegen seiner Finanzkompetenz noch zu halten. Die Fondsgesellschaft DWS hatte bei Schipporeit und Brandt sowie weiteren AR-Mitgliedern eine Ämterhäufung bemängelt.

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