Tech-Investor

Vision Funds ziehen Softbank unter Wasser

Der von Masayoshi Son geführte weltgrößte Tech-Investor hat im vergangenen Quartal erneut einen Milliardenverlust eingefahren. Die Lage ist offenbar dermaßen trübe, dass der CEO die Zahlen nicht einmal mehr selbst präsentieren will.

Vision Funds ziehen Softbank unter Wasser

Die Börsenflaute bei Tech-Unternehmen hat der japanischen Softbank Group weitere tiefrote Zahlen eingebrockt. In den drei Monaten von Oktober bis Dezember verbuchte der Technologie-Investor unter dem Strich einen Verlust von 783,4 Mrd. Yen (5,6 Mrd. Euro), während der Konsens der Analysten einen Gewinn von 205,9 Mrd. Yen (1,5 Mrd. Euro) erwartet hatte. Hauptverantwortlich für den Einbruch waren die beiden Vision Funds mit einem Minus von 660 Mrd. Yen (4,7 Mrd. Euro). Im Vorquartal hatte die Gruppe zwar insgesamt einen Nettoertrag von 3 Bill. Yen (21,3 Mrd. Euro) erwirtschaftet, aber nur aufgrund eines einmaligen Sondereffektes, als die Beteiligung am chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba teilweise verkauft wurde.

Es war das vierte Quartal in Folge, dass die Vision Funds Geld verloren. Der Abwärtstrend beruht vor allem auf der generell gefallenen Bewertung von Tech-Unternehmen. Bei Softbank überwogen Abschreibungen auf eigene Investitionen, die zu höheren Bewertungen erfolgten. Demgegenüber waren die Börsenkurse von Unternehmen, an denen Softbank Anteile besitzt, darunter die Fahrdienstvermittler Didi in China und Grab in Singapur, ab November gestiegen. Das sichtbarste Krisenzeichen war, dass CEO Masayoshi Son erstmals seit der Gründung seines Unternehmens die Geschäftszahlen nicht selbst präsentierte.

Trotz der Kurserholung an der Tech-Börse Nasdaq will der Investor vorerst an dem im Vorjahr verkündeten Defensivkurs festhalten. Im vergangenen Quartal investierte Softbank weniger als 350 Mill. Dollar, ein Aktienrückkauf wurde abgeschlossen, Anleihen wurden vorzeitig zurückgekauft. „Wir konzentrieren uns auf den Aufbau von Widerstandsfähigkeit“ sagte Navneet Govil von Softbank Global Advisers und nannte Arbeitsmärkte, Zinsen und Firmengewinne als Risiken.

Zugleich betonte Finanzvorstand Yoshimitsu Goto, man verfüge über „reichlich Barmittel“ von etwa 6,5 Mrd. Dollar für künftige Investitionen. Softbank hätte auch die Option, einen dritten Vision Fund zu gründen. Doch die Bilanz fällt nicht gut aus. Der erste, 2017 aufgelegte Vision Fund mit Investitionen von 89,6 Mrd. Dollar liegt nur 12% im Plus, während der zweite Vision Fund 49,9 Mrd. Dollar investierte, aber 16,7 Mrd. Dollar an Verlusten verbucht hat. Der Unterschied trifft Softbank besonders hart: Denn der zweite Fonds wurde ausschließlich mit eigenem Geld und teils auf Kredit finanziert.

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