Gewerbeimmobilien

Aroundtown-Gewinn sackt ab

Der operative Halbjahresgewinn des Gewerbeimmobilienkonzerns Aroundtown ist um gut ein Viertel auf 172 Mill. Euro geschrumpft, da Hotelpachten ausstehen und Immobilien verkauft wurden.

Aroundtown-Gewinn sackt ab

hek Frankfurt – Die Nettomieteinnahmen des Gewerbeimmobilienkonzerns Aroundtown sind im ersten Halbjahr 2021 mit 458 Mill. Euro um 9 % niedriger ausgefallen als im Vorjahreszeitraum. Die Einbuße geht vor allem auf Objektverkäufe zurück. Auf vergleichbarer Basis verbleibt nach Firmenangaben ein Rückgang um 0,7 %, ohne Hotels ergibt sich ein Anstieg um 0,8 %. Die Funds from Operations (FFO), die wichtigste Ertragskennzahl der Branche, gaben in den sechs Monaten um 26% auf 172 Mill. Euro nach. Ohne Covid-19-Belastungen wäre ein Minus von 8% angefallen, teilt Aroundtown mit.

Investoren reagierten enttäuscht. Die im MDax vertretene Aktie verlor am Mittwoch im Handelsverlauf 6%. Die US-Bank Morgan Stanley gibt zu bedenken, dass bei Aroundtown die meisten Renditetreiber in den letzten Jahren an Kraft verloren hätten.

Für ausstehende Mieten hat Aroundtown im ersten Halbjahr 75 Mill. Euro zurückgestellt. Die Belastungen beträfen größtenteils Hotels, bestätigt Vorstandsmitglied Oschrie Massatschi im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. In der Jahresprognose seien 120 Mill. Euro für Rückstellungen berücksichtigt.

Im Hotelsektor, der 24% des Portfolios stellt, kamen im ersten Halbjahr lediglich 34% der Mieten herein. Im Juli waren es 45%, geht aus der Präsentation hervor. Der volle Lockdown bis Mitte Mai in Großbritannien und bis Juni in Deutschland habe sich im Pachteingang niedergeschlagen. Derzeit entwickelt sich der Sektor uneinheitlich: Während Geschäfts- und Kongresshotels weiter auf eine durchgreifende Erholung warten, werden Ferienhotels in den Sommermonaten gut gebucht, wovon Aroundtown beispielsweise mit ihren Center-Parcs-Ferienanlagen profitiert. Massatschi hebt hervor, dass die Verträge mit den Hotelbetreibern fixe Pachten vorsähen. Daher werde man später versuchen, ausstehende Mieten noch einzutreiben. Der Manager ist zuversichtlich, dass sich der Sektor erholen wird: „Hotels bleiben eine gefragte Assetklasse.“ Das gelte vor allem für zentrale Lagen, da man solche Hotelimmobilien im Worst Case leicht in Wohnungen umwandeln könne.

Die Objektverkäufe beliefen sich in den sechs Monaten auf 1,1 Mrd. Euro. Sie betrafen vor allem Bürogebäude (53%) sowie Einzelhandels- und andere Immobilien (41%), kaum aber Hotels (6%), da hier derzeit wenige Transaktionen zustande kommen. Weitere Objekte im Wert von einer halben Milliarde Euro stünden derzeit zum Verkauf, sagt Massatschi. Aroundtown trennt sich von Immobilien, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählen oder deren Wertpotenzial als ausgeschöpft gilt. Die Verkäufe seien zu einem Aufschlag von 3% auf den Buchwert abgeschlossen worden. Die Einnahmen fließen in Schuldentilgung und Aktienrückkäufe. Bis August hat Aroundtown für 190 Mill. Euro eigene Anteile erworben. Damit seien 37% des im Ende März aufgelegten Rückkaufprogramms umgesetzt.

„Gute Beimischung“

Bei Zukäufen liege der Schwerpunkt auf Büro- und Hotelgebäuden in den Kernmärkten Deutschland und Niederlande, sagt Massatschi. Die meisten Immobilien würden aber nach wie vor mit einem Aufschlag zum Buchwert veräußert. Auch bei Hotels seien Abschläge selten.

Massatschi hält es für möglich, dass Aroundtown den Anteil am Wohnungskonzern Grand City Properties von derzeit 44,3% weiter aufstockt, etwa durch Bezug von Aktiendividenden oder Zukäufe am Markt. Man werde aber darauf achten, dass die Handelsliquidität der Aktie erhalten bleibe. Aroundtown hat angekündigt, Grand City ab dem dritten Quartal im eigenen Zahlenwerk zu konsolidieren. Massatschi wertet die Beteiligung als „gute unterstützende Beimischung zum Portfolio“. Keinesfalls sei geplant, Grand City von der Börse zu nehmen.

Die Bewertungsgewinne fielen im Halbjahr mit 109 Mill. Euro weit niedriger aus als im Vorjahreszeitraum (564 Mill. Euro), was auch damit zusammenhängt, dass laut Massatschi nur etwa ein Viertel des Portfolios neu bewertet wurde. Das schlägt bis auf den Periodenüberschuss durch, der um 42% auf 362 Mill. Euro schrumpfte. An der Jahresprognose hält das Management fest. Demnach soll der FFO zwischen 340 Mill. und 370 Mill. Euro erreichen. Das entspricht weitestgehend dem 2020er-Wert von 358 Mill. Euro. Die Dividende veranschlagt das Management auf 0,22 bis 0,24 Euro.

Wertberichtigt Seite 6

Aroundtown
Konzernzahlen nach IFRS
6 Monate
in Mill. Euro20212020
Umsatz541588
Nettomieteinnahmen458502
Bereinigtes Ebitda452500
Funds from Operations172234
 je Aktie (Euro)0,150,17
Periodenergebnis362626
Investmentvermögen2089921172 1
Liquidität32443263 1
Loan to Value (%)3334 1
NTA 2 je Aktie (Euro)9,609,50 1
1) Ende 2020; 2) Net Tangible AssetsBörsen-Zeitung
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