Touristik

Tui sammelt Geld ein für Rückgabe von Staatshilfen

Der Touristikkonzern Tui hat im Zuge einer neuen Kapitalerhöhung einen Erlös von 425 Mill. Euro erreicht. Die frischen Mittel dienen der Rückgabe von Staatshilfen während der Corona-Pandemie.

Tui sammelt Geld ein für Rückgabe von Staatshilfen

ste Hamburg

Der nach Beginn der Coronakrise vor gut zwei Jahren in finanzielle Turbulenzen geratene Touristikkonzern Tui hat zur Rückgabe von während der Pandemie erhaltenen staatlichen Finanzhilfen frisches Kapital eingesammelt. Wie das Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch mitteilte, wurden bei der dritten Kapitalerhöhung seit Januar 2021 rund 163,3 Millionen neue Aktien per beschleunigtes Platzierungsverfahren an institutionelle Investoren zu einem Preis von je 2,62 Euro platziert. Der Bruttoerlös belaufe sich auf rund 425 Mill. Euro. Im Zuge der Transaktion gegen Bareinlagen, bei der das Bezugsrecht der Altaktionäre ausgeschlossen wurde, erhöht sich das Grundkapital durch eine teilweise Ausnutzung des genehmigten Kapitals um etwa 10% auf rund 1,79 Mrd. Euro.

Begleitet wurde die Kapitalerhöhung von Barclays, HSBC und Unicredit als gemeinsame globale Koordinatoren und zusammen mit Bank of America, Commerzbank Crédit Agricole sowie Société Générale als gemeinsame Orderbuchführer. Mit dem Erlös aus der Transaktion sowie verfügbaren Barmitteln soll die Stille Einlage 2 des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Volumen von 671 Mill. Euro vollständig zurückgezahlt werden. Zudem will die Tui auch die bestehende KfW-Kreditlinie um weitere 336 Mill. auf 2,1 Mrd. Euro reduzieren. Damit verblieben als staatliche Finanzhilfen neben der KfW-Kreditlinie eine wandelbare Optionsanleihe mit rund 59 Mill. Euro und die ebenfalls wandelbare Stille Einlage 1 des WSF in Höhe von 420 Mill. Euro.

Anfang April hatte der Konzern erste KfW-Kreditlinien in Höhe von rund 700 Mill. Euro zurückgegeben. Vor einer Woche hatte die Tui bei der Vorlage von Zahlen zu den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres mitgeteilt, dass sich die Liquidität auch nach Rückgabe der Kreditlinien infolge eines deutlich anziehenden Geschäfts sowie eines erfolgreichen Kostenmanagements per 6. Mai auf 3,8 Mrd. Euro erhöht habe. Die Nettoverschuldung sei per Ende März auf 3,9 Mrd. Euro gesunken – nach 5,1 Mrd. Euro im Vorquartal. Ziel der Tui ist es, die Verschuldung wieder unter das 3-fache operative Ergebnis (Ebitda) zurückzuführen. Dies soll innerhalb von zwei bis drei Jahren gelingen, wie Vorstandschef Friedrich Joussen der Börsen-Zeitung Ende März gesagt hatte. Dazu müssten 1,9 Mrd. Euro Schulden abgebaut werden.

„Stabiles Fahrwasser“

„Wir setzen um, was wir angekündigt haben und zugesagt haben“, erklärte Joussen nun zu der neuen Kapitalerhöhung mit Verweis auf eine möglichst schnelle Rückführung der Coronahilfen. „Unser Ziel ist, zügig zur Normalität zurückzukehren und uns auf neues Wachstum zu fokussieren.“ Man befinde sich in stabilem Fahrwasser, der Markt sei intakt. „Wir erwarten einen starken Reise-Sommer und ein gutes Geschäftsjahr.“ Konzernweit lag das gebuchte Volumen zuletzt bei 85% des Sommers 2019, des letzten regulären Geschäftsjahres vor der Corona-Pandemie. Die Tui geht davon aus, im Sommer 2022 nahezu das Buchungsniveau des Sommers 2019 zu erreichen.

Die Zahl der mit Tui im zweiten Quartal des Ende September ablaufenden Geschäftsjahres gereisten Gäste verzehnfachte sich verglichen mit dem Vorjahresquartal fast auf 1,9 (i.V. 0,2) Millionen. Der Umsatz lag von Januar bis März 2022 mit 2,1 Mrd. Euro rund neunmal höher und der saisonal übliche Verlust wurde mit −330 Mill. Euro gegenüber dem Zeitraum des Vorjahres nahezu halbiert, wie der Konzern vor Wochenfrist mitteilte. Für den gesamten Turnus 2021/22 rechnet die Tui mit der Rückkehr zu einem „signifikant positiven Ergebnis“ – nach einem um rund 31% auf −2,1 Mrd. Euro verbesserten bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) im vergangenen Geschäftsjahr. Mit der Transformation und der Neuausrichtung des Konzerns sei die Tui schlanker, digitaler und effizienter, erklärte der Vorstandschef. „Das ist die Basis dafür, die Corona-Finanzhilfen weiter kontinuierlich abzubauen und unsere Verschuldung und die Zinskosten zu senken.“

Die Tui-Aktie rutschte an ihrem Haupthandelsplatz in London um 12,9% auf 214,20 Pence ab, der Kurs im Xetra-Handel verlor 12,6% auf 2,53 Euro . Das Analysehaus Jefferies beließ seine Einstufung für die Tui auf „Underperform“ mit einem Kursziel von 2,10 Euro. In einer ersten Reaktion auf die neue Kapitalerhöhung verwies eine Analystin darauf, dass sie dennoch anhaltende Liquiditätsrisiken für den weltgrößten Reisekonzern sieht.

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