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Redaktion

Corporate Finance Awards der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Awards – Gewinner

SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (3)

Merck überzeugt mit M&A-Deal in den USA

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als er in eine Fusion zweier Wettbewerber hineingrätschte und das Kräftemessen um eine attraktive US-Firma für sich entschied. Für diesen M&A-Erfolg erhält das Dax-Unternehmen den Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung.

Von Sabine Wadewitz, Frankfurt

Das Familienunternehmen Merck hat sein Portfolio in den vergangenen Jahren konsequent umgestaltet, um alle Sparten systematisch zu stärken. Diese Strategie ist langfristig angelegt, um an drei Säulen festzuhalten und sie weiter aufzubauen. Dabei soll keines der Segmente dominieren, weil die Familiengesellschafter einen Risikoausgleich über die Portfoliodiversifizierung anstreben.

Seit 2007 hat der Pharma- und Chemiekonzern fast 40 Mrd. Euro für Akquisitionen ausgegeben und sich von Aktivitäten im Transaktionswert von 10 Mrd. Euro getrennt. Die beiden größten Erwerbe Sigma-Aldrich und Serono für 13,1 Mrd. und 10,3 Mrd. Euro, sorgten für Schub im Life-Science- und Pharmageschäft. Die jüngste Übernahme des Herstellers von Halbleitermaterialien Versum ist mit einem Volumen von 5,8 Mrd. Euro im internen Ranking bislang "nur" die Nummer 3, doch der Deal sorgte für große Aufmerksamkeit im Markt, wagte Merck doch anfangs einen feindlichen Zugriff in den USA, um ihr gewünschtes M&A-Ziel aus einem bereits besiegelten Merger wieder herauszuholen. Für die Transaktion wird Merck mit dem Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung als M&A-Deal des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Versum war 2016 aus dem Industriegasekonzern Air Products abgespalten worden, und Merck hatte das in Arizona beheimatete Unternehmen schon eine ganze Zeit ins Visier genommen. Das Objekt der Begierde ist ein namhafter Spieler im Markt und zudem hochrentabel. Versum gilt als einer der weltweit führenden Anbieter von Prozesschemikalien, Gasen und Ausrüstungen für die Halbleiterfertigung. Das Unternehmen setzte im Turnus 2018 rund 1,2 Mrd. Euro um und zeigte ein operatives Ergebnis (Ebitda) in Höhe von 360 Mill. Euro.

Merck betrachtet das US-Unternehmen als optimale Ergänzung, um sich in einem wachsenden Markt als einer der Top-Anbieter von Elektronikmaterialien für die Halbleiter- und Display-Industrie zu positionieren. Der Konzern deckt nun als Zulieferer von Materialien alle Stufen der Chipherstellung ab. Es ist ein zentrales Element im Umbau des Chemie-Segments Performance Materials, wo das Geschäft mit Flüssigkristallen zunehmend unter Preis- und Wettbewerbsdruck steht.

Begehrtes Ziel

Für das Merck-Management stand Versum schon 2018 weit oben auf der Einkaufsliste, für ein Gebot fehlte nach dem Erwerb des Laborausrüsters Sigma-Aldrich jedoch noch der finanzielle Spielraum. Dieser wurde mit dem Verkauf des Selbstmedikationsgeschäfts an Procter & Gamble im Dezember 2018 geschaffen. Doch Anfang 2019 wurde Merck hinterrücks davon überrascht, dass der US-Wettbewerber Entegris die Fusion mit Versum eintütete. Beide Rivalen hatten sich auf einen Merger of Equals via Aktientausch verständigt, wobei die Entegris-Eigner dominierten. Der Hauptversammlungsbeschluss stand noch aus.

Da Merck in dem Markt keine reizvolleren alternativen Akquisitionsziele erkannte, entschloss sich der deutsche Dax-Konzern, in den Deal der US-Wettbewerber hineinzugrätschen. In dem Versuch, einen bereits beschlossenen Deal zu torpedieren, musste Merck von Beginn an das Heft in der Hand halten. Das Unternehmen versuchte mit einer Barofferte zu punkten, der Investoren gemeinhin den Vorzug geben im Vergleich zu einem Zusammenschluss über Aktien. Allerdings musste der Angebotspreis ohne Einblick in die Bücher von Versum festgelegt werden und dennoch genug Anziehungskraft für die Anleger bieten. Ein spannendes Tauziehen nimmt seinen Lauf - begleitet auf Seiten von Merck von den Investmentbanken Guggenheim Securities und Goldman Sachs, während Versum auf Lazard und Citi vertraut: Zum Auftakt legt Merck 48 Dollar je Aktie oder in Summe 5,9 Mrd. Dollar auf den Tisch, was eine Prämie von 52 % auf den von der Fusion mit Entegris unbeeinflussten Aktienkurs bedeutet und einen Aufpreis von 16 % auf den letzten Schlusskurs.

Es ist relativ klar, dass Entegris mangels Größe nicht in einen Bieterwettstreit eintreten kann, gleichwohl macht Versum erst mal die Schotten dicht, zeigt keine Gesprächsbereitschaft und zieht rasch eine Poison Pill aus der Schublade: Wenn ein Käufer eine Beteiligung von 12,5% überschreitet, dürfen die übrigen Anteilseigner neue Papiere zum Vorzugspreis erwerben. Schließlich schickt das US-Management die Depesche nach Darmstadt, die Offerte von Merck sei nicht besser als die Fusion mit Entegris.


























Merck zündet nach dieser Abwehrhaltung von Versum die nächste Stufe und umgarnt in einem Brief direkt deren Aktionäre - die größten Pakete halten die Finanzinvestoren Vanguard und BlackRock sowie der Finanzdienstleister State Farm. Die Anteilseigner werden aufgefordert, dem Versum-Management Dampf zu machen und die "überlegene" Merck-Offerte zu unterstützen. Versum bleibt zickig und wirbt mit höheren Synergien für die selbst angebahnte Fusion. Merck geht auf Stimmenfang für das außerordentliche Aktionärstreffen von Versum und appelliert an die Investoren, gegen die Fusion und den goldenen Handschlag für das Management zu votieren.

Schließlich reißt dem Merck-Management der Geduldsfaden, es geht in eine feindliche Übernahme und wendet sich direkt mit seiner Offerte an die Versum-Aktionäre. Damit verschafft man sich besondere Aufmerksamkeit im Markt, denn deutsche Unternehmen haben bislang selten feindliche Zugriffe versucht. Man muss bis ins Jahr 2006 zurückgehen, als der Chemiekonzern BASF ebenfalls in den USA unerbeten beim Katalysatorhersteller Engelhard vor der Tür stand. Merck selbst hatte damals ebenfalls in der Zeit den Berliner Pharmakonzern Schering in die Zwangsehe stecken wollen, musste aber dem "Weißen Ritter" Bayer Platz machen.

Das Muskelspiel von Merck in den USA zeigt endlich Wirkung. Es gibt erste Gespräche mit dem Versum-Chairman, Seifi Ghasemi reist sogar zu einem Treffen mit Merck-Chef Stefan Oschmann nach München. Er sichert dem deutschen Bieter nichtöffentliche Informationen zu, und Merck kann ohne Gesichtsverlust ein höheres Angebot aus dem Hut ziehen. Bei 53 Dollar je Aktie oder 6,5 Mrd. Dollar einschließlich Schuldenübernahme reicht man sich die Hand. Versum kündigt den Vertrag mit Entegris, wofür der verschmähte Fusionspartner 140 Mill. Dollar Schmerzensgeld einstreicht.

Günstige Finanzierung

In der Finanzierung des Deals setzt Merck wie üblich auf eine Kombination aus Cash und Fremdkapital. Ein Term Loan über 2,3 Mrd. Dollar bringt Flexibilität, kann dieses Investorendarlehen doch ohne feste Fälligkeiten aus dem Cash-flow getilgt werden. Die Brückenfinanzierung von 4 Mrd. Dollar wird mit einem Bond in drei Tranchen über 2 Mrd. Euro abgelöst mit Laufzeiten von viereinhalb (600 Mill.), acht (600 Mill.) und zwölf Jahren (800 Mill.) und Kupons von 0,005 %, 0,375 % und 0,875 %.

Zudem wird eine Hybridanleihe in zwei Tranchen mit Laufzeiten von jeweils 60 Jahren platziert. Die erste Tranche über 500 Mill. Euro und mit einem Kupon von 1,625 % ist mit einer Rückzahlungsoption nach 5,5 Jahren ausgestattet. Die zweite Tranche über 1 Mrd. Euro hat einen Kupon in Höhe von 2,875 % und kann nach zehn Jahren vorzeitig zurückgezahlt werden. Die Ratingagenturen rechnen die Hybridanleihe nur zur Hälfte als zusätzliche Verschuldung an, womit die Bonitätsbeurteilung unterstützt wird.

Finanzchef Marcus Kuhnert betont, der Konzern sei entschlossen, "weiterhin eine konservative Finanzpolitik zu verfolgen". Fürs Erste steht nun wieder die Entschuldung im Vordergrund. Doch in zwei Jahren will Merck wieder Spielraum haben, um intensiver auf mögliche M&A-Ziele zu schauen.

Bisher erschienen:
- RWE (8.2.)
- AMS (14.2.)

Börsen-Zeitung, 21.02.2020, Nummer 36, Seite 13, 1104 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020036078




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SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (2)

AMS siegt dank Hartnäckigkeit

Mit zweitem Übernahmeangebot für Osram gegen Finanzinvestoren durchgesetzt - Gewinner in der Kategorie Mid/Small Caps

Der Bieterwettkampf um Osram brachte einige überraschende Wendungen. Letztlich setzte sich der in der deutschen Öffentlichkeit zuvor kaum bekannte österreichische Chip- und Sensorhersteller AMS durch. Mit großem Selbstbewusstsein und Hartnäckigkeit ging das Management die Übernahme der größeren Osram Licht AG an.AMS/Osram

Von Joachim Herr, München

Die Konkurrenz war hart: AMS musste sich im Ringen um Osram gegen ausgebuffte M&A-Profis durchsetzen. Bain Capital und Carlyle hatten zuerst das Lasso nach dem Münchner Lichttechnikkonzern geworfen. Doch dann folgte das österreichische Unternehmen und ein spannender Bieterwettkampf begann.

Nach längeren Verhandlungen mit Banken hatten die Finanzinvestoren Anfang Juli des vergangenen Jahres ihr Angebot von 35 Euro je Osram-Aktie bekannt gegeben. Sechs Wochen später übertraf die Offerte von AMS diesen Preis: Der Chip- und Sensorhersteller mit Sitz in Premstätten (Steiermark) bot zunächst 38,50 Euro und letztlich 41 Euro.

Doch erst mit dem zweiten Angebot erreichte AMS die selbst gesteckte Mindestannahmeschwelle von 55 %. Am Nikolaustag war es schließlich so weit. Auch für seine Hartnäckigkeit und Durchsetzungsstärke erhält das Unternehmen den Corporate Finance Award in der Kategorie Mid/Small Caps.

Das Ziel, Osram zu übernehmen, ist zwar noch nicht erreicht, aber eine schwere Etappe hat AMS geschafft. Wenn 9 bis 18 Kartellbehörden (die Zahl hängt davon ab, ob die EU oder einzelne Länder zuständig sind) zustimmen, würde AMS 59,9 % von Osram kontrollieren. 19,99 % erwarb das Unternehmen an der Börse, knapp 40 % dienten ihm die Osram-Aktionäre an.

Der nächste Schritt wäre für AMS dann, eine Dreiviertelmehrheit in einer außerordentlichen Hauptversammlung zu erreichen, um einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Osram abschließen zu können. Dass ein solcher Vertrag angestrebt wird, gab das Unternehmen in dieser Woche bekannt. Damit gerechnet wurde jedoch schon länger. Bis zum Abschluss eines solchen Vertrags hat AMS nun sechs bis neun Monate Zeit.

Ein Champion soll entstehen

Das große Ziel für den AMS-Vorstandsvorsitzenden Alexander Everke und sein Managementteam ist, mit Osram einen Champion für Fotonik zu schaffen - einen Weltmarktführer für Licht und Sensorik. Dafür soll die Optohalbleitersparte von Osram mit dem Sensorgeschäft der Österreicher gebündelt werden. Gemeinsam könnten, so die Idee von AMS, neue Produkte entwickelt werden, mit denen das Unternehmen Vorreiter im Markt und zumindest anfangs ohne Wettbewerber wäre.

Auf der bisherigen Strecke zum großen Ziel überwand AMS schon etliche Hürden. Anfangs hatte das Unternehmen selbst für Verwirrung gesorgt: Die Mitte Juli an Osram adressierte Interessenbekundung zog das Unternehmen nur wenige Stunden später zurück. Eine Woche danach ging es wieder in die andere Richtung, und am 12. August gab AMS ein Angebot von 38,50 Euro je Aktie bekannt.

Nach der Sommerpause verschärfte sich der Wettstreit der Bieter. Bain Capital zog ein neues Angebot in Erwägung - mit Advent als Partner anstelle von Carlyle. AMS konterte acht Tage später mit einer Finte: Die Österreicher kauften eine Aktie für 41 Euro und mussten somit allen anderen Anteilseignern von Osram diesen höheren Preis bieten. Ein neues Angebot war somit nicht erforderlich. Der Münchner Konzern wird damit mit rund 4,4 Mrd. Euro bewertet, einschließlich der Nettoschulden von 350 Mill. Euro (am 30. September 2019).

AMS hatte für das Übernahmeangebot relativ rasch ein Bankenkonsortium gewonnen. UBS, HSBC und Bank of America stellen die Finanzierung mit einem Brückenkredit, der maximal 4,42 Mrd. Euro betragen kann. Einen Teil der Refinanzierung hat sich AMS vor kurzem auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Januar gesichert: Die Aktionäre stimmten einer Kapitalerhöhung im Volumen bis 1,65 Mrd. Euro zu. Das im Vergleich mit dem ersten Übernahmeversuch verbesserte Finanzierungskonzept überzeugte auch den Vorstand von Osram und zumindest die Kapitalseite im Aufsichtsrat: Seit Mitte November unterstützen sie die Übernahmepläne von AMS ohne Vorbehalte. Da einigten sich beide Seiten zudem auf eine Vereinbarung für einen Zusammenschluss.

Folgen fürs Übernahmegesetz

Dagegen konnte das Management von AMS die Arbeitnehmerseite von Osram mit Betriebsrat und IG Metall im Aufsichtsrat bisher nicht von seinem Vorhaben überzeugen. Der Konzernbetriebsrat hatte sogar versucht, mit einer Beschwerde das zweite Übernahmeangebot untersagen zu lassen. Das Oberlandesgericht Frankfurt wies diese jedoch zurück. Der Hintergrund: Für den neuen Anlauf hatte AMS eine weitere Tochtergesellschaft gegründet und so die für ein und denselben Bieter geltende Sperrfrist von einem Jahr umgangen. "Wir folgen genau dem Gesetz", betont Vorstandschef Everke, der sich seit Beginn unbeirrt und fest entschlossen zeigt. Der Nebeneffekt des Vorgehens von AMS: Auf die offensichtlich gewordenen Lücke im deutschen Übernahmegesetz hat der Gesetzgeber inzwischen reagiert und eine Änderung im Recht veranlasst.

Im Vergleich mit dem ersten Angebot ging AMS im zweiten Anlauf einige Schritte auf Osram zu: So würde die Hälfte der Verwaltungsfunktionen eines gemeinsamen Unternehmens in München angesiedelt. Zudem soll die IG Metall einen Sitz im AMS-Aufsichtsrat bekommen und auf fusionsbedingte Kündigungen an den deutschen Osram-Standorten bis Ende 2022 verzichtet werden. Flexibilität, um einer Konjunkturschwäche zu begegnen, will sich AMS jedoch auch auf der Personalseite erhalten: "Jede Firma ist gezwungen, auf Marktgegebenheiten zu reagieren", sagt der für das Operative zuständige Vorstand Thomas Stockmeier.

Die Rolle der Hedgefonds

Zu wichtigen Spielern der Übernahme-Story wurden Hedgefonds. Sie hätten sogar den zweiten Versuch von AMS platzen lassen können, denn kurz vor Ende der am 5. Dezember um Mitternacht ausgelaufenen Frist sollen fast 50 % der Osram-Aktien in ihrem Besitz gewesen sein. Everke reiste zu Gesprächen mit Hedgefondsmanagern nach New York und London, um diese nahezu in letzter Minute für sein Vorhaben zu gewinnen. Er hatte Erfolg: Die Hedgefonds verkauften zumindest einen Teil ihrer Osram-Aktien, und die Mindestannahmeschwelle von 55 % wurde überschritten.

Nun lautet eine große Frage, wie AMS die Dreiviertelmehrheit in der Hauptversammlung erreichen will und welche Rolle dabei die Hedgefonds spielen. Zunächst braucht das Unternehmen allerdings die Freigaben der Kartellbehörden. Da sich die Geschäfte von AMS und Osram wenig überschneiden, sind Schwierigkeiten nicht zu erwarten. Die Österreicher rechnen bis Mitte dieses Jahres mit den Genehmigungen und wollen dann die Übernahme abschließen.

Bisher erschienen:
- RWE (8.2.)

Börsen-Zeitung, 14.02.2020, Nummer 31, Seite 10, 940 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020031062




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Corporate Finance Awards für die besten Deals des Jahres

M&A-Award geht an Merck, IPO-Preis an Teamviewer - KKR für Axel-Springer-Transaktion ausgezeichnet

scd Frankfurt - Die Gewinner der Corporate Finance Awards 2019 der Börsen-Zeitung stehen fest: Die Preise gehen in diesem Jahr an Merck, RWE, AMS, Teamviewer, Celonis, Wintershall Dea und KKR. Die Auszeichnungen in den sieben Kategorien IPO, M&A, Large Caps, Mid/Small Caps, Digital, Debt und Private Equity werden am 2. April im Rahmen des von der Börsen-Zeitung und PwC veranstalteten Corporate Finance Summit in Frankfurt überreicht.

Der Jury unter Vorsitz von Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, gehören Martin Scholich, PwC Europe Consulting Leader, Alexander Dibelius, Geschäftsführer der Private-Equity-Gesellschaft CVC, Daniela Favoccia, Partnerin bei der Rechtsanwaltskanzlei Hengeler Mueller, Martin Reitz, Geschäftsführer und Leiter Investment Banking Rothschild Deutschland, sowie Christoph Schalast von der Kanzlei Schalast & Partner, Professor für M&A an der Frankfurt School for Finance & Management, an. Wegen Interessenkonflikten hat sich Herr Schalast bei der Abstimmung in diesem Jahr enthalten. Mit den Awards zeichnet die Börsen-Zeitung bereits zum zehnten Mal Transaktionen oder Kapitalmarktmaßnahmen aus, die unternehmensstrategisch und/oder finanzierungstechnisch herausragen. Die Transaktionen mussten im Jahr 2019 erfolgt sein oder die wesentlichen kartellrechtlichen Hürden genommen haben. Letzteres gelang beim M&A-Deal des Jahres im Eiltempo. Vom ersten, zunächst noch feindlichen Gebot für die US-amerikanische Versum bis zum Closing benötigte Merck nur 222 Tage.

Mit einem deutlich länger angebahnten 40-Mrd.-Euro-Deal setzte sich RWE in der Kategorie Large Caps durch. Mit Eon wurde die Tochter Innogy zerschlagen und der Kohle-Dinosaurier zu einem der größten Ökostromerzeuger der Welt. Bei Mid/Small Caps siegte AMS mit Hartnäckigkeit. Die Übernahme von Osram brauchte mehrere Anläufe.

In der Kategorie IPO überzeugte der Börsengang von Teamviewer die Jury. Dem Göppinger Softwareunternehmen glückte mit 2,2 Mrd. Euro Emissionsvolumen nicht nur das größte deutsche Software-IPO überhaupt. Auch in der Folge lief es an der Börse rund. Binnen weniger Monate ist das Unternehmen mit 6,5 Mrd. Euro Börsenwert bereits in den MDax aufgestiegen.

Auch in der Kategorie Digital hatte für die Jury ein Softwarehaus die Nase vorn. Celonis analysiert Daten von Betriebsabläufen zu deren Optimierung und zählt etwa ABB, BMW und Citigroup zu ihren Kunden. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde warb das deutsche Einhorn vergangenes Jahr 290 Mill. Dollar zu einer Bewertung von 2,5 Mrd. Dollar ein.

In der Kategorie Debt wird das Debüt von Wintershall Dea am Fremdkapitalmarkt prämiert. Die erfolgreiche Anleiheplatzierung im Volumen von 4 Mrd. Euro ist für die Jury ein gutes Vorzeichen für den angepeilten Börsengang. Eine ungewöhnliche Allianz brachte KKR den Preis in der Kategorie Private Equity: der Einstieg und das spätere Delisting von Axel Springer.

Die Preisträger werden in den nächsten Wochen in einer Artikelserie vorgestellt. Den Anfang macht in der heutigen Ausgabe RWE, Sieger der Kategorie Large Caps.

Börsen-Zeitung, 08.02.2020, Nummer 27, Seite 1, 428 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020027005


CORPORATE FINANCE AWARD: DIE GEWINNER (1)

Wie RWE die grüne Wende schafft

Durch clevere Deals und die Zerschlagung von Innogy wird aus dem Kohledinosaurier ein Ökostromriese

Noch 2016 galt RWE als potenzieller Pleitekandidat. Doch mit dem Börsengang der Netztochter Innogy, dem Freikauf aus der Atommüll-Verantwortung und der Zerschlagung von Innogy gelingt die Wende. Aus dem Kohlekonzern wird ein Ökostromriese. Der Börsenwert hat sich auf fast 20 Mrd. Euro verdoppelt.

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

Noch 2016 galt RWE als potenzieller Pleitekandidat. Von 100 Euro Anfang 2008 war der Kurs auf 12 Euro Ende 2015 gefallen. Seither hat sich der Börsenwert des Konzerns nahezu verdreifacht auf 18 Mrd. Euro. Mit mehreren cleveren Deals in drei großen Schritten befreiten Vorstandschef Rolf Martin Schmitz und das Führungsteam den konventionellen Kraftwerkskonzern aus der existenziellen Notlage, in die er durch die Energiewende mit Atomausstieg und subventionierter Ökostromschwemme geraten war. Inzwischen sind die Weichen gestellt: Aus dem Kohledinosaurier RWE wird binnen weniger Jahre einer der größten Erzeuger erneuerbarer Energien der Welt.

Im ersten Schritt trennte RWE 2016 die Geschäfte mit den Netzen, dem Vertrieb und der Ökostromerzeugung vom konventionellen Kraftwerksgeschäft ab und brachte sie im Oktober unter dem Namen Innogy an die Börse. Mit einem Emissionserlös von 4,5 Mrd. Euro für 24 % der Anteile handelte es sich um den größten Börsengang in Deutschland der vergangenen zwei Jahrzehnte. Investoren wurden in Zeiten des Nullzinses angelockt von den verlässlich im Voraus berechenbaren Erträgen aus den staatlich regulierten Stromnetzen, die sichere Dividenden versprachen. Fast 1 Mrd. Euro schüttete Innogy Jahr für Jahr an die Aktionäre aus.

Im zweiten Schritt wurde RWE die Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls zu vertretbaren Kosten an den Staat los. Rund 7 Mrd. Euro zahlte der Konzern Mitte 2017 in den insgesamt rund 25 Mrd. Euro schweren Atomfonds ein, der als Stiftung öffentlichen Rechts organisiert ist und die Ewigkeitslasten der Kernenergie tragen wird. Für Investoren fiel damit ein bedeutender Unsicherheitsfaktor weg.

Den dritten und größten Coup aber landeten RWE-Chef Schmitz und sein Team im März 2018. RWE teilte die Tochter Innogy mit dem ewigen Rivalen Eon auf - ein rund 22 Mrd. Euro Eigenkapital schwerer Deal - inklusive Schulden mehr als 40 Mrd. Euro -, bei dem jedoch wenig bares Geld fließt und stattdessen hauptsächlich Unternehmensteile getauscht werden. Eon erhält Netze und Vertrieb von Innogy. RWE bekommt im Gegenzug die Ökostromsparten von Eon und Innogy sowie einige weitere Kraftwerksbeteiligungen und eine 17-%-Beteiligung an Eon.

Grünes Licht aus Brüssel

Im September 2019 gibt Brüssel nach vertiefter Prüfung unter moderaten Auflagen grünes Licht für die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch Eon. Aus dem Deal geht Eon als Europas größter Stromverteiler hervor und RWE als weltweit zweitgrößter Meereswindparkbetreiber. Bei Eon türmt sich der Schuldenberg mit der Übernahme auf knapp 40 Mrd. Euro auf. RWE wird größter Aktionär bei Eon.

Die Logik des Deals für RWE: Der Konzern hat die sicheren Dividenden der Netztochter Innogy gegen ein volatileres, aber zukunftsträchtiges Geschäft mit Windrädern und Solaranlagen eingetauscht, weil das Unternehmen mit den Braunkohlekraftwerken sonst über kurz oder lang zur Abwicklungsanstalt ohne Zukunft verkommen wäre. Vorläufiger Höhepunkt dieser Wandlungsgeschichte ist der beschleunigte Ausstieg aus der Kohleverstromung, für den RWE im ersten Schritt mit rund 3 Mrd. Euro von der Bundesregierung entschädigt wird.

Als Stromerzeuger ist der Konzern zu neuer Bedeutung gelangt: RWE hat nach der Analyse des Bundeskartellamts in der Stromerzeugung eine Position an der Schwelle zur Marktbeherrschung. "RWE ist derzeit zwar nicht marktbeherrschend, steht aber vergleichsweise nahe an der Beherrschungsschwelle", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt Ende 2019. Der Konzern sei erneut in einer erheblichen Anzahl von Stunden für die Deckung der Stromnachfrage unverzichtbar. "Bereits eine relativ geringfügige weitere Verknappung der Angebotskapazitäten im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs könnte dazu führen, dass RWE die Schwelle zur Marktbeherrschung überschreitet." Das wäre dann also für Ende 2022 zu erwarten.

Aufgrund der zuletzt guten Entwicklungen erwartet der Vorstand für 2019 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf der Basis "RWE stand-alone" von 1,8 Mrd. bis 2,1 Mrd. Euro anstatt 1,4 Mrd. bis 1,7 Mrd. Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda von RWE stand-alone, ohne operative Beiträge der früheren Tochter Innogy, ist in den ersten neun Monaten auf 1,5 Mrd. Euro geklettert - rund 200 Mill. Euro mehr als vor Jahresfrist. Die Zuwächse waren allerdings vor allem dem schwankenden Energiehandel zu verdanken.

Für Berater und Investmentbanker entwickelte sich der Milliardendeal der Zerschlagung von Innogy, der für RWE ein Befreiungsschlag war, zu einer Goldgrube. Mehr als 50 Mill. Euro verdienten sie schätzungsweise daran. Federführende Berater auf der Seite von Eon waren Perella Weinberg und BNP Paribas. Goldman Sachs hatte die Arbeit der Verteidigung von Eon gegen eine unerwünschte Übernahme beendet, war aber noch beim Übernahmeziel Innogy engagiert. Für RWE arbeiteten Bank of America Merrill Lynch und Citi sowie die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Der RWE-Aufsichtsrat setzte auf Rothschild. Hengeler Mueller war für Innogy tätig.

Durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung will RWE die CO2-Emissionen bis 2030 um 70 % reduzieren und bis 2040 auf null verringern. Der Konzern wandelt sich durch den Innogy-Deal zum reinen Stromerzeuger mit einem Portfolio von 46 Gigawatt, das sich von Windrädern an Land und auf See über Solaranlagen, Gaskraftwerke und Kohlemeiler bis hin zu Wasserkraft, Biomasse und Atomkraft erstreckt. Die Ökostromsparte von Eon hat RWE bereits erhalten, die Erneuerbaren von Innogy wechseln 2020 zu RWE.

Auch den Generationenwechsel an der Spitze des Stromkonzerns hat RWE-Chef Schmitz schon angekündigt. Die Neuausrichtung des Unternehmens auf erneuerbare Energien sei ein sehr internationales Geschäft. "Ich weiß nicht, ob ich dafür langfristig der richtige Manager bin."

Als Kandidat mit den größten Chancen auf die Nachfolge gilt Finanzchef Markus Krebber, der von der Commerzbank zu RWE gewechselt war.

Börsen-Zeitung, 08.02.2020, Nummer 27, Seite 8, 897 Wörter

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