Ukraine-Krieg

Russische Zentralbank gerät ins Visier

Bei den Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine gerät nun auch die Zentralbank des Landes immer stärker ins Visier des Westens. Ökonomen prognostizieren der russischen Wirtschaft einen drastischen Einbruch.

Russische Zentralbank gerät ins Visier

ms/det Frankfurt/Washington

Bei den Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine gerät nun auch die Zentralbank des Landes immer stärker ins Visier des Westens. Die US-Regierung folgte am Montag dem Beispiel der EU und kündigte ebenfalls Sanktionen gegen die Notenbank an. Zentralbanker und Experten sprechen von äußerst schwerwiegenden Maßnahmen, die Russlands Wirtschaft sehr hart treffen dürften. Die russische Zentralbank ihrerseits erhöhte am Montag ihren Leitzins drastisch. Das soll für Preis- und Finanzstabilität sorgen und den Rubel-Verfall stoppen.

Die US-Regierung beschloss am Montag, dass weder US-Banken noch andere Unternehmen oder Privatbürger Transaktionen mit der russischen Zentralbank tätigen dürfen. Wie das Weiße Haus bestätigte, bedeuten die jüngste Schritte sowie die Gesamtheit der mit den europäischen Verbündeten abgesprochenen Sanktionen, dass der größte Teil der russischen Fremdwährungsreserven blockiert sein werde. Damit kann auch die russische Zentralbank de facto nicht mehr an den westlichen Finanzmärkten handeln. Zudem sagte ein Sprecher des US-Finanzministeriums, dass Sanktionen gegen den russischen Staatsfonds verhängt werden sollen.

Das Endziel sämtlicher Maßnahmen, einschließlich des Ausschlusses russischer Finanzinstitutionen aus dem Swift-Netzwerk der internationalen Banken (siehe auch Seite 3), sei es, Putins „Kriegskasse“ zu neu­tralisieren, hieß es in Washington: „Die über 600 Mrd. Dollar an Devisenreserven haben für ihn nur dann einen Zweck, wenn er zu diesen Zugang hat und die Reserven nutzen kann, um den Rubel zu verteidigen und seine Wirtschaft zu stützen.“

Zuvor hatte bereits die Europäische Union (EU) Sanktionen gegen die Zentralbank verhängt und in der Nacht zum Montag in Kraft gesetzt. Die internationalen Sanktionen verhindern, dass die Zentralbank auf den Teil ihrer Devisenreserven zugreifen kann, der sich im westlichen Ausland befindet, zumeist bei den jeweiligen Zentralbanken. Nach EU-Angaben treffen die Sanktionen etwa die Hälfte der Devisenreserven. Neben Reserven in Fremdwährungen wie Dollar, Euro, Pfund und Yuan im Wert von 470 Mrd. Dollar hielt die Zentralbank Ende Januar nach eigenen Angaben auch rund 132 Mrd. Dollar in Gold. Zudem wird das Vermögen der Notenbank in der EU beschlagnahmt.

Nagel: Starke Maßnahmen

Bundesbankpräsident Joachim Na­­gel hatte am Sonntag in der ARD gesagt: „Das sind die stärksten Maßnahmen, die ich so kenne, die jemals international ergriffen wurden, und die werden ihre Wirkung nicht verfehlen.“ Ähnlich sehen das andere Ex­­perten. „Die Sanktionen gegen die russische Zentralbank sind die schärfste Waffe im Sanktionspaket des Westens. Damit steht das Sicherheitspolster für die Finanzmärkte nicht mehr zur Verfügung“, sagte Peter Tillmann, Professor für Monetäre Ökonomik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. „ Der dramatische Fall des Rubel am Montag ist erst der Anfang einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise in Russland.“

Im Kampf gegen den Rubel-Verfall erhöhte die russische Zentralbank am Montag ihrer Leitzins drastisch von zuvor 9,5% auf 20%. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina betonte aber, dass die Notenbank am Montag nicht auf dem Devisenmarkt interveniert habe. Wer Dollar und Euro zur Stützung des trudelnden Rubel auf den Markt geworfen hat, ließ sie offen. Zentralbank und Finanzministerium verkündeten zudem am Montag, dass heimische Unternehmen 80% ihrer Deviseneinnahmen verkaufen sollen.

Laut Ökonomen steht der russischen Wirtschaft wegen der Sanktionen ein Einbruch bevor. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal um 20% fallen, geht aus einer neuen Analyse von J.P. Morgan hervor.