Max Heinzle

21Finance rüstet sich für EU-Pilotregime

In der Finanzbranche laufen die Vorbereitungen, um die Wertpapierprozesse auf die Blockchain zu bringen. Dafür hat die EU regulatorische Ausnahmen formuliert. Diesen Sandbox-Ansatz will das Fintech 21Finance nutzen, um als Dienstleister ganz vorne dran zu sein mit seiner DLT-Plattform.

21Finance rüstet sich für EU-Pilotregime

Von Björn Godenrath, Frankfurt

Es war im Dezember fast ein wenig untergegangen: Europaparlament und Europäischer Rat hatten sich darauf verständigt, im Rahmen eines Pilotregimes die Distributed Ledger Technology (DLT) als regulierte Finanzmarktinfrastruktur in der EU einzuführen. Dabei folgt man grundsätzlich dem Sandbox-Ansatz, der eine begrenzte und temporäre Abweichung von den Mifid/Mifir Regelwerken für Finanzinstrumente erlaubt, und öffnet damit die Tür für eine neue Ära in Wertpapierhandel und Settlement.

Greifen soll der neue Rechtsrahmen ab März 2023, so 21Finance-CEO Max Heinzle im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. 21Finance ge­hört zu den Fintechs, die sich als erste für das Pilotregime gerüstet haben. Gegründet 2017 in Liechtenstein, bereitet sich 21Finance heute schon für das Antragsverfahren bei der BaFin vor. Erste Vorgespräche habe man mit Vertretern der Be­hörde am Rande der BaFin Tech in Berlin geführt, berichtet Heinzle. Eine deutsche Antragsgesellschaft befinde sich bereits in Gründung. „BaFin und ESMA wären ja dann unsere Ansprechpartner für die Konkretisierung der Sandbox in praktischer Umsetzung. Wir sind angetan von der Offenheit des Entwurfs für das Pilotregime, denn es besteht Gestaltungsspielraum auf der Tech-Ebene, also ob man zum Beispiel offene oder geschlossene Blockchain-Systeme nutzt. So kann man das volle Potenzial von DLT-Systemen nutzen.“

Dabei bezeichnet Heinzle sein Unternehmen als „SaaS-Anbieter, der ein Ökosystem für DLT-Finanzinstrumente in Trading und Settlement aufbaut“. Im Pilotregime wäre 21Finance dann als „DLT TSS“ positioniert, also als Infrastruktur für Zahlungs- und Wertpapierabrechnungssysteme – eine Kombination eines Handelssystems (DLT MTF) und eines Settlement-Systems (DLT SS), was es ermöglicht, die ganze Wertschöpfungskette abzubilden, ohne weitere Intermediäre einzubeziehen. Es sind ja gerade diese Prozesseffizienzen, die den Reiz von Blockchain-Architekturen für das großvolumige Wertpapiergeschäft ausmachen. Dabei soll der DLT-Handelsplatz von 21Finance dann zwar primär von institutionellen Häusern (Banken, Asset & Wealth Manager, Haftungsdächer) genutzt werden, aber auch offen sein für private Anleger. Das Pilotregime unterscheidet drei Produktkategorien: Aktien, Anleihen und Fondsanteile, die dann als „Security Token“ gehandelt werden. Gelten soll das Pilotregime für zunächst drei Jahre.

Noch sind Transaktionen auf einer solchen DLT-Finanzmarkt­infrastruktur aus regulatorischer Perspektive Terra incognita, da es schlicht und einfach noch kein Lizenzregime für tokenisierte Wertpapiere gibt. „Der Sprung ist für uns als Start-up größer als für ein bereits reguliertes Institut, denn noch haben wir gar keine Lizenz, was sich mit der Sondergenehmigung unter dem Pilotregime ändern würde.“ Für diese Sonder­genehmigung müssen Wertpapierfirmen der nach nationalem Recht zuständigen Be­hörde darlegen, wa­rum ihnen Er­leichterungen gewährt werden sollten, was für Schutzvorkehrungen sie in technologischer Hinsicht getroffen haben und welche Übergangsregelungen sie schaffen, um bei Außerkrafttreten des Pilot­regimes den Übergang in die be­stehende Regulierung zu bewerkstelligen.

Um die Sandbox mit Blick auf mögliche Risiken für die Finanzstabilität überschaubar zu halten, ist unter anderem eine Beschränkung beim Volumen vorgesehen: Jeder Betreiber einer DLT-Infrastruktur kann maximal Wertpapiere im Um­fang von kumuliert 6 Mrd. Euro aufnehmen. „Die Volumen-Caps sind Grenzen, an die wir uns halten müssen. Da wird es ein monatliches Reporting geben. Solche Limits sind für den Übergang sinnvoll, um entstehende Marktrisiken identifizieren zu können.“

In Deutschland ist 21Finance bislang mit einer Servicegesellschaft an den Standorten Lindau und Frankfurt präsent, ein Berliner Büro soll folgen, um Software-Talente zu binden. Die Gründung von 21Finance in Liechtenstein erfolgte, nachdem Heinzle dort zuvor von Regierungsvertretern zu Rate gezogen wurde beim seinerzeit entstehenden DLT-Gesetz. Heinzle ist ein Gründergeist, der Fintechs wie Seedmatch und Mezzany aus der Taufe hob und so frühzeitig an der Verbindung von Tech und Finance arbeitete. Die erste Finanzierung von 21Finance erfolgte über Gründer, Management und einzelne strategische Investoren, be­richtet er.

2018 war dann die Bank Frick eingestiegen. In einer laufenden Pre-Series-A sollen 10 Mill. Euro in das Start-up investiert werden, wobei es für die Hälfte der Summe schon Zusagen gebe. Zum Jahresende zielt Heinzle dann auf eine Series-A mit ordentlich zweistelligem Millionen-Volumen, dafür sei auch schon eine renommierte Investmentbank mandatiert. Das Geschäftsmodell von 21Finance sehe dann so aus, „dass es natürlich wirtschaftlich sein muss, Security Token über unsere Plattform abzuwickeln. Dafür sollten wir ganz gut gerüstet sein, denn unsere Backoffice-Kosten sind mit einem hohen Grad an Standardisierung und Automatisierung gering“.

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